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iPads, Tablets und Schmuck Putzfrau erklärt den Diebstahl am Flughafen

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Viele Passagiere vergessen Wertgegenstände im Flugzeug. Kriminelle Flughafen-Mitarbeiter haben dann leichtes Spiel.

(Foto: imago/Action Pictures)

Wenn alle Passagiere das Flugzeug verlassen haben, bleiben viele Wertgegenstände in der Kabine zurück. Eine Einladung für unehrliche Seelen. Und davon gibt es mehr, als man denkt, wie ein Fall aus den USA beweist.

Das Rennen beginnt in dem Moment, wenn alle Reisenden das Flugzeug verlassen haben: Reinigungskräfte, Flugzeugmechaniker, Airline-Mitarbeiter - jeder mit Zugang zu einem Linienflugzeug - durchkämmen dann die Sitzereihen auf der Suche nach Wertsachen, die die Passagiere zurückgelassen haben. Doch nicht etwa, um sie zurückzugeben. Hier läuft das Geschäft der Airport-Diebe.

Professionelle BandenEine Mitarbeiterin wurde nun auf frischer Tat ertappt. Dem US-Sender CNN hat sie erzählt, wie die Banden vorgehen. Wenn man sie am Flughafen sehen würde, würde man die junge Frau vermutlich für eine der vielen Tausend Reisenden halten, die täglich die Airports dieser Welt nutzen. In Wirklichkeit aber arbeitet die Informantin für ein mageres Gehalt als Reinigungskraft an einem amerikanischen Flughafen. Ihren Lebensunterhalt bessert sie auf, indem sie als Teil eines kriminellen Rings Diebstähle begeht. Der Name der Mitarbeiterin bleibt geheim, sie ist Teil einer noch andauernden Polizeioperation. Anstatt verhaftet zu werden, kooperiert sie mit der amerikanischen Polizei. Die Beamten versprechen sich davon viel: Sie glauben, einem weit vernetzten professionellen Diebesring auf der Spur zu sein.

Die Beute der Profi-Diebe: Alles, was Passagiere im Flugzeug und am Flughafen versehentlich zurücklassen. Während die Polizeiarbeit an Airports sich meistens auf Gegenstände beschränkt, die aus dem Gepäck gestohlen wurden, geht es hier in erster Linie um Dinge, die in Sitztaschen, Gepäckfächern und zwischen den Sitzen vergessen wurden.

Gelegenheit macht Diebe

"Ich sage mir: Jeder nimmt die Sachen. Warum also nicht auch ich?", so die Reinigungskraft zu CNN. "Wenn ich etwas finde, sagen mir die anderen Kollegen: Wenn Du es willst, dann nimm es. Sag' einfach niemanden, dass Du etwas gefunden hast. Wenn Du den Gegenstand doch melden willst, dann ist das ganz alleine Deine Sache." Doch die verlorenen Sachen zu melden, war offensichtlich für die Informantin keine Option. Irgendwann wird sie erwischt. Die Mitarbeiterin des Reinigungsservices gibt offiziell nur zu, ein Tabletcomputer gestohlen zu haben. Die Polizei glaubt hingegegen an einen weitaus umfangreicheren Beutezug.

Das Vorgehen ist denkbar einfach: Alles, was die Mechaniker nicht gefunden haben, spüren spätestens die Reinigungskräfte unter und zwischen den Sitzen auf - niemand schaut zu, es ist quasi eine Einladung, die Dinge einfach einzustecken. "Ich habe das Tablet genommen, weil es mir einfach und als kein allzu großes Risiko erschien. Jeden Tag vergessen die Passagiere viele Dinge in den Flugzeugen: Ausweise, Geld, Spielsachen. Am Meisten aber iPads, Ebooks und andere elektronische Geräte."

Ähnliche Vorfälle in den ganzen USA

Der mutmaßliche Diebesring ist nur das jüngste Beispiel für das, was die amerikanische Polizei als eine "Bedrohung von Innen" an amerikanischen Flughäfen bezeichnet. Allein im April wurde schon ein Gepäckband-Mitarbeiter von Delta Airlines mit einem Rucksack mit knapp 300.000 US-Dollar geschnappt. Den Beamten erzählte er, er wäre dafür bezahlt worden, das Gepäckstück an jemanden auf einer Flughafentoilette zu übergeben. In einem anderen Fall ließ eine Flugbegleiterin von JetBlue 68 Pfund Kokain an der Sicherheitskontrolle des Flughafens von Los Angeles zurück. Sie hatte offenbar Panik bekommen. Versteckte Kameras im Laderaum eines Flugzeuges am Flughafen von Miami zeigten ebenfalls erst jüngst, wie die Gepäckstücke der Reisenden im Bauch des Flugzeuges von den Gepäckabfertigern geöffnet und nach Wertgegenständen durchsucht werden.

Gefahr von Innen nimmt zu

Auch wenn vom Klauen von iPads und Smartphones keine offensichtliche Gefahr ausgeht, schlägt die Polizei Alarm: Jedes Verbrechen, das von einem Flughafenmitarbeiter begangen wird, könnte als Schwachstelle im Sicherheitssystem gewertet werden. Sie alle haben Zugang zu abgesperrten Bereichen und zu den Flugzeugen und können so leichte Beute für Terroristen und Kriminelle werden.

Manche Passagiere merken gar nicht, dass sie etwas verloren haben - andere finden mit Hilfe  von Apps die verlorenen Gegenstände im Pfandleihhaus wieder. Die Gründe für die Diebstähle liegen auf der Hand: Die oft schlecht verdienenden Flughafenmitarbeiter können sich den Kauf eines teuren technischen Geräts einfach nicht leisten. Das erste, zwischen den Sitzreihen vergessene Stück, ist dann meist der Anfang für eine Diebeslaufbahn.

Der beste Ratschlag für Reisende ist gleichzeitig der Alleroffensichtlichste: Wenn die Flugbegleiter in ihrer Durchsage darum bitten, beim Aussteigen nochmal alle Wertgegenstände zu checken, dann sollte man das auch tun.

Quelle: n-tv.de, lvb

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