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Korruptionsverdacht und Drogen LKA verhaftet Berliner Polizisten

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der Einsatz ist sicher nicht alltäglich: In Berlin rücken Beamte aus, um einen Kollegen zu verhaften. Im gesamten Stadtgebiet gibt es Durchsuchungen. Es geht um Drogenhandel und Schmiergelder.

Bei einem Polizei-Einsatz in Berlin ist ein Beamter von seinen Kollegen verhaftet worden. Das teilt die Staatsanwaltschaft mit. Hintergrund sind Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts sowie wegen Drogenhandels. Insgesamt wurden 3 Haftbefehle und 14 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt und in der gesamten Stadt mehrere Objekte durchsucht.

Bei dem verhafteten Beamten handelt es sich der Behörde zufolge um einen 39-jährigen Beamten. Ihm werden Bestechlichkeit, die Verletzung von Dienstgeheimnissen und Drogenhandel vorgeworfen. Ähnliche Ermittlungen laufen gegen vier weitere Beschuldigte im Alter zwischen 44 und 51 Jahren.

Der festgesetzte Beamte soll in mehreren Lokalen im Stadtteil Wedding mit den übrigen Männern vereinbart haben, sie gegen Geldzahlungen vor Polizei-, Steuer- oder Zollaktionen zu warnen. Die jeweiligen Summen sollen sich auf bis zu 3000 Euro belaufen haben. Gegen weitere Zahlungen habe er den Männern zudem einen Lagerraum zum zeitweisen Unterbringen von Drogen zur Verfügung gestellt.

An der Aktion waren den Angaben zufolge 50 Beamte im Einsatz. Es wurden Handys, Bargeld und Vermögenswerte in Höhe von 55.000 Euro gesichert. Laut lokalen Medien war auch das SEK beteiligt. "Es versteht sich von selbst, dass wir die Staatsanwaltschaft Berlin bei ihren Ermittlungen vollumfänglich unterstützen", sagte der Behördenleiter der Berliner Polizei, Michael Krömer. Man werde alle weiteren erforderlichen Schritte prüfen und einleiten.

Berlin im Fokus der organisierten Kriminalität

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt sagte auf einer Pressekonferenz zu den Durchsuchungen, dass man um Korruption in der Stadt wisse, der Fall aber auch zeige, dass der Kampf dagegen funktioniere. "Wir sind auf Whistleblower angewiesen, die uns Hinweise auf Korruption geben", führte Behrendt fort. Um die Sicherheit von Zeugen zu garantieren habe man einen Vertrauensanwalt installiert.

Die Berliner Polizei war zuletzt immer wieder in den Schlagzeilen. Vor kurzem musste Polizeichef Klaus Kandt seinen Posten räumen. Er stand zuletzt mehrfach in der Kritik - unter anderem wegen der Zustände an Polizeischießständen. Für Schlagzeilen sorgte auch die Polizeiakademie, wo sich Ausbilder über Disziplinlosigkeit von Polizeianwärtern bis hin zu kriminellen Bewerbern beschwert hatten.

Seit dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche im Dezember 2016 waren zudem immer wieder Ermittlungspannen ans Licht gekommen. Der Berliner SPD-Abgeordnete Tom Schreiber twitterte: "Ein Markenkern der Organisierten Kriminalität ist, dass diese auf allen gesellschaftlich relevanten Ebenen vernetzt ist. Leider auch bei der Korruption in Behörden. Darüber spricht man nicht gerne, aber so läuft's."

Quelle: n-tv.de, jwu/mba/dpa

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