Was bringt erhöhte Jagdquote?Rumänien ringt um seine Tausenden Braunbären

Mehr als zehntausend Braunbären leben nach Schätzungen in Rumänien. Oft kommt es zu einem Aufeinandertreffen mit Menschen. Autofahrer und Touristen scheinen dies bisweilen zu begrüßen. Anwohner fühlen sich bedroht.
An einem sonnigen Morgen auf der malerischen Transfagarasan-Panoramastraße in den rumänischen Karpaten treten binnen weniger Stunden mindestens 20 Braunbären aus dem Wald. Sie nähern sich Autofahrern, die anhalten, um die Tiere zu füttern und Selfies zu machen. Schilder an der bei Touristen beliebten Straße weisen jedoch darauf hin, dass das Füttern der Wildtiere verboten ist und mit hohen Geldstrafen geahndet wird.
Rumänien ist in Europa das Land mit der größten Braunbärenpopulation außerhalb Russlands. Das Umweltministerium in Bukarest schätzt die Zahl der Tiere auf 10.000 bis 13.000. Weil die Expansion der Städte und der Klimawandel natürliche Lebensräume verkleinern und zersplittern, kommt es immer öfter zu Begegnungen zwischen Bären und Menschen. Bisweilen enden diese Begegnungen für Menschen tödlich. Nach Angaben des Umweltministeriums wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast 30 Menschen von Bären getötet.
Anwohner wie Jean Stangaciu in der Bergstadt Predeal in Zentralrumänien empfinden die Bären inzwischen als ständige Bedrohung. Die Müllcontainer in der Nähe seines Hauses seien ein ständiges Ziel, sagt der 59-Jährige. "Der Bär kommt fast jeden Abend. Wir gehen abends schon gar nicht mehr in die Stadt."
Das Parlament verdoppelte im April die jährliche Jagdquote für das laufende und das kommende Jahr auf fast 900 Tiere. Eine Unterzeichnung des Gesetzes durch den Präsidenten steht bisher aus. Die Abgeordneten wollen damit weitere Angriffe vermeiden und die Bärenpopulation kontrollieren. Dies stieß bei Wildtierexperten und Naturschützern auf scharfe Kritik.
Kritiker bemängeln, dass dieser Schritt das Problem der in Wohngebiete eindringenden Bären nicht löse. Jäger würden wahrscheinlich eher tief im Wald nach großen Trophäentieren suchen, anstatt Mütter und Jungtiere ins Visier zu nehmen, die auf der Suche nach Nahrung in die Städte kommen. "Die Jagd wird nicht dort stattfinden, wo die Bären an den Straßenrand kommen, auf der Transfagarasan-Straße", sagt Cristina Lapis vom Libearty-Schutzgebiet. Die Einrichtung beherbergt 140 Bären, die verwaist waren oder Besitzern abgenommen wurden, die sie als Attraktion am Straßenrand hielten.
Die Stadt- und Gemeindeverwaltungen haben seit 2021 zudem die Befugnis, Bären abzuschießen, die in Gärten und Häuser von Menschen eindringen. Ciprian Galusca von der Climate Adaptation Platform Association erklärt, einige der bestehenden Vorschriften, die Bären ohne Abschuss von den Städten fernhalten sollen, würden nicht konsequent durchgesetzt. Dazu gehörten die Geldstrafen für das Füttern, Regeln zur Abfallentsorgung und Subventionen für Elektrozäune.