Panorama

Bremen macht Hoffnung Berlin schon auf Höhepunkt der Omikron-Welle?

Bundesweit die mit Abstand höchste Inzidenz aller Kreise hat derzeit Berlin-Mitte mit 2200 Neuinfektionen.

Bundesweit die mit Abstand höchste Inzidenz aller Kreise hat derzeit Berlin-Mitte mit 2200 Neuinfektionen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Berlin hat jetzt die höchste Inzidenz Deutschlands. Der Höhepunkt der Omikron-Welle könnte dort bald erreicht sein, falls sie ähnlich wie in Bremen oder London verläuft. In einzelnen Bezirken deutet sich die Tendenz bereits an. Vor allem für die Krankenhäuser wäre das eine gute Nachricht.

Mit rund 1260 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner hat Berlin jetzt zusammen mit Bremen die höchste Sieben-Tage-Inzidenz Deutschlands. Am Samstag wird die Hauptstadt alleiniger Spitzenreiter sein, denn während dort die Fallzahlen noch steil nach oben gehen, sinken sie in Bremen bereits seit einigen Tagen wieder deutlich. Vieles spricht dafür, dass die Omikron-Welle auch in der Hauptstadt bald brechen könnte, wie unter anderem ein Blick nach London zeigt. Möglicherweise hat sie in einzelnen Bezirken bereits ihren Höhepunkt überschritten.

Fünf Bezirke über 1500

Bundesweit die mit Abstand höchste Inzidenz aller Kreise hat derzeit Berlin-Mitte mit 2200 Neuinfektionen, es folgen Neukölln, Spandau und Friedrichshain-Kreuzberg mit Werten von rund 1590. Pankow kommt aktuell auf knapp 1540 Fälle. Unter 1000 liegen nur noch Steglitz-Zehlendorf (677) und Tempelhof-Schöneberg (830). Marzahn-Hellersdorf meldet derzeit nur eine Inzidenz von 290, doch in diesem Bezirk hatte das Gesundheitsamt technische Probleme, wodurch es sieben Tage lang keine Fallzahlen an das RKI übermitteln konnte.

Getrieben wird die Pandemie in Berlin vor allem von den jungen Altersgruppen. Die höchste Inzidenz haben die 10- bis 14-Jährigen mit rund 3000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Die 5- bis 9-Jährigen kommen auf etwa 2850, die 15- bis 19-Jährigen auf 2200 Fälle. Bei den vulnerablen Älteren ab 60 Jahren sind die Inzidenzen deutlich niedriger, allerdings ist der Wert bei den über 90-Jährigen nahe 500 kritisch.

Kaum Auswirkungen auf Intensivstationen

Auf den Intensivstationen hat die Omikron-Welle in Berlin bisher noch keine größeren Auswirkungen verursacht, die meisten Patienten dort wurden noch mit der Delta-Variante infiziert. Daher nehmen die Corona-Intensivfälle in Berlin weiter ab, am 11. Dezember waren es noch 257, jetzt 170.

Das muss aber nicht so bleiben, wie man an Bremen sieht, wo sich Omikron früher durchsetzen konnte. Dort hat die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen seit dem 30. Dezember von 23 auf 27 wieder leicht zugenommen.

Patienten mit statt wegen Omikron

Problematischer ist wahrscheinlich die Entwicklung auf den Normalstationen, deren Belegung in Berlin seit dem Jahreswechsel deutlich zunimmt und mit 606 Corona-Patienten bereits ungefähr den Höchststand des vergangenen April erreicht hat. Laut Landesgesundheitsamt (Lageso) verdoppelt sich die Belegung derzeit alle 23 Tage. Stoppt oder verlangsamt sich die Entwicklung nicht, drohen im Februar Werte wie vor einem Jahr.

Aktuell kommen sehr viele Patienten nicht wegen Covid-19 ins Krankenhaus, sondern werden erst dort positiv getestet - laut Zahlen der britischen Statistikbehörde könnte dies bei bis zu 50 Prozent der Fall sein. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey sagte ntv am Freitag bei einem Klinikbesuch, nahezu alle Omikron-Patienten seien dort wegen anderen Krankheitsbildern. Doch auch diese Patienten sind eine enorme Belastung, da sie unter großem Aufwand isoliert untergebracht und behandelt werden müssen. Hinzu kommt eine wachsende Personalnot in den Kliniken.

