Panorama

Heute seliggesprochen Vorbild Mutter Rosa

Das Erbe von Mutter Rosa ist lebendiger denn je. Nach dem Vorbild der Ordensgründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen im Westerwald leben und handeln heute etwa 350 Schwestern in Deutschland und in den Niederlassungen in den USA, den Niederlanden und Brasilien. Und die Marienhaus GmbH, eines der größten Unternehmen im Gesundheits- und Sozialbereich in Deutschland, gäbe es ohne Mutter Rosa nicht. "Mutter Rosa hat den Grundstein dafür gelegt", sagt Generaloberin Schwester Basina in Waldbreitbach (Rheinland-Pfalz). 102 Jahre nach ihrem Tod wird Mutter Rosa (1826-1906) in Trier seliggesprochen.

Die Marienhaus GmbH, die in Waldbreitbach in direkter Nachbarschaft zum Mutterhaus der Franziskanerinnen liegt, betreibt heute mehr als 50 Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Hospize und Kinderheime in Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland. Mehr als 11.000 Menschen sind dort beschäftigt. Zudem engagieren sich die Ordensschwestern etwa in Bad Kreuznach für obdachlose Menschen sowie in Brasilien für arme Kinder und drogenabhängige Mütter. Ganz im Sinne von Mutter Rosa, deren Leben im Zeichen der Fürsorge für Arme und Kranke stand.

Schlicht und einfach unter Menschen

In einer Zeit, in der es "Erste Hilfe" noch nicht gab, half sie denen, die sie brauchten: Waisenkindern, Obdachlosen, Kranken und Sterbenden. Zunächst wirkte Margaretha Flesch - wie sie mit bürgerlichem Namen hieß - in einer Klause in Waldbreitbach, die der Ortspfarrer ihr zugewiesen hatte. Dann baute sie ein Kloster, in dem sie 1863 den Orden gründete. Trotz ihrer hohen Stellung als Generaloberin sei ihr Leitsatz immer gewesen: "Ich will schlicht und einfach unter den Menschen bleiben", sagt Professor Heribert Niederschlag, Moraltheologe an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar.

So pflegte sie auch als einfache Schwester im Deutsch-Französischen Krieg 1870 Verwundete an der Front.

Mit der Seligsprechung werde im Orden in den Blickpunkt gerückt, was Mutter Rosa "eigentlich wollte", sagt Schwester Basina. Es sei eine "Herausforderung, die Grundlagen zu leben, die sie gelebt hat". So habe sich der Orden entschlossen, jetzt verstärkt Menschen in den Blick zu nehmen, die "durch soziale Netze" gefallen seien: wohnungslose Familien, Hartz-IV-Empfänger und psychisch Kranke. "Wir wollen zusätzliche kleine Einheiten schaffen", sagt die Generaloberin.

Hilfe für Haltlose

15 Jahre nach der Ordensgründung war die Gemeinschaft auf 22 Filialen mit mehr als 100 Schwestern gewachsen. Doch dann kam ein Bruch: Mutter Rosa wird von der Ordensleitung an den Rand gedrängt und entmachtet. Bis zu ihrem Tod lebt sie als einfache Schwester in Waldbreitbach weiter. Viele Mitschwestern wissen nicht, dass sich hinter der alten Gartenschwester die Ordensgründerin verbirgt. Mutter Rosas "Gottvertrauen auch in dunkelsten Zeiten" sei auch heute noch Vorbild und Ansporn, sagt Wilma, eine der Schwestern, deren Altersdurchschnitt bei 76 Jahren liegt.

Die 70-jährige Saarländerin gehört dem Orden seit 1959 an. Die Hinwendung zu "den Armen und Ausgestoßenen, der Einsatz für die an den Rand gedrängten Menschen" hätten sie zu einem Leben im Kloster bewogen. An Mutter Rosa habe sie fasziniert, dass "sie sich immer eingesetzt hat für die Nöte ihrer Zeit". An Rente denkt die gelernte Kauffrau noch nicht. "Das lässt mein Terminkalender noch lange nicht zu", sagt sie.

Von Birgit Reichert, dpa

Quelle: ntv.de

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