Panorama

Politische Töne zu Ostern Papst und Bischöfe predigen gegen den Hass

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Papst Franziskus fährt nach der Ostermesse im Papamobil über den Petersplatz.

(Foto: dpa)

Die Kirchen warnen in ihren Osterbotschaften davor, Menschen auszugrenzen. Deutsche Bischöfe prangern Armut und Radikalisierung an, Papst Franziskus ruft zur Versöhnung in Syrien und Palästina auf.

Die katholische und die evangelische Kirche haben zu Ostern zu einem toleranten Miteinander aufgerufen und mehr Friedensbemühungen angemahnt. Sie warnten vor Fremdenfeindlichkeit und einem Aufflammen von Antisemitismus. Papst Franziskus warb in seiner Osterbotschaft für die Bereitschaft zu Versöhnung in den Konfliktregionen der Welt. Konkret sprach er die tödlichen Unruhen im Gazastreifen an. "Wir sehen dieser Tage die Wunden des anhaltenden Konflikts, der auch die Schutzlosen nicht verschont", sagte der Papst.

Zudem forderte er ein Ende des "schier endlosen Krieges" in Syrien. Auf dem Petersplatz in Rom sagte er, möge an Ostern "das Licht des auferstandenen Christus die Gewissen aller politischen und militärischen Verantwortungsträger erleuchten, auf dass die fortschreitende Vernichtung sofort beendet, das humanitäre Völkerrecht respektiert und der Zugang zu der von diesen unseren Brüdern und Schwestern dringend benötigten Hilfe erleichtert wird". Danach sprach er den traditionellen Segen "Urbi et Orbi".

Hierzulande rief der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, die Menschen dazu auf, sich für eine freie Gesellschaft zu engagieren. "Dazu braucht es viele Menschen, die ihre Freiheit verantwortlich und überzeugend leben. Ein solches Miteinander in einer Kultur der Freiheit ist kein Selbstläufer, es braucht täglichen Einsatz", sagte er in seiner Predigt am Ostersonntag im Münchner Liebfrauendom. Die Begegnung mit Christus bestärke die Gläubigen zu Ostern in der "Hoffnung darauf, dass ein Miteinander auch von Menschen unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen und Kulturen gelingen kann, weil wir gemeinsam Menschen sind", sagte Marx laut vorab verbreitetem Manuskript.

Das Gefühl, gewollt zu sein

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Der EKD-Ratsvorsitzende hält im Berliner Dom die Osterpredigt.

(Foto: dpa)

Vor einer Ausgrenzung von Armen und Schwachen warnte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. "Bei Armut geht es nicht nur um Geld. Armut ist im Kern fehlende Teilhabe", sagte er im Berliner Dom. Jeder Mensch müsse spüren und erfahren, dass er Teil dieser Gesellschaft sei, dass er gewollt sei und gebraucht werde. "Dass alle Menschen in unserer Gesellschaft, auch die Schwächsten und Verletzlichsten, in diesem Gefühl leben können, das ist die große Aufgabe in Politik und Gesellschaft der nächsten Jahre."

Ostern ist das wichtigste Fest für Christen in aller Welt. Sie feiern die Auferstehung Jesu von den Toten. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck forderte die Christen auf, sich "angesichts der ungeheuren Konflikte der Gegenwart" unablässig für Frieden einzusetzen. An die Adresse von Politik und Militär sagte der katholische Militärbischof der Bundeswehr, Gewalt dürfe nur das letzte Mittel der Wahl sein, um noch größere Gewalt abzuwenden, Leben zu schützen und das Recht auf Notwehr in bestimmten Fällen umzusetzen.

"Schändliche Instrumentalisierung von Ängsten"

Der Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, wandte sich in seiner Osterpredigt entschieden gegen Nationalismus, Hass und Ausgrenzung. Mit Blick auf wachsende Fremdenfeindlichkeit kritisierte er "die schändliche Instrumentalisierung von Ängsten der Menschen für sich selbst oder das eigene kranke Weltbild". Er sei erschrocken, wie schnell manche bereit seien, sich radikalisieren zu lassen, sagte Wiesemann ebenfalls laut vorab verbreitetem Manuskript.

Hannovers evangelischer Landesbischof Ralf Meister warnte vor einem Aufflammen des Antisemitismus in Europa. "Antisemitismus bleibt Gotteslästerung", sagte er in der Marktkirche in Hannover. "Ich betone das, weil wir gegen manche Versuche, religiöse Ausgrenzungen in unserer Gesellschaft wieder zu etablieren, das Osterfest als Hoffnungssignal für alle Menschen verstehen." Auch der Berliner Bischof Markus Dröge erklärte, ihm sei in diesem Jahr das Osterevangelium als Friedensbotschaft besonders wichtig.

Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July rief in der Stuttgarter Stiftkirche zu Zuversicht auf. "Auch wenn uns scheinen mag, dass um uns herum die meisten und die lautesten Stimmen die des Todes, der Gewalt sind: Verblendete Terroristen, die sich und viele andere in den Tod befördern, unverantwortliche Diktatoren und Politiker, die mit Atomdrohungen durch die Weltpolitik wandern, als ob das ein Spiel wäre."

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP

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