Panorama

"Ich lebe noch" Papst weist Rücktrittsgerüchte zurück

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Beim ersten Interview seit seinem Krankenhausaufenthalt im Juli plaudert Papst Franziskus auch über seinen Dickdarm.

(Foto: via REUTERS)

Nach einer schmerzhaften Darmoperation meldet sich Franziskus in der Öffentlichkeit zurück: In seinem ersten Interview seit Juli wischt er in Rom kursierende Rücktrittspekulationen vom Tisch. Und leistet sich dabei auch noch einen kleinen Fauxpas, indem er Merkel mit Putin verwechselt.

Papst Franziskus hat Spekulationen in den italienischen Medien über einen möglichen Rücktritt zurückgewiesen. "Das ist mir nicht einmal in den Sinn gekommen", sagte der Papst in einem Interview mit dem spanischen Radiosender Cope. Er könne sich nicht erklären, wie die Medien auf diese Idee gekommen seien, sagte Franziskus, der sich vor rund zwei Monaten einer Darmoperation unterzogen hatte.

"Wenn ein Papst im Krankenhaus liegt, erhebt sich immer ein leichter Wind oder ein Wirbelsturm im Konklave", scherzte der 84-Jährige und bezog sich damit auf die Versammlung im Vatikan hinter geschlossenen Türen, bei der ein neuer Papst gewählt wird. Er halte sich von solchen Gerüchten fern, indem er nur eine italienische Tageszeitung lese und nie fernsehe.

Auch die Frage nach seinem Gesundheitszustand beantwortete das Oberhaupt der Katholiken in scherzhaftem Ton: "Ich lebe noch!", sagte er lachend. Besondere Anerkennung gebühre einem "sehr erfahrenen" italienischen Krankenpfleger im Krankenhaus des Vatikan. Dieser habe ihm "das Leben gerettet", indem er den Pontifex dazu drängte, sich einer Darmoperation zu unterziehen. "Jetzt kann ich alles essen, was vorher mit den Divertikeln nicht möglich war", sagte Franziskus. Bei sogenannten Divertikeln handelt es sich um Ausstülpungen an der Außenwand des Dickdarms. Er müsse weiterhin Medikamente einnehmen, ansonsten gehe es ihm aber gut, betonte der Papst. Ärzte hatten dem Papst bei dem Eingriff Anfang Juli einen Teil seines Darms entfernt.

Merkels Weisheit, Putins Worte

Allerdings unterlief Franziskus in dem Interview auch ein Lapsus: Irrtümlich schrieb er die Kritik des russischen Präsidenten Wladimir Putin an der Interventionspolitik des Westens in Afghanistan Bundeskanzlerin Angela Merkel zu. Das Oberhaupt der katholischen Kirche bezeichnete Merkel als eine "der großen Persönlichkeiten der internationalen Politik" und zitierte sie dann mit diesem Satz: "Es ist notwendig, der unverantwortlichen Politik des Eingreifens von außen und des Aufbaus der Demokratie in anderen Ländern unter Ignorierung der Traditionen der Völker ein Ende zu setzen."

Zwar hat auch Merkel angesichts des Afghanistan-Debakels betont, dass international darüber beraten und künftig gut abgewogen werden müsse, wo man sich einsetzt - das vom Papst genannte Zitat ist aber die Position Putins, der dem Westen schon länger Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder vorwirft.

Der Papst aber lobte in dem Interview die "Weisheit" der Worte "dieser Frau" während ihres Moskau-Besuchs vor eineinhalb Wochen. Der Vatikan reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zu der Äußerung des 84-jährigen Argentiniers. Es ist das erste Interview von Franziskus nach seinem Aufenthalt in der Poliklinik Agostino Gemelli in Rom.

Er verkündete in dem Interview auch seine Reisepläne: Zunächst werde er im September Ungarn und die Slowakei besuchen. Auch Reisen nach Griechenland, Zypern und Malta sind demnach geplant. Im November will Franziskus an der Weltklimakonferenz in Glasgow teilnehmen, wie der Vatikan bereits zu Beginn des Jahres angekündigt hatte.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa

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