Panorama

Eine für alleWasser predigen, Wein saufen - Sie dürfen wählen!

20.09.2026, 07:15 Uhr imageEine Kolumne von Sabine Oelmann
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Ach Steffen. Wahrscheinlich hat er nicht genug Krach gemacht ... (Foto: IMAGO/serienlicht)

Heute wird gewählt, in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern. In ihrer Heimatstadt hat die Kolumnistin bereits per Brief gewählt. Nun kann sie nur noch hoffen: Dass die, die per Demokratie gewählt werden könnten, diese Errungenschaft nicht in die Tonne treten, sollten sie an die Macht kommen.

Achtung, Achtung, dies ist eine Kolumne. Es steckt Meinung drin. Wer das nicht aushält, bitte hier aufhören zu lesen!!! Denn: Ich bin mir leider total sicher, dass, sollten die äußeren Ränder die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gewinnen, egal welcher äußere Rand, die Demokratie den Bach runtergehen wird. Sorry an ganz Linksaußen, sorry but not sorry an ganz Rechtsaußen. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn eine Wannabe-AfD-Bürgermeisterin sich mit den großen Altehrwürdigen auf einem Poster abbilden lässt oder eine andere einfach nur mit ihrem "guten Namen" und Betroffenheitspony auf Plakaten zu sehen ist.

Sicher nutzt es auch nichts, "Ich schwöre" in die Menge an der Kreuzung zu senden und schon gar nichts, wenn ein FDPler verspricht, er würde sich über den Erfolg anderer Leute freuen. Das ist an Bigotterie kaum zu überbieten (oder geht es bereits um unterbieten?) - wissen doch alle, dass er beispielsweise einer Frau wie Annalena Baerbock ihren neuen Job in den USA höchstens so sehr gönnt wie das Schwarze unter seinen Fingernägeln. Sorry, Wolle, ist doch so.

Außerdem: kein Bock mehr auf alte weiße Männer. Auf alte weiße Frauen übrigens auch nicht, wobei ich darauf hinweisen möchte, dass ich es weder besonders schlimm finde, weiß zu sein noch alt, diese Art von Bashing geht mir schon lange auf den Keks. Es ist nur so, dass alle wissen, was gemeint ist, wenn man "alter weißer Mann" sagt. Auf junge Männer vergeht einem aber auch die Lust, wenn man dann aus Sachsen-Anhalt von Slimfit-Sigi mit Rechtsaußen-Gülle geflutet wird.

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Die Qual der Wahl ... (Foto: IMAGO/Sabine Gudath)

Womit ich beim Thema wäre: warum kein AfD-Verbot? Gesichert rechtsextremistisch? Das lassen wir also geschehen? Und schauen dabei zu, wie uns das Ruder aus der Hand genommen wird von Menschen, die, wenn man mal wirklich genauer hinsieht, absolut NICHTS zu bieten haben. Ich möchte dabei nicht darauf eingehen, ob die Leute eine dubiose Vergangenheit haben - Vorstrafen, Pornodrehs, Zugehörigkeit zu Gruppen, die verboten gehören. Denn jeder Mensch hat ein Recht auf Änderung, sich zu verbessern, neu anzufangen, das ist in allen Parteien und allen Gesellschaftsschichten nicht anders.

Wenn eine Partei jedoch von einem Organ wie dem Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, als Erstes jedoch plant, sollte die Partei an die Macht kommen, dieses Organ abzuschaffen (wie so viele andere Errungenschaften einer demokratischen Gesellschaft ebenfalls), dann ist da doch was im Argen. Es ist vielleicht aber auch einfach zu spät für ein Verbot.

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Könnte helfen: der gesunde Menschenverstand. (Foto: IMAGO/Stefan Zeitz)

Wir nehmen das alles, meiner Ansicht nach, nicht ernst genug. Neulich hat Katharina Dröge eine sehr eindringliche Rede im Bundestag gehalten, die für viel Aufmerksamkeit und Applaus gesorgt hat. Die Grünen-Politikerin kritisierte den Versuch, die AfD mit einer härteren Asylpolitik zurückzudrängen. Sie rief dazu auf, zumindest "einen Prüfeintrag für ein AfD-Verbot" auf den Weg zu bringen. Denn, und das liegt auf der Hand, die Grünen-Co-Fraktionschefin gibt, wie viele andere auch, der Bundesregierung eine Mitschuld am Erstarken der AfD. Dröge hielt dem Kanzler vor, mit populistischen Versprechungen, durch eine "herablassende Art" sowie Belehrungen die Menschen gegen sich aufgebracht zu haben. "Für ein paar billige Klicks, für ein bisschen Anstacheln gegen Ausländer, gegen Arbeitslose, für das bisschen Mitschwimmen auf der Welle 'Die nutzen unser System aus', haben Sie am Ende Ihre eigene Glaubwürdigkeit riskiert", so Dröge.