Omikron-Welle könnte bald wie in Bremen brechen

Die Chancen stehen aber recht gut, dass die Hospitalisierungen in Berlin keine neuen Höchststände erreichen werden. Die Omikron-Welle könnte in der Hauptstadt schon kommende Woche brechen. Ein Grund zur Hoffnung gibt die Entwicklung in Bremen, denn in der Hansestadt sind die Fallzahlen seit einer Woche rückläufig. Die Inzidenz sank dort von rund 1470 auf 1260 und die Kurve zeigt weiter steil nach unten.

Es gibt auch Indizien das einzelne Berliner Bezirke auch schon den Höhepunkt der Omikron-Welle erreicht beziehungsweise überschritten haben. In Mitte ist die Inzidenz erstmals seit dem 3. Januar nicht gestiegen, sondern von 2337 auf 2200 gefallen. Neukölln verzeichnet bereits zwei Tage einen Rückgang von rund 1750 auf knapp 1590 und in Friedrichshain-Kreuzberg sind die Fallzahlen sogar seit dem 17. Januar von knapp 1840 auf 1590 gesunken.

Sehr hohe Test-Positivquote

Die Aussagekraft ist noch sehr beschränkt, die fallenden Werte könnten auch auf einen Meldeverzug zurückzuführen sein. Bei einer vom Lageso gemeldeten Test-Positivrate für die vergangene Woche von 26,5 Prozent ist aber vor allem eine Untererfassung möglich. Höher war der Wert in Berlin nie und die Anzahl der durchgeführten Tests hat die Laborkapazitäten überschritten. Und weil in anderen Bezirken die Inzidenzen noch ungebremst steigen, kann man für Berlin nur sehr vorsichtig optimistisch sein.

Für ein baldiges Brechen der Welle spricht aber, dass bereits in anderen Metropolen zu beobachten war, dass sich die "Omikron-Wand" nach einem etwa einwöchigen Anlauf rund drei Wochen lang steil aufbaut und dann nahezu ebenso schnell in sich zusammenbricht. Das war unter anderem in New York so, das beste Beispiel ist aber London, da die Datenlage dort besonders gut ist.

Entwicklung wie in London?

Ungefähr seit Weihnachten ist die Sieben-Tage-Inzidenz in der britischen Hauptstadt von rund 2000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf etwa 880 gefallen. Ein gutes Zeichen ist auch, dass die Anzahl der Corona-Intensivpatienten in London in der Omikron-Welle nur geringfügig gestiegen ist und seit dem 5. Januar ebenfalls rückläufig ist. Ähnliches gilt für die Normalstationen, die durch die Verbreitung der neuen Variante deutlich stärker getroffen wurden. Der steile Anstieg kehrte sich dort am 7. Januar um und die Kurve fällt seitdem steil ab.

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In London gibt es praktisch keine Corona-Regeln, während es in Berlin etwa die 2G-plus-Regel zur Eindämmung gibt. Trotzdem kann man aus der Situation in Großbritannien nicht auf die der deutschen Hauptstadt schließen. Offenbar bremsen einschränkende Maßnahmen in Ballungsräumen, wo viele jüngere und sozial aktive Menschen auf engem Raum zusammenleben, Omikron weniger stark ein als möglicherweise in ländlicheren Regionen.

Die britische Hauptstadt hat auch keine besseren Impfquoten als Berlin. Nur 63 Prozent der über 12-Jährigen dort haben zwei Dosen erhalten, lediglich 43 Prozent sind geboostert. Bei den über 60-Jährigen sind 80 bis 89 Prozent grundimmunisiert, 68 bis 82 Prozent haben eine Auffrischung erhalten. In Berlin haben rund 58 Prozent der 12- bis 17-Jährigen, 82 Prozent der 18- bis 59-Jährigen und 91 Prozent der über 60-Jährigen eine Grundimmunisierung. 77 Prozent der Berliner über 60 Jahre sind geboostert.

(Dieser Artikel wurde am Freitag, 21. Januar 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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