"Glaubte, sie würde sterben"Stalker steuert Tesla von Ex-Partnerin fern

Weil sie massive häusliche Gewalt erlebt, trennt sich eine Frau aus Sydney von ihrem missbräuchlichen Partner. Der hackt sich daraufhin in den Tesla seiner Ex-Freundin, kontrolliert das Fahrzeug und belästigt die Frau per Fernsteuerung.
Zwei Jahre und drei Monate Haft, ohne Bewährung: So lautet das Urteil, das vergangene Woche gegen Enrico Pucci aus dem australischen Sydney verhängt wurde. Dem Mann werden 30 Fälle häuslicher Gewalt gegen seine Ex-Partnerin Stacey (Name von der Redaktion geändert) vorgeworfen. Laut der Anklage zählt dazu auch die Fernsteuerung von Staceys Tesla, um die Frau zu stalken und zu belästigen. Pucci bekannte sich in allen Punkten schuldig.
Wie der "Guardian" berichtet, sei Stacey im November letzten Jahres nachts aus dem Schlaf gerissen worden, weil plötzlich die Alarmanlage ihres Wagens losheulte. Den Polizeiakten zufolge sei sie aber zu verängstigt gewesen, nach der Ursache zu sehen. Sie hatte offenbar befürchtet, draußen ihrem Ex-Partner zu begegnen, der das Fahrzeug beschädigte und so den Alarm auslöste. Am nächsten Morgen fand sie ihr E-Auto allerdings völlig unbeschadet vor.
Tempo per Fernsteuerung kontrolliert
In den darauffolgenden Tagen bemerkte die Frau, dass sie auf bestimmte Funktionen ihres Teslas keinen Zugriff mehr hatte, einschließlich Geschwindigkeit, Klimaanlage, Verriegelung und Sperrzeiten, die festlegen, wann das Auto gefahren werden kann und wann nicht.
"Das Opfer konnte bestimmte Geschwindigkeiten nicht mehr fahren. In einigen Fällen hat der Beschuldigte den 'Valet-Modus' aktiviert, der die Geschwindigkeit sofort auf 40 km/h drosselt und dadurch erhebliche Sicherheitsrisiken für das Opfer im Straßenverkehr verursachen kann", heißt es in den Polizeiakten.
Pucci soll außerdem die Temperatureinstellungen ferngesteuert und während einigen von Staceys Fahrten immer wieder zwischen "extrem heiß" und "extrem kalt" gewechselt haben. Auch soll er mehrfach versucht haben, das Auto per App vom Ladeanschlusss zu trennen. "Der Angeklagte war der Einzige, der über die Tesla-App Zugriff auf die Fahrzeugsteuerung hatte. Dies hat bei dem Opfer erheblichen Stress, psychische Schäden und Ängste um die eigene körperliche Sicherheit beim Fahren des Fahrzeugs verursacht."
Laut den Polizeidokumenten hatte sich Stacey den Tesla gekauft, als sie und Pucci noch ein Paar waren. Der hatte ihr damals Hilfe angeboten, weil seine damalige Freundin Probleme mit der Technik hatte. Pucci soll gesagt haben, er müsse den Wagen auf seinen Namen zulassen, damit er "Kontrolle über die Tesla-App" bekomme und ihr so helfen könne. "Das Opfer stimmte zu, jedoch ausschließlich zum Zweck der Unterstützung mit der Fahrzeugtechnik", heißt es in den Akten.
"Glaubte, sie würde sterben"
Wie aus den Dokumenten auch hervorgeht, hatte Pucci seine damalige Partnerin bereits über Jahre hinweg körperlich missbraucht. Im Jahr 2021 soll er sie so stark gewürgt haben, dass Stacey nach eigenen Angaben mit dem Leben rang. "Plötzlich wurde es still und das Opfer verlor das Bewusstsein", so die Akten. "Das Opfer glaubte, es würde sterben."
In einem weiteren Fall saßen Pucci und Stacey sowie ihr damals zweijähriger Sohn gemeinsam im Auto, als sie ihm mitteilte, dass sie sich trennen wolle. Daraufhin "zerrte der Angeklagte das Opfer gewaltsam aus ihrem Auto, schleifte es zu einem nahegelegenen Pfeiler, drückte es dagegen und sagte: 'Verabschiede dich von deinem Sohn.' Anschließend fuhr er mit dem Kind des Opfers davon und ließ die Frau ohne Telefon und Auto zurück."
Den Dokumenten zufolge kehrte Pucci wenige Minuten später zurück, packte Stacey am Arm und sagte: "Ich hoffe, du verstehst, was mit dir passieren wird, wenn du dich trennst." Im Oktober 2025 hatte Stacey es dann doch geschafft und sich von Pucci getrennt. Einen Monat später begann die Belästigung per Tesla-App.
Zu den im Urteil genannten Straftaten gehören unter anderem mehrere Fälle von einfacher Körperverletzung, von Stalking und von Einschüchterung mit der Absicht, Angst oder körperlichen Schaden zu verursachen. Hinzu kommen Fälle von Bedrohung, Beleidigung und Belästigung. Pucci hat gegen das Urteil Berufung eingelegt und muss sich Ende Oktober erneut vor Gericht verantworten.
