Panorama

Foodwatch fordert Offenlegung Wem wurde Wilke-Wurst verkauft?

125270266.jpg

Die Firma Wilke verkaufte ihre Fleisch- und Wurstwaren nicht nur unter eigenem Namen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Tage nach dem Bekanntwerden zweier Todes- und mehrerer Krankheitsfälle durch keimbelastete Wurst ist noch immer unklar: Wohin wurden die Produkte geliefert und wo werden sie noch verkauft. Die Verbraucherschützer von Foodwatch wollen notfalls gerichtlich eine Offenlegung erwirken.

Nach zwei Todes- und mehreren Krankheitsfällen durch keimbelastete Wurst mahnen Verbraucherschützer, dass trotz Rückrufs weiterhin belastete Ware zum Verzehr kommen könnte. Die Organisation Foodwatch erhöhte am Wochenende den Druck auf die Behörden. Sie warf dem zuständigen Landkreis und dem Regierungspräsidium katastrophales Krisenmanagement vor. Nun legte Foodwatch mit der ultimativen Aufforderung nach, die zuständigen Behörden in Hessen müssten alle belieferten Betriebe veröffentlichen.

"Es kann ja nicht sein, dass es eine Liste gibt, diese aber nicht veröffentlicht wird", sagte ein Sprecher. Mit einem Eil-Antrag an den Landkreis Waldeck-Frankenberg, das Regierungspräsidium Darmstadt und das hessische Verbraucherschutzministerium will Foodwatch eine Offenlegung binnen 48 Stunden erreichen. Verstreiche diese Frist, wolle man die Veröffentlichung über ein Gericht durchsetzen.

Die Organisation sieht Gefahr im Verzug. Es sei als äußerst wahrscheinlich zu betrachten, "dass sich vom Rückruf betroffene Produkte der Firma Wilke noch im Umlauf" befänden, heißt es in dem Antrag. In den Produkten des Herstellers Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG aus Twistetal waren mehrfach Listerienkeime nachgewiesen worden.

Die Verbraucherorganisation bezeichnete das Krisenmanagement des Landkreises und des Regierungspräsidiums als katastrophal. Hessens Umweltministerin Priska Hinz von den Grünen müsse deshalb den Fall an sich ziehen. Es wird damit gerechnet, dass sich das Wiesbadener Ministerium Anfang der neuen Woche zu dem Fall und der Kritik äußern wird.

Firma verkaufte unter fremdem Namen

Den Behörden zufolge gibt es mittlerweile 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stehen. In Südhessen hatte es zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben, die das Robert-Koch-Institut (RKI) untersuchte. Die Produktion wurde inzwischen gestoppt und der Rückruf aller Erzeugnisse weltweit angeordnet. Betroffen sind Produkte mit der Kennzeichnung DE EV 203 EG.

Entgegen der Annahme der Behörden verkaufte Wilke auch unter fremdem Namen. Der Hersteller war schon länger im Fokus, bereits im März soll es einen bestätigten Listerienfund gegeben haben. Das Unternehmen hat nun die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt.

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen erkranken aber an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Menschen.

Quelle: n-tv.de, fhe/dpa

Mehr zum Thema