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Ermittlungen in NRW ausgeweitet Verdächtige tauschten Kinder für Missbrauch

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Ein Verdächtiger soll nicht nur seine Tochter, sondern auch die Nichte eines Komplizen missbraucht haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Ermittlungen zum Kindesmissbrauch in NRW nehmen immer größere Dimensionen an. Berichten zufolge führten sich zwei Verdächtige gegenseitig verwandte Kinder zu. Den Behörden selbst unterläuft unterdessen womöglich ein schwerer Fehler: Ein mutmaßlicher Täter wurde wohl viel zu spät festgenommen.

Im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach sollen zwei der mutmaßlichen Täter ihre Kinder getauscht haben. Es gebe "sehr deutliche Hinweise" darauf, "dass sich mindestens zwei der beschuldigten Männer die eigenen Kinder gegenseitig zugeführt haben", sagte der zuständige Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem "Spiegel". Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet, geht dies aus Aussagen eines der Verdächtigen hervor. Demnach soll der Mann nicht nur seine Tochter, sondern auch die Nichte eines Komplizen aus Viersen missbraucht haben. Diese sei ihm von dem Mitbeschuldigten zugeführt worden.

Bei den Ermittlungen sollen Behörden einem weiteren Bericht zufolge außerdem Fehler gemacht haben. Die Polizei habe der Staatsanwaltschaft Kleve schon am 10. Juni Akten über einen mutmaßlichen Täter im Großraum Wesel übergeben, berichtete die "Rheinische Post" aus Düsseldorf. Der Mann sei aber erst am 25. Oktober festgenommen worden.

Kurz vor seiner Festnahme war der Verdächtige im Zusammenhang mit den aktuellen Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Kinderschänderring ins Visier der Kölner Staatsanwaltschaft geraten. Eine zwischenzeitliche Hausdurchsuchung bei dem Mann hatte die Staatsanwaltschaft Kleve offenbar nicht veranlasst, wie die Zeitung unter anderem aus Polizeikreisen erfuhr.

Inzwischen sechs Verdächtige, neun Opfer

Das Ausmaß des Kindesmissbrauchsfalls nimmt nach Erkenntnissen der Ermittler immer größere Dimensionen an. Inzwischen hätten 153 Beamte sechs namentlich feststehende Tatverdächtige und neun Opfer ermittelt, hatte NRW-Innenminister Herbert Reul am Donnerstag im Düsseldorfer Landtag berichtet. Die Opfer sind demnach zwischen einem und zehn Jahre alt.

Ende Oktober waren bei der Durchsuchung der Wohnung eines der Verdächtigen in Bergisch Gladbach große Datenmengen sichergestellt worden, die unter anderem schweren sexuellen Kindesmissbrauch zeigen sollen. Die Menge der beschlagnahmten und nun auszuwertenden Daten stieg den Berichten zufolge unterdessen auf zehn Terabyte.

Quelle: n-tv.de, mra/dpa/AFP

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