Panorama

Buchhalter erschießt 50 Menschen Was machte Paddock zum Attentäter?

Er lebte unauffällig in einem kleinen Städtchen. Er hatte keine Vorstrafen. Umso rätselhafter ist Stephen Paddock. Warum erschoss er in Las Vegas mehr als 50 Menschen, verletzte mehr als 500? Die Ermittler tappen im Dunkeln, genau wie Paddocks Familie.

Er war ein pensionierter Buchhalter, lebte unauffällig auf einer Golfanlage in der Wüste von Nevada und hatte keinerlei Vorstrafen: Nichts an der bislang bekannten Vorgeschichte von Stephen Craig Paddock deutet auch nur ansatzweise darauf hin, was ihn zu einer der fürchterlichsten Gewalttaten der jüngeren US-Geschichte antrieb.

Mindestens 58 Menschen hat der Rentner während eines Country-Konzerts in Las Vegas erschossen und mehr als 500 weitere verletzt. Als ein Sondereinsatzkommando kurz darauf das Hotelzimmer stürmte, von dem aus er in die Menge gefeuert hatte, war der 64-Jährige bereits tot - offensichtlich hatte er sich das Leben genommen. US-Präsident Donald Trump sprach von einer "Tat des puren Bösen".

Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte den schlimmsten Schusswaffenangriff der jüngeren US-Geschichte zwar rasch für sich: Der Schütze sei vor einigen Monaten zum Islam konvertiert, erklärte das IS-Propagandaorgan Amaq. Doch nach Angaben der US-Bundespolizei FBI lieferten die ersten Ermittlungen keinerlei Hinweise auf eine Terror-Verbindung. Nichts deutete auch zunächst darauf hin, dass Paddock irgendwelche Sympathien für islamistische oder extremistische Gruppierungen gehegt haben könnte.

Angehörige sind geschockt

Offenbar hatte der 64-Jährige die Bluttat aber gründlich vorbereitet. Das Zimmer im 32. Stockwerk des Hotel-Casinos "Mandalay Bay" am berühmten Las Vegas Strip bezog der grauhaarige und bärtige Mann laut US-Medienberichten bereits einige Tage vor der Tat. Von dort aus hatte er eine perfekte Aussicht auf das Festivalgelände auf der anderen Straßenseite. Und er schaffte es, vom Hotelpersonal unbemerkt mindestens acht Schusswaffen in das Zimmer zu bringen, darunter mehrere Gewehre.

Ob der 64-Jährige möglicherweise von politischen Motiven, von Wahnvorstellungen oder einer Mischung aus beidem angetrieben war, lag zunächst völlig im Dunkeln. Seine Angehörigen zeigten sich geschockt und ratlos. "Es ist, als ob ein Asteroid gerade auf unsere Familie niedergestürzt wäre. Wir haben keine Ahnung, wie das passiert ist", sagte sein Bruder Eric Paddock US-Medien.

Seinen Bruder beschrieb er als wohlhabenden Mann, der Kreuzfahrten unternahm und gern Poker spielte - mit dem Einsatz von 100 Dollar pro Blatt. Irgendwelche Anzeichen für Radikalismus oder Gewaltbereitschaft will er bei ihm nicht erkannt haben.

Lebensgefährtin war im Ausland

Politische oder religiöse Verbindungen seines Bruders seien ihm nicht bekannt. Auch einen militärischen Hintergrund oder eine ausgeprägte Passion für Waffen habe der Heckenschütze nicht gehabt, wenngleich er einige Schusswaffen besessen habe, sagte Eric Paddock. Laut Medienberichten besaß der Täter eine Jagdlizenz für den Bundesstaat Alaska, wo die Jagd auf Großwild wie Bären oder Elche beliebt ist. Eric Paddock beschrieb seinen Bruder als Normalbürger, der niemals ein Falschparkticket bekommen, seiner Mutter Kekse geschickt und gern Burritos gegessen habe.

Der Massenmörder lebte zuletzt in Mesquite, einer Gemeinde 120 Kilometer nordöstlich von Las Vegas. In dem friedlichen Städtchen wohnen hauptsächlich Rentner, es gibt dort mehrere Golfanlagen und Casinos. Nach Angaben seines Bruders zog er vor rund einem Jahr von Florida dorthin. In Paddocks Wohnung fand die Polizei zunächst nichts Verdächtiges. Eine Razzia in Mesquite habe keine Auffälligkeiten ergeben, sagte ein Sprecher der örtlichen Polizei. In der Wohnung seien mehrere Waffen gefunden worden, sonst aber keine Hinweise auf die Vorbereitung einer Straftat.

Paddock lebte in Mesquite mit einer Frau zusammen, bei der es sich nach Angaben seines Bruders um seine Lebensgefährtin handelte. Sie hielt sich nach Angaben der Ermittler zum Zeitpunkt des Massakers im Ausland auf - laut dem Sender CNN auf den Philippinen.

Zumindest eine größere Auffälligkeit gibt es in der Vorgeschichte des Massenmörders allerdings. Sein vor einigen Jahren verstorbener Vater war ein Bankräuber und wurde zeitweise von der Bundespolizei FBI auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher geführt. Nach Darstellung von Eric Paddock hatten er und sein Bruder jedoch keinen Kontakt zum Vater.

Quelle: ntv.de, mli/AFP

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