Doch anders als "die Rechtsextremen", die, wenn man es mal genauer betrachtet, eigentlich niemals regieren und Verantwortung übernehmen wollen, da es ja viel bequemer ist, von der Seite reinzurufen (eine Spezialität der AfDler), dass man alles besser KÖNNTE, wenn man nur DÜRFTE, wird Merz nunmal "an der Realität gemessen". Und die sieht erschütternd aus. Wobei dieses "der und der haben versagt und die und die sind jetzt stärker geworden" auch eine etwas zu leichte Ausrede ist.

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Hey, FDP, Teşekkür ederim!! Ich wollte mein Türkisch eh mal wieder aufbessern! (Foto: IMAGO/Stefan Zeitz)

Es ist natürlich ein Armutszeugnis, wenn man etwas verbieten muss. 'Verbieten verboten' war lange unser Motto, jeder kann sich entfalten, alle Menschen sind gleich, Grundgesetz - alles gut und schön und wichtig. Aber auf der Nase rumtanzen lassen wollen wir uns nicht von irgendwelchen dahergelaufenen, Ewiggestrigen und auch nicht von Leuten, die Deutschland als eine Art Abenteuerspielplatz mit der Lizenz zum Rasen ansehen. Apropos Grundgesetz - das deutsche Grundgesetz sieht als letztes Mittel tatsächlich ein Parteienverbot vor. "Es ist an der Zeit", betonte Dröge daher folgerichtig und spricht damit sicher vielen Wählerinnen und Wählern aus dem Herzen. "Ich kann nur an Sie appellieren, ich kann Sie nur bitten - prüfen Sie als Abgeordnete des Deutschen Bundestages Ihr eigenes Gewissen."

Und ich kann Sie, liebe bis hier Lesenden, nur bitten: Prüfen Sie heute Ihr Gewissen! Lassen Sie Deutschland nicht den Bach runtergehen. Weder besonders rechts noch besonders links hat Deutschland jemals wirklich nach vorne gebracht!! Glauben Sie ernsthaft, dass es dieses Mal anders sein könnte? Glauben Sie ernsthaft, dass man die Rechten mal "probieren lassen sollte, bis sie sich selbst entzaubern"? Was für ein beknacktes Wort by the way, da es ja impliziert, dass die mehr oder weniger zauberhaft sein könnten. Die essen übrigens noch heute vom Porzellan Ihrer jüdischen Großmutter und lachen sich schlapp über Ihre Anliegen. Das wird nicht funktionieren!!

Und glauben Sie ernsthaft, dass extrem Linke aus ihrem Charlottenburger Altbau mit vier Berliner Zimmern ausziehen werden, weil andere keine Wohnung finden? Glauben Sie ernsthaft, die gehen nicht in die Paris Bar und saufen Wein statt Wasser? Glauben Sie ernsthaft, dass nicht alle English speaking people, die gegen die Randbebauung des Tempelhofer Feldes sind, liebend gern in eine solche Wohnung mit Blick auf den Park einziehen würden? Or in the nearby Schillerkiez with a Schrebergarten, where the old inhabitans only understand railwaystation because the new SchrebergärtnerInnen are all so international? Ihr habt's einfach verkackt: Die Pläne zur Bebauung des Tempelhofer Feldes vor dem Volksentscheid waren anfangs übrigens durchaus vernünftig und gar nicht von "der Baulobby", sondern von kommunalen Wohnungsunternehmen, die ihre Mieter grundsätzlich so gar nicht über den Tisch ziehen wollen.

Man Leute, wie blond und blauäugig seid ihr denn bitte? Glaubt ihr ernsthaft, die fahren immer Fahrrad und fliegen nie? Und glaubt ihr auch, dass unsere rechten Mitbürger sich den ganzen Tag von Kartoffeln* ernähren und nicht mehr zu ihrem Lieblingsitaliener gehen? "Das ist doch etwas ganz anderes", sagen Sie? Oder zum Dönermann ihres Herzens? Oder - voll kinderlieb - nach Thailand in den Urlaub abhauen? In die Fremde!! Buääh, wo das Fremde doch so eklig und ätzend und gefährlich und voller Ausländer ist!!

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Eine Prognose mag ich nicht abgeben. Aber Bilder sagen manchmal so viel mehr als Worte. (Foto: IMAGO/Stefan Zeitz)

Ob man die Partei Volt nun gut findet oder nicht: Der Slogan "Unf*ck Berlin" ist gut. Und notwendig. Es wäre an der Zeit, jetzt wach zu werden und wirklich genau hinzuschauen, wo man sein Kreuzchen macht und Berlin endlich zu entf*cken. Alle Parteien habe es übrigens versäumt, rechtzeitig mit dem Wahlkampf zu beginnen, sprich: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Direkt am Montag nach dem Wahlsonntag geht es nämlich los, da werden die Weichen gestellt. Beten wir, ob nun gläubig oder nicht, dass alles gut wird. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

*Kartoffeln kommen übrigens ursprünglich aus den Höhenlagen der Anden in Südamerika, wo sie vor rund 7000 Jahren von den Ureinwohnern und den Inka domestiziert wurden, nur mal so.

Quelle: ntv.de

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