Panorama

Gewalt gegen Frauen Yoko Ono sucht "Testamente des Leids"

Geohrfeigt, geschlagen, vergewaltigt: Weltweit erleben Frauen Gewalt. Doch aus Scham und Angst reden viele der Betroffenen nicht darüber. Das will Yoko Ono ändern. Sie bittet Frauen, ihre Geschichte des Leids zu erzählen.

Fast jede zweite Frau in Deutschland hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Oft in der eigenen Partnerschaft oder durch eine bekannte Person, manchmal durch Fremde. Die Übergriffe reichen von wütendem Wegschubsen und Ohrfeigen bis hin zum Schlagen mit Gegenständen, Verprügeln und Gewaltanwendungen mit Waffen.

*Datenschutz

Frauen werden keineswegs nur in sozialen Brennpunkten von ihrem männlichen Partner geschlagen, vergewaltigt, beschimpft oder gedemütigt. Die Studie "Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen" belegte 2009, dass auch Frauen in mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten in einem viel höheren Maß Opfer von Gewalt werden, als bis dahin bekannt war. Doch viele der betroffenen Frauen sprechen mit niemanden über die erlebte Gewalt. Scham und Angst vor Gerede oder weiteren Übergriffen hemmen sie, Hilfe zu suchen.

Yoko Ono wünscht sich, dass Frauen in aller Welt ihr Schweigen brechen und gibt ihnen erneut die Möglichkeit, ihre Geschichte des Leids zu erzählen. Dafür startete die Witwe von John Lennon einen Aufruf: Frauen aus aller Welt sollen ihr "Testament des Leids" einschicken. Die Sammlung soll vom 7. Oktober 2016 bis 5. Februar 2017 im Kunstmuseum von Reykjavík zu sehen sein.

In dem Aufruf von Yoko Ono heißt es: "Frauen jeden Alters, aus allen Ländern dieser Welt: Ihr seid eingeladen, ein Testament des Leids einzuschicken, das euch angetan wurde, weil ihr eine Frau seid. Schreibt euer Testament in eurer Sprache, in euren Worten, und schreibt es so offen wie ihr wollt. Unterschreibt mit eurem Vornamen, wenn ihr wollt, aber gebt nicht euren vollen Namen preis. Schickt ein Bild eurer Augen. Das Testament des Leids und das Bild eurer Augen wird vom 7. Oktober 2016 bis 5. Februar 2017 im Reykjavík Kunst Museum ausgestellt werden. Ich hoffe sehr auf eure Beteiligung."

Es ist nicht das erste Mal, das Yoko Ono Frauen zu dieser Art von Bekenntnis aufruft. Die Künstlerin hatte bereits vor drei Jahren für die 55. Venedig Biennale Frauen aus aller Welt um ihre Mitarbeit gebeten. Damals hatte sie eine Auswahl der Beiträge in einem Buch dokumentiert und angekündigt, dass sie das Projekt mit dem Titel "Arising" weiter wachsen lassen werde.

Quelle: n-tv.de, dsi

Mehr zum Thema