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Missbrauchsskandal in Kirche Keine Ermittlungen gegen Kölner Kardinal Woelki

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Der Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln hat keine juristischen Folgen für Kardinal Rainer Maria Woelki.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Trotz mehr als 30 Anzeigen hat der Fall um einen wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Kölner Priester kein juristisches Nachspiel für den umstrittenen Kardinal Woelki. Die Staatsanwaltschaft fand nach eigenen Angaben keine Anhaltspunkte für eine Mitverantwortung.

Die Kölner Staatsanwaltschaft wird kein Ermittlungsverfahren gegen Kardinal Rainer Maria Woelki und den ehemaligen Generalvikar Markus Hofmann einleiten. Das teilte das Erzbistum in Köln mit. Zur Begründung habe die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass keinerlei Anfangsverdacht vorliege. Der "Kölner Stadt Anzeiger" zitierte aus einem Bescheid der Behörde, demnach haben sich keine "zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für verfolgbare Straftaten" ergeben.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller kritisierte das Vorgehen und spricht gegenüber dem Blatt von einer politischen Entscheidung und warf der Staatsanwaltschaft "Beißhemmung" gegenüber der Kirche vor. Der Kardinal und sein Ex-Generalvikar sehen sich hingegen nun als "vollständig entlastet", hieß es in einer Mitteilung des Erzbistums.

Im Zusammenhang mit dem Fall des wegen Missbrauchs verurteilten Priesters Hans Bernhard U. waren mehr als 30 Anzeigen aus dem gesamten Bundesgebiet bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Diese richteten sich gegen Kardinal Woelki, Ex-Gerneralvikar Markus Hofmann, den früheren Offizial Günter Assenmacher sowie den ehemalige Generalvikar und heutigen Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße. Dabei ging es unter anderem um Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern.

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Der katholische Priester U. wurde Ende Februar wegen des jahrelangen Missbrauchs von insgesamt neun Mädchen zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte seine Opfer zwischen 1993 und 2018 in insgesamt 110 Fällen sexuell missbrauchte. Das Erzbistum wird seit Jahren von einem schweren Missbrauchsskandal erschüttert.

Im Prozess vor dem Landgericht kam dabei auch die Frage einer Mitverantwortung der Kirche für die Taten des Priesters U. zur Sprache, gegen den weder Woelki noch von dessen Vorgänger Joachim Meisner ein striktes Kontaktverbot zu Kindern und Jugendlichen verhängt oder ihm andere Auflagen wie eine Therapie oder regelmäßige Kontrollen gemacht hatten. Wie sich im Prozess herausstellte, setzte U. auch in der Zeit, in der das Erzbistum die Vorwürfe gegen ihn kannte, seine Missbrauchsserie fort. Vertreter des Erzbistums Köln haben in dem Prozess jede Mitverantwortung von sich gewiesen.

Quelle: ntv.de, ysc/AFP

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