Panorama

RKI-Chef ist besorgt Wieler: "Dritte Welle hat begonnen"

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Seit einem Jahr kennt man in Deutschland seinen Namen: RKI-Chef Lothar Wieler.

(Foto: dpa)

Als die Verbreitung des Coronavirus vor einem Jahr zur Pandemie erklärt wurde, dachten viele, der Spuk sei in ein paar Monaten vorbei. Sie sollten sich irren. RKI-Chef Wieler sagt, wann ein Ende der Maßnahmen absehbar ist.

Ein Jahr nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Covid-19-Ausbruch zur Pandemie erklärt hat, rollt nach Überzeugung des Robert-Koch-Instituts die dritte Corona-Welle über Deutschland hinweg. "Wir haben ganz klare Anzeichen dafür: In Deutschland hat die dritte Welle schon begonnen", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler im Gespräch mit der UN-Journalistenvereinigung (ACANU). "Ich bin sehr besorgt."

Die strikte Anwendung von Schutzmaßnahmen wie Maske tragen und Abstand halten sei trotz Impfungen weiter dringend nötig. Die Impfkampagne sei ein Wettlauf gegen das mutierende Virus. Die Ziellinie sei aber in Sicht: Wenn es keine Unterbrechungen wegen Produktionsausfällen oder aus anderen Gründen gebe, könnten bis Herbst 80 Prozent der Bevölkerung immun gegen das Virus sein. "Wenn das der Fall ist, können alle Maßnahmen aufgehoben werden", sagte Wieler.

Impfstoff von Johnson & Johnson kurz vor Zulassung

Die Zulassung eines vierten Vakzins in der EU könnte helfen, den Impfstoffmangel abzumildern. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) wird aller Voraussicht nach die Zulassung des Impfstoffes des US-Herstellers Johnson & Johnson empfehlen. Dann muss zwar noch die EU-Kommission zustimmen - doch das gilt als Formsache und könnte noch am selben Tag erfolgen.

Die EU-Kommission hat bereits Impfdosen für 200 Millionen Menschen bestellt. Davon würde Deutschland 36,7 Millionen erhalten. Allerdings gibt es Befürchtungen, dass das Unternehmen nicht rechtzeitig liefern kann. Der Hersteller sicherte zu, dass er sich an die Absprachen halten und ab April liefern werde.

Ein großer Teil der Impfungen - egal mit welchem Vakzin - wird durch Hausärzte vorgenommen werden. Der Start der Massenimpfungen in den Arztpraxen kann sich jedoch bis Mitte April verzögern. Ziel ist es, damit frühestmöglich, jedoch spätestens in der Woche vom 19. April zu beginnen. Darauf haben sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern als Empfehlung an die Regierungschefs von Bund und Ländern geeinigt.

Der Impfstart in den Praxen war zunächst für Anfang April vorgesehen gewesen und steht auch jetzt unter dem Vorbehalt, dass es "die noch zu konkretisierenden Liefermengen der Hersteller für April zulassen". RKI-Chef Wieler geht davon aus, dass nach den ersten Impfrunden Auffrischungen nötig sind - in welchen Abständen, sei bislang unklar.

Die WHO hatte die Coronavirus-Epidemie am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt. Zu dem Zeitpunkt waren weltweit 118.000 Infektionen gemeldet und knapp 4300 Menschen nach einer Infektion gestorben. Ein Jahr später sind es nach der WHO-Statistik fast 120 Millionen gemeldete Infektionen weltweit und gut 2,6 Millionen Todesfälle.

Die größte Sorge der WHO ist die ungleiche Verteilung der Impfstoffe. Wenn das Virus sich in einigen Weltregionen ungehindert ausbreitet, kann es mutieren und die Varianten könnten wieder für die ganze Welt zur Bedrohung werden, warnt WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus ständig. Da reiche Länder direkte Verträge mit den Impfstofffirmen gemacht haben, sind weniger Dosen für die solidarische Impfinitiative Covax auf dem Markt erhältlich.

In der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf scheiterte im achten Anlauf die Forderung von mehr als 100 Ländern, die Patente auf Corona-Impfstoffe vorübergehend auszusetzen, um die Produktion anzukurbeln. Wohlhabende Länder und Pharmaindustrie sagen, alle Produktionskapazitäten würden schon über Lizenzvereinbarungen genutzt. Dem widersprach der indische Botschafter. Reiche Länder blockierten den Vorstoß aber weiter, die nächsten Gespräche finden Mitte April statt.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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