Politik

"Nein zum Krieg!" 5000 Demonstranten in Russland festgenommen

Am Wochenende hat es in mehr als 60 russischen Städten Proteste gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine gegeben.

Am Wochenende hat es in mehr als 60 russischen Städten Proteste gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine gegeben.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Hunderttausende Menschen protestieren weltweit gegen den Krieg in der Ukraine. Sogar in Kasachstan, dessen Führung als Putin-treu gilt. Auch in russischen Städten gehen viele Menschen auf die Straße, was zu zahlreichen Festnahmen führt. Dabei kommt es auch zu einem Unfall mit einem Gefangenentransporter.

Weltweit sind am Wochenende Zehntausende Menschen gegen Russlands Krieg in der Ukraine auf die Straßen gegangen. Bei Protesten in Russland wurden allein am Sonntag mindestens 5000 Menschen festgenommen, rund 2300 von ihnen seien in der Hauptstadt Moskau festgesetzt worden, 1253 weitere in der Ostsee-Metropole St. Petersburg, teilte die auf die Beobachtung von Demonstrationen spezialisierte Organisation Owd-Info mit. Insgesamt habe es Proteste in mehr als 60 russischen Städten gegeben. Mindestens 320 Menschen verbrachten demnach die Nacht in der Polizeiwache. Das Innenministerium hatte zuvor von landesweit rund 5200 Teilnehmern und mehr als 3500 Festnahmen bei den nicht genehmigten Kundgebungen gesprochen.

Das Team des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny veröffentlichte auf Youtube Videos - darunter eines von einer Gruppe älterer Frauen, die "Nein zum Krieg!" rufen. Insgesamt sollen nach den Angaben von Owd-Info seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine vor anderthalb Wochen rund 13.000 Menschen bei den kremlkritischen Protesten in Russland festgenommen worden sein.

Der verunglückte Gefangenentransporter in Moskau.

Der verunglückte Gefangenentransporter in Moskau.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

In Moskau verunglückte am Nachmittag Behördenangaben zufolge ein Gefangenentransporter, in dem 24 festgenommene Demonstranten und 5 Polizisten saßen. Neun Menschen seien verletzt worden, hieß es, darunter sechs Zivilisten. Bilder in sozialen Netzwerken zeigten ein völlig zerstörtes Fahrzeug. Wie es zu dem Unfall kam, war zunächst unklar.

"Werden hier sein, bis Putin geht"

In der belgischen Hauptstadt Brüssel demonstrierten am Vortag laut Polizeiangaben rund 5000 Menschen. Auch in Spanien gab es in mehreren Städten Demonstrationen, ebenso wie in Frankreich. In Paris zeigten sich die Menschen zu weiteren Protesten entschlossen: "Wir werden jedes Wochenende hier sein, in Paris oder anderswo, bis Putin geht, seine Panzer abzieht", sagte Aline Le Bail-Kremer, ein Mitglied der Organisation "Stand With Ukraine". Nach Angaben des französischen Innenministeriums demonstrierten am Samstag landesweit rund 42.000 Menschen. In der kroatischen Hauptstadt Zagreb versammelten sich mehr als tausend Menschen zur Unterstützung der Ukraine und hielten Schilder mit der Aufschrift "Stoppt den Krieg, rettet Europa" und "Ruhm der Ukraine" hoch. Viele Demonstranten wickelten sich in blau-gelbe Flaggen.

Auch in Hamburg gingen am Sonnabend laut Polizei rund 30.000 Menschen für Solidarität mit der Ukraine und für den Frieden in Europa auf die Straße. An einer gemeinsamen Kundgebung der Nachbarstädte Mannheim und Ludwigshafen nahmen mehr als 10.000 Menschen teil und in vielen weiteren deutschen Städte gab es ebenfalls Demonstrationen. Auch am Sonntag gab es bundesweit zahlreiche Aktionen, unter anderem in Berlin.

Auch im Putin-treuen Kasachstan Proteste

In Kasachstan gaben die Behörden, die politische Demonstrationen regelmäßig verbieten, überraschend grünes Licht für eine Großdemo in der Metropole Almaty. Am Samstag versammelten sich dann über 2000 Menschen, sangen die ukrainische Nationalhymne und skandierten Friedensslogans und teils Putin-Beleidigungen. Die politische Führung Kasachstans gilt als Putin-treu. Zuletzt betonte das kasachische Außenministerium aber seine Neutralität im Ukraine-Konflikt und lud den britischen Botschafter zu Gesprächen ein, nachdem in Großbritannien Forderungen nach Sanktionen gegen verbündete Länder Russlands laut geworden waren. Genannt wurden explizit Kasachstan und Aserbaidschan.

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In Rom stand am Samstag auf vielen Schildern und Plakaten von Teilnehmern an einem Friedenszug: "Nein zu Putin, Nein zur NATO." Der bekannte italienische Karikaturist, Schauspieler und Schriftsteller Vauro Senesi sprach von einer "echten Friedensdemonstrationen": "Hier glaubt niemand, dass man Frieden mit Waffen schließt, dass man ihn erreicht, indem man Waffen an eine der Parteien, die Ukraine, schickt." Unter dem Motto "Frieden jetzt" versammelten sich in Zürich am Samstag nach Angaben der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA mehr als 40.000 Teilnehmer in der Innenstadt. Die Demonstranten forderten einen sofortigen Waffenstillstand, diplomatische Verhandlungen und den Abzug der russischen Truppen, wie der TV-Sender SRF berichtete. In London versammelten sich am Samstag Hunderte Demonstranten am bekannten Trafalgar Square. Sie hielten ukