Jedes Jahr ein Baby?Polizei vermutet Serie von Aussetzungen

In drei aufeinanderfolgenden Jahren werden am Ende des Sommers im Norden Berlins neugeborene Babys ausgesetzt. Inzwischen steht fest: Es sind Schwestern. Doch viel weiter sind die Ermittler noch nicht. Sie fürchten, die Serie könnte noch nicht zu Ende sein.
Mit einem besonderen Fall von Kindesaussetzung hat es die Polizei in Berlin und Brandenburg zu tun. In den Jahren 2015, 2016 und 2017 wurden nur wenige Kilometer voneinander entfernt drei neugeborene Mädchen gefunden.
Emma entdecken Spaziergänger Anfang September 2015 an einer Bushaltestelle direkt am Berliner Helios-Klinikum. Das Neugeborene trägt einen Strampler und ein Jäckchen. Anfang August 2016 liegt vor der Tür eines Einfamilienhauses im benachbarten Blankenburg Lilo. Auch sie ist gerade erst zur Welt gekommen und wurde nackt in ein blutiges Handtuch gewickelt. Im brandenburgischen Schwanebeck wird das vorläufig letzte Kind gefunden, Ende August 2017, wieder vor einem Einfamilienhaus. Auch Hanna ist lediglich mit einem Handtuch geschützt. Die Kinder erlitten Unterkühlungen, überlebten aber alle und wachsen nun in Pflegefamilien auf. Sie kamen offenbar ohne professionelle Geburtshilfe zur Welt.
Inzwischen steht fest, alle drei Mädchen sind Schwestern. Die Polizei ist sicher, dass sie alle die gleiche Mutter haben, vermutlich auch den gleichen Vater. Dem RBB sagte Jens Höwer von der brandenburgischen Polizei: "Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben wir es mit dem gleichen Vater zu tun." Sorge bereitet den Ermittlern in diesem bundesweit einzigartigen Fall, dass die Kinder in drei aufeinander folgenden Jahren immer ungefähr zur gleichen Zeit ausgesetzt wurden.
Jedes Jahr ein Kind?
Sie fürchten, die Mutter könnte erneut schwanger sein und wieder dem Muster der zurückliegenden Jahre folgen. Die Berliner Ermittlerin Uta Rösel sagte dem RBB: "Es ist eine Regelmäßigkeit zu erkennen, jedes Jahr ein Kind. Dieses Kind ist nicht gewollt und wird dann ausgesetzt." Möglicherweise befinde sich die Mutter "in einer Zwangslage". Vielleicht handele es sich um ein Abhängigkeitsverhältnis, vielleicht werde sie auch missbraucht und müsse dann dafür sorgen, "dass das Kind wegkommt".
Bisher haben die Ermittler nur wenige Spuren. Bei der Aussetzung von Hanna wurde eine Frau gesehen, aber weder diese Tatsache noch die Kleidung des Kindes, noch die Handtücher brachten bisher entscheidende Hinweise. Vor der Geburt des ersten Kindes hatte die Mutter den Beta-Blocker Metroprolol genommen, ein verschreibungspflichtiges Medikament, das unter anderem bei Angstzuständen und Bluthochdruck verordnet wird. Rückstände des Medikaments konnten noch im Blut des Babys nachgewiesen werden. In Schwanebeck war ein dunkler VW-Bus gesehen worden.
Die Liste der Fragen, die die ermittelnden Beamten haben, ist lang. Weiß der Vater von den Schwangerschaften, lebt er mit der Mutter zusammen? Was ist der Grund für die Aussetzung, vielleicht das Geschlecht der Kinder? Wer hat der Mutter den Beta-Blocker verschrieben, gibt es Ärzte, denen eine Frau in einer möglichen Notlage aufgefallen ist? Sollte sich an der Notlage der Frau nichts geändert haben, könnte möglicherweise in diesem Jahr ein weiteres Baby ausgesetzt werden.