Panorama

Wenige Hundert Fälle pro Tag RKI nennt Zielwert für deutliche Lockerungen

Das Robert-Koch-Institut sieht derzeit keinen Spielraum für weitere Lockerungen der umfangreichen Corona-Maßnahmen. Vize-Präsident Schaade hält hierfür eine weitere Absenkung der Neuinfektionen für notwendig. Wer an den Atemwegen erkrankt ist, solle jetzt in jedem Fall getestet werden.

Der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, hält ein weiteres Absinken der täglichen Coronavirus-Neuinfektionen von derzeit rund 2000 Fällen für notwendig. "Ich würde sagen, dass es erforderlich ist, dass diese Fallzahlen auf wenige Hundert pro Tag sinken, bevor man dann über eine weitgehende Lockerung der Maßnahmen nachdenken kann", sagt Schaade. Dann sei es möglich, einzelne Fälle zu erkennen und zu isolieren. Die geplanten Kapazitätserweiterungen der Gesundheitsämter würden aber nicht ausreichen, um täglich Tausende Infektionsfälle nachzuverfolgen.

"Die Viruszirkulation in der Breite der Bevölkerung ist gering", sagte Schaade. Die geschätzte Reproduktionsrate habe am Donnerstag bei 0,9 gelegen. Deutschland befinde sich derzeit in einer paradoxen Situation: In der Pandemie stehe das Land gut da, man habe viel erreicht. Dies führe aber dazu, dass viele Menschen die verhängten Auflagen infrage stellten. "Dass wir in Deutschland bislang vergleichsweise gut zurechtgekommen sind, hat mit den Maßnahmen zu tun."

"Wir dürfen jetzt nicht nachlässig werden", mahnte Schaade. "Dies darf nicht zu einem Erdrutsch an weiteren Lockerungen führen." Die Kontaktsperren und Abstandsregeln müssten eingehalten werden. Die Auswirkungen der bereits gefassten Lockerungsbeschlüsse könne man erst in 12 bis 14 Tagen einschätzen. Daher könne man keine weiteren Beschlüsse beim Bund-Länder-Treffen am 30. April fassen, sondern frühestens am 6. Mai. "Auch ich würde mir nichts mehr wünschen, als Ihnen sagen zu können, dass es vorbei ist", sagte Schaade. "Aber: Es ist noch nicht vorbei."

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Forderung: Mehr Tests und Masken tragen

Wichtig sei nun die Ausweitung von Tests, für die es inzwischen genügend Kapazitäten gebe. "Sowie Atemwegssymptome bestehen, sollte auch ein Test durchgeführt werden", sagte Schaade. Gründe für die empfohlene Ausweitung der Tests seien neben den größeren Kapazitäten die Notwendigkeit, die Auswirkungen der beschlossenen Lockerungen zu beobachten, und der Frühling. Weil die Erkältungssaison vorbei ist, seien auch mehr Corona-Treffer zu erwarten, wenn jemand Atemwegssymptome zeige.

Schaade plädierte erneut für das Tragen von Schutzmasken. "Dies ist eine altruistische Maßnahme", weil die Träger nur andere und nicht sich selbst schützten. "Wir wissen auch, dass dieser Mund-Nase-Schutz eine gewisse Verbreitung der Infektion reduzieren kann."

Es sei dabei nicht zu befürchten, dass sich das Coronavirus oder andere Viren unter der Maske anreicherten. "Eine Kultivierung des Virus ist so nicht möglich", sagte Schaade. Diese bräuchten hierfür einen Wirt. Dennoch sei es wichtig, die Masken nach einer Weile zu waschen und zu trocknen - am besten durch Bügeln, das durch Hitze desinfizierend wirkt. "Man soll diese Masken nur tragen, bis sie durchgefeuchtet sind", erklärte Schaade.

Quelle: ntv.de, shu