Panorama

Pädophilen-Netz in Münster Neue Opfer in Missbrauchsfall ermittelt

Ein neuer massiver Fall von Kindesmissbrauch erschüttert Nordrhein-Westfalen. Elf Verdächtige werden bundesweit festgenommen. Innenminister Reul geht nicht davon aus, dass alle Täter ermittelt werden können. Die Menge der beschlagnahmten Daten sei schlicht zu groß.

Nach der Aufdeckung eines Pädophilen-Netzes in Münster wird es aus Sicht von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul nicht gelingen, alle Beteiligten zu fassen. "Wir werden garantiert nie alle erwischen", sagte Reul mit Blick auf Täter, die das Material bezogen haben.

"Im Moment ist auch die Priorität darauf gerichtet, erstens die, die wir jetzt erwischt haben, die es ja selber betrieben haben, zur Verurteilung zu bringen. Und zweitens, noch mögliche weitere Täter und - das ist das Allerwichtigste - mögliche weitere Kinder zu finden", sagte Reul im "Bild"-Live-Interview. "Und am Schluss werden wir uns wahrscheinlich um die Frage kümmern: Wer hat denn das alles noch konsumiert?" Die Datenmengen seien so groß, dass die Ermittler nicht alles auf einmal machen könnten.

In dem neuen Missbrauchsfall sind bundesweit elf Verdächtige festgenommen worden. Sieben der Beschuldigten befinden sich in Untersuchungshaft. Bis zum Wochenende waren drei Kinder als Opfer identifiziert worden. Wie RTL erfuhr, gelang es den Beamten nun, zwei weitere Opfer zu ermitteln. Dabei handelt es sich um Jungen , die aus verschiedenen Städten aus dem Bundesgebiet stammen. In einem Fall ging der Vater eines Jungen zur Polizei und äußerte den Verdacht, dass sein Sohn missbraucht worden sein könnte.

Ermittler gehen von noch mehr Missbrauchsfällen aus

Der Hauptbeschuldigte ist ein 27 Jahre alter IT-Techniker aus Münster. Dessen Mutter arbeitete bis zur ihrer Festnahme in einem Kindergarten als Erzieherin. Ihre Gartenlaube gilt derzeit als Haupttatort. Die Frau soll ihrem Sohn die Schlüssel überlassen und den sexuellen Missbrauch der Kinder in Kauf genommen haben. Ermittler fanden hochprofessionelle technische Ausstattung zur Videoaufzeichnung. Sie stellten Hunderte Terabyte versiert verschlüsselten Materials sicher.

Nach der Aufdeckung des Pädophilen-Netzwerks in Münster werden nach Überzeugung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in den kommenden Monaten weitere Fälle folgen. Dass in Nordrhein-Westfalen "immer mehr Missbrauchsfälle bekannt werden", habe viel damit zu tun, dass dort die Ermittlungskapazitäten in dem Bereich erhöht worden seien, sagte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Michael Maatz. "Deshalb müssen wir damit rechnen, dass in den nächsten Monaten weitere Gruppen von Kinderschändern auffliegen werden, zum Teil in Dimensionen, die sich bislang niemand vorstellen kann."

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Reul sagte, dass sich Fälle von Kindesmissbrauch durch Kinderpornografie im Internet beschleunigten. "Sehr häufig ist es so, dass jemand, der kinderpornografisches Material konsumiert, irgendwann nur in den Chats bleiben kann, wenn er selber liefert."

Korrekturhinweis: In einer ersten Version dieses Artikels hatten wir über drei weitere identifizierte Opfer berichtet. Nach aktuellen Informationen unserer Redaktion sind jedoch nur zwei weitere Opfer identifiziert.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa