Panorama

Gefahr noch nicht gebannt Verbrannter Grunewald-Boden ist 700 Grad heiß

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Wenn es die Situation zulässt, wollen die Einsatzkräfte den Sperrradius auf 600 Meter verringern.

(Foto: REUTERS)

Mithilfe eines Bergepanzers und ferngesteuerter Roboter verschaffen sich die Einsatzkräfte am Berliner Grunewald einen Überblick über den verheerenden Brand an einem Sprengplatz. Noch ist es zu gefährlich, weiter auf das Gelände vorzudringen. Zunächst müssen einige Bereiche erheblich abgekühlt werden.

Die Flammen im Berliner Grunewald sind weitgehend gelöscht - doch die Gefahr vor allem für die Einsatzkräfte ist nicht gebannt. Eine Aufhebung der Straßen- und Bahnsperrungen ist nach wie vor nicht in Sicht. Ein Sprengmeister der Polizei konnte am Vormittag das Gelände in einem Bergepanzer erkunden. Zudem fuhren ferngesteuerte Roboter aus Brandenburg und Niedersachsen über das Gelände. Diese können den Ort sowohl erkunden als auch dort löschen. Bei der Lagebeurteilung unterstützten außerdem ein Hubschrauber der Bundespolizei und eine Drohne mit Wärmebildkameras.

Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr haben deswegen inzwischen einen besseren Überblick über die Situation auf dem Sprengplatz. Von dort hatte sich das Feuer am Vortag auf den Wald ausgebreitet. Der Boden dort war nach Angaben der Polizei an manchen Stellen noch bis zu 700 Grad heiß. Um die Gefahr weiterer Explosionen von Munitionsresten zu verringern, müssten diese Bereiche mit Wasser gekühlt werden, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz.

Zwei gelagerte Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem Gewicht von je 250 Kilogramm seien aus ihren Halterungen gerissen worden. Sie seien nicht explodiert, aber sehr heiß geworden und müssten gekühlt werden. Das Gleiche gelte für weitere Bereiche auf dem großen Gelände. Dafür seien die Feuerwehr und eine Spezialfirma mit einem Löschpanzer im Einsatz. Brände gebe es dort nicht mehr. Einige Lagerstätten von gefährlichen Explosivstoffen würden schon immer ständig mit Wasser gekühlt, dort sei nichts passiert.

Rund um den Einsatzort hatte die Feuerwehr bereits am Donnerstag einen Sicherheitsradius von 1000 Metern verhängt. Erst wenn die Kühlungen erfolgreich seien und die Gefahr sinke, könne der Sperrkreis auf 600 Meter Radius verringert und dann auch die Autobahn und die Bahnstrecken wieder freigegeben werden, sagte Cablitz. Eine Einschätzung, wie lange das noch dauern könnte, gab er nicht.

General stellt neue Wanderwege in Aussicht

Feuerwehrchef Karsten Homrighausen betonte: "Es ist der Sicherheit geschuldet." Bei weiteren Explosionen von Munitionsresten könne Material weit geschleudert werden. Derzeit gebe es aber keine Detonationen mehr. Die Sprengexperten hätten drei Gefahrenbereiche erkannt, dort werde die Feuerwehr gezielt kühlen. Ein Löschen aus der Luft durch Hubschrauber sei weiterhin nicht nötig, betonte Brigadegeneral Jürgen Karl Uchtmann. Stattdessen habe man mit einem Bergepanzer fünf Kilometer lange Schneisen durch den Wald gezogen, damit die Löschfahrzeuge an das Feuer herankämen. "Die dürfen nach Ende der Krise als wunderschöne, breite Wander- und Radwege der Berliner Bevölkerung zur Verfügung stehen."

Das Feuer war ersten Erkenntnissen zufolge in der Nacht auf Donnerstag auf dem Sprengplatz ausgebrochen. Tonnenweise alte Granaten, Munition und beschlagnahmte Feuerwerkskörper lagerten in Gebäuden auf dem Gelände. Explosionen waren zu hören, der Brand weitete sich im Lauf des Tages in dem trockenen Waldgebiet aus. In der Nacht zu Freitag habe die Feuerwehr die Flächenbrände im Umkreis des Sprengplatzes weiter bekämpft, sagte Sprecher Thomas Kirstein nach der ersten Lagebesprechung. "Diese Brände sind seit heute Morgen nahezu gelöscht." Verletzte Menschen gab es bisher nicht.

Gebrannt hatte es demnach insgesamt auf einer Fläche von knapp 50 Hektar. Weiterhin seien 150 Feuerwehrleute sowie 500 Polizisten zur Absperrung im Einsatz. Hinzu kamen 40 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks sowie Helfer der Bundeswehr. Ungünstig sei am Freitagmorgen das Auffrischen des Windes gewesen, weil das die Gefahr berge, dass das Feuer wieder aufflamme. Vereinzelte Regenschauer am Vormittag brachten zunächst kaum Entlastung.

Die Feuerwehr betonte, für die Einsatzkräfte sei dieser Einsatz der herausforderndste und gefährlichste in der Nachkriegsgeschichte. Dennoch sei der Schutz der Hauptstadt weiter gewährleistet. "Das ist bisher sehr gut gelungen." Es habe parallel am Donnerstag und Freitagmorgen auch zwei weitere größere Einsätze zum Brandlöschen gegeben.

"Wie kann es dazu kommen?"

Die Ursache für den Brand im Grunewald ist derweil unklar. "Das war heute hier großes Thema: Wie kann es dazu kommen?", sagte Feuerwehr-Sprecher Kirstein am Donnerstagabend im RBB. Mehrere Gebäude auf dem Gelände hätten bereits "in Vollbrand" gestanden, als die Feuerwehr eintraf. Ob es sich möglicherweise um Brandstiftung handelte, muss das Landeskriminalamt ermitteln. Dazu wird auch mit der Feuerwehr und den Sprengmeistern der Polizei zusammengearbeitet.

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Zur Frage, ob der Grunewald der richtige Ort für einen Sprengplatz sei, äußerte sich Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik im RBB-Inforadio. Aktuell sei der Platz "die einzige genehmigungsfähige Anlage auf Berliner Grund mit 80.000 Quadratmetern." Dieser sei zudem weit weg von Wohnbebauung. Sie sei für eine Diskussion über einen anderen Standort in der Hauptstadt offen.

Gemeinsam mit Brandenburg einen Ort zu finden, sei jedoch schwierig, gab Slowik zu bedenken. Das Nachbarland sei selbst ausgelastet und habe nur sehr begrenzte Ressourcen. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hatte am Donnerstag in Aussicht gestellt, mit ihrem Brandenburger Amtskollegen Dietmar Woikde über eine Kooperation in der Metropolregion zu sprechen. Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen zeigte sich offen für Gespräche mit Berlin über die Kampfmittelbeseitigung. Brandenburgs zentrales Sprenggelände liegt in einem Wald in dem kleinen Ort Kummersdorf-Gut, etwa 50 Kilometer südlich von Berlin.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP

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