Panorama

Prozess um linksextreme Lina E. Kronzeuge gesteht Übung von Angriffen auf Neonazis

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Ein Kronzeuge sagt im Prozess gegen vier Mitglieder der linksextremen Szene in Leipzig aus; diese hätten Angriffe auf Neonazis geprobt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Lina E. und ihre Mitstreiter sollen Übergriffe auf Neonazis vorab trainiert haben. Das sagt ein aus der linksextremen Szene stammender Zeuge im Prozess aus. Zudem sollten gezielt Rechtsextreme attackiert werden, die 2016 den Leipziger Stadtteil Connewitz verwüsteten und Linke angriffen.

Nach Angaben des Kronzeugen im Prozess gegen mutmaßliche Linksextreme um die Studentin Lina E. sollen die Angeklagten regelmäßig Szenarien für Angriffe auf Neonazis geübt haben. Dabei sei man von unterschiedlichen Konstellationen ausgegangen, je nachdem, ob die Betroffenen mit einem Angriff rechneten oder nicht, sagte der 30-Jährige im Oberlandesgericht (OLG) Dresden. Bei den Trainings habe es jedoch keine Absprachen über konkrete Taten gegeben.

In dem Prozess stehen die aus Kassel stammende Studentin Lina E. sowie drei Männer aus Leipzig und Berlin vor Gericht. Ihnen wirft die Bundesanwaltschaft vor, zwischen 2018 und 2020 Angehörige der rechten Szene in Leipzig, Wurzen und Eisenach zusammengeschlagen zu haben. Zudem sind sie wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt, als deren Kopf Lina E. gesehen wird. Die Verteidigung hält diesen Vorwurf für konstruiert und spricht von einem "politisierten Verfahren". Alle vier schwiegen bisher zu den Anschuldigungen.

Bei der Verhandlung kam auch die sogenannte 215-er Liste zur Sprache. Am 11. Januar 2016 hatte vermummte Neonazis und Hooligans den bei Linken beliebten Leipziger Stadtteil Connewitz überfallen und ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Der Mob brannte Autos ab, schlug Scheiben ein, zündete Pyrotechnik und versuchte eine Barrikade zu errichten. Die linke Szene hatte zu diesem Zeitpunkt in der Innenstadt gegen islam- und ausländerfeindliche Legida-Anhänger demonstriert - der Leipziger Ableger von Pegida. Später wurden 215 Tatverdächtige für den Überfall auf Connewitz ermittelt.

Verlobter von Lina E. baute Kontakt zu Rechtsextremen auf

Es sei darum gegangen, diese Liste "abzuarbeiten", sagte der Zeuge. Der Verlobte der Hauptangeklagten Lina E. habe versucht, über Fake-Profile bei Facebook Kontakt zu Rechtsextremen herzustellen. Der Mann selbst sitzt nicht in Dresden auf der Anklagebank, er ist abgetaucht. Der Kronzeuge will von ihm auch Berichte und Bekennerschreiben über vollendete Taten erhalten haben. Das von ihm genannte Beispiel bezog sich aber nicht auf einen der Fälle, die am OLG angeklagt sind.

Der Kronzeuge war nach eigenen Angaben als "Scout" im Einsatz und nur bei einer der angeklagten Taten am Rande beteiligt. Aber schon zuvor soll er für die Szene Informationen über Rechtsextreme ausgespäht haben. Seit er sich den Sicherheitsbehörden offenbarte, gilt er in der linksextremen Szene als Verräter. Wegen einer möglichen Bedrohung wird er im Sicherheitssaal zusätzlich von mehreren Beamten beschützt. Lina E. sitzt in Untersuchungshaft, die Mitangeklagten sind auf freiem Fuß.

Vor dem Gerichtssaal wurde erneut für die Freilassung der 27-Jährigen demonstriert. Dabei verlas man auch ein Schreiben ihrer Mutter, die darin protestierte, dass ihre Tochter schon seit 638 Tagen in U-Haft sitzt und zu jeder Verhandlung im Konvoi und in Hand- und Fußfesseln gebracht wird.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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