Panorama

Proteste in den "Roten Zonen" Italien ist jetzt im sanften Lockdown

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Vorm Mailänder Dom war am Freitag nicht mehr viel los.

(Foto: dpa)

Einen kompletten Lockdown wie im Frühjahr will die italienische Regierung unbedingt vermeiden. Stattdessen ist das Land jetzt in unterschiedliche Risikozonen eingeteilt. Manche Regionen wehren sich gegen die Einstufung, im Süden werden dagegen Rufe nach mehr Beschränkungen laut.

In Italien sorgen die verschärften Corona-Vorschriften für heftige Proteste, obwohl der Teil-Lockdown weniger streng ist als im Frühjahr. Regionalpolitiker von Nord bis Süd forderten von der Mitte-Links-Regierung erneut Änderungen bei der Einteilung des Mittelmeerlandes in drei neue Risikozonen. In vielen Städten traten Taxifahrer in einen mehrstündigen Streik, um unter anderem gegen die nächtliche Ausgangssperre im ganzen Land zu protestieren. Sie haben durch den Einbruch des Tourismus seit der ersten Corona-Welle vom Frühjahr große Einbußen erlitten. Ministerpräsident Giuseppe Conte verteidigte die Verschärfung, die seit Freitag in Kraft ist.

Rom habe im Oktober mehrfach neue Anti-Corona-Regeln erlassen. Darunter waren die Maskenpflicht und die Schließung der Lokale nach 18 Uhr. "Aber das Virus ist ein Zug, der rollt", sagte er bei einer Veranstaltung des "Corriere della Sera". Am Freitag meldeten die Gesundheitsbehörden erneut einen Rekordwert der Corona-Fallzahlen. Demnach wurden binnen 24 Stunden mehr als 37.800 Neuinfektionen gezählt und 446 Tote. Damit stieg die Gesamtzahl der registrierten Fälle auf knapp 862.700. Mehr als 40.500 Menschen starben bislang mit dem Virus Sars-CoV-2.

Für die 60 Millionen Bürger und Bürgerinnen gilt nun eine nächtliche Ausgangssperre von 22 Uhr bis 5 Uhr morgens. Für den Weg zur Arbeit oder aus medizinischen Gründen sind Ausnahmen erlaubt. Im ganzen Land sind die Museen zu. Höhere Schulen und Universitäten müssen auf Online-Unterricht umstellen.

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Jeder Vierte lebt in Hochrisikozone

Außerdem sind vier Regionen "Rote Zonen" mit einem weitreichenden Teil-Lockdown, der rund um die Uhr gilt. Betroffen sind im Norden die wirtschaftsstarke Lombardei, das Piemont und das Aostatal sowie Kalabrien im Süden. Ein Viertel der Italiener lebt in diesen Hochrisikozonen. Dort sollen die Menschen weitgehend zu Hause bleiben. Ausnahmen gelten etwa für den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen. Wer unterwegs ist, muss eine schriftliche Selbstauskunft mit Gründen dabei haben. Bars, Restaurants und Geschäfte, die nichts Lebensnotwendiges verkaufen, sind zu. Außer-Haus-Verkauf in Bars ist weiter erlaubt.

Die Millionenstadt Mailand wirkte am Freitag trotzdem längst nicht so ausgestorben wie bei den viel strikteren Sperren im März und April, wie italienische Medien berichten. Damals mussten auch zahlreiche Unternehmen dichtmachen. Das will die Regierung jetzt vermeiden. Auch in Turin im Piemont brachten Eltern kleine Kinder in Grundschulen, die weiter offen sind. Andere tranken im Stehen vor Bars schnell einen Morgenkaffee.

Am Donnerstagabend demonstrierten in Bergamo in der Lombardei nach Berichten mehrere Hundert Menschen. Bergamo war in der ersten Corona-Welle schwer getroffen worden. In der aktuellen zweiten Welle sind die Fallzahlen in der Stadt weniger dramatisch als in anderen Teilen der Region. Regionalpolitiker aus der Lombardei, Ligurien und Kalabrien forderten erneut, ihre Gefahren-Einstufung zu überprüfen. In Kampanien mit der Metropole Neapel dagegen fürchten die Verantwortlichen einen Zusammenbruch des Krankenhaus-Systems. Sie möchten eine erhöhte Risikostufe.

Insgesamt hat die Regierung das Land in drei Risikozonen eingeteilt: Es gibt rote, orange und gelbe Gebiete. In den Zonen im Mittelfeld (orange) dürfen die Menschen ihr Haus zwar verlassen. Aber es ist verboten, in andere Orte oder Regionen zu fahren. Auch hier gelten Ausnahmen etwa für den Weg zur Arbeit. In diese Stufe ordnete Rom die beliebten Urlauberziele Sizilien und Apulien ein. Der große Rest Italiens ist "gelb" - mit moderaten Einschränkungen. Dazu gehört auch die Hauptstadt Rom. Dort waren die Straßen abends in den vergangenen Tag ohnehin schon viel leerer als etwa Mitte Oktober. Alle neuen Verschärfungen gelten zunächst bis zum 3. Dezember.

Quelle: ntv.de, ino/dpa