Panorama

Gestörte Gesundheitsversorgung Tausende Kinder und Mütter könnten sterben

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Vielerorts funktioniert die Versorgung mit Nahrungsmitteln und einfachen Gesundheitsgütern nicht mehr.

(Foto: AP)

Die Mütter- und Kindersterblichkeit könnte in den kommenden Monaten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen erheblich steigen. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher, die Modelle zur Einschränkung der Gesundheitsdienste infolge von Covid-19 durchgerechnet haben.

Als Folge der Coronavirus-Pandemie könnte es zu einer verheerenden Zunahme der Kinder- und Müttersterblichkeit kommen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Johns Hopkins School of Health in der medizinischen Fachzeitschrift "Lancet". In den kommenden Monaten könnten demnach täglich zusätzlich 6000 Kinder weltweit an vermeidbaren Krankheiten sterben, wenn Covid-19-Fälle Gesundheitssysteme schwächen und die Versorgung mit Nahrung nicht ausreichend gewährleistet werden kann.

Die Wissenschaftler schätzen, dass 170 Millionen Kinder in 37 Ländern nicht ihre planmäßige Masernimpfung bekommen werden. Knapp 370 Millionen Kinder, die bisher auf tägliche Schulmahlzeiten angewiesen waren, würden nun leer ausgehen. Laut Hochrechnungen werden deshalb weltweit 1,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren an den indirekten Auswirkungen der Corona-Krise sterben.

Diese vorhergesagte Zahl drohe, fast ein Jahrzehnt der Fortschritte bei der Beendigung vermeidbarer Todesfälle von Kindern rückgängig zu machen, heißt es in einer Mitteilung des UN-Kinderhilfswerks Unicef. "Diese Pandemie hat weitreichende Konsequenzen für uns alle, aber sie ist zweifellos die größte und dringendste globale Krise, mit der Kinder seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert waren", zitiert der britische "Guardian" Sacha Deshmukh, den Executive Director von Unicef Großbritannien. Ein Anstieg der Todesfälle durch vermeidbare Krankheiten dürfe nicht Teil des Erbes von Covid-19 sein.

Noch sind es Annahmen

Zusätzlich zu den 144.000 wahrscheinlichen Todesfällen könnten in nur sechs Monaten rund 56.700 weitere Todesfälle bei Müttern auftreten. Die Analyse, die drei Szenarien in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen modelliert, warnt davor, dass selbst im optimistischsten Szenario die Gesundheitsdienste um etwa 15 Prozent reduziert sind. Selbst dann steige aber die Zahl der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren um fast 10 Prozent - etwa 1400 pro Tag. Die Zahl der Todesfälle unter Müttern stiege um 8,3 Prozent.

Im schlimmsten Fall, in dem die Gesundheitsversorgung um etwa 45 Prozent reduziert wäre, könnten die Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren um 44,7 Prozent und die Todesfälle bei Müttern pro Monat um 38,6 Prozent zunehmen. Diese Schätzungen basieren noch auf vorläufigen Annahmen.

Laut einer Unicef-Analyse leben weltweit rund 77 Prozent der Kinder unter 18 Jahren in einem von 132 Ländern mit Covid-19-Einschränkungen. Besonders bei schutzbedürftigen Jugendlichen verstärkten Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen und anschließende Isolation wahrscheinlich das jetzt schon erhöhte Maß an Stress. Kinder seien nicht nur dem Infektionsrisiko ausgesetzt, sondern auch dem Verlust oder der Trennung von Familienmitgliedern und Betreuern. Gleichzeitig seien Kinder, die auch von Verschlechterungen der Wirtschaftslage betroffen sind, stärker von Gewalt und Vernachlässigung bedroht. Mädchen und Frauen seien zudem einem erhöhten Risiko sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt.

Quelle: ntv.de, sba

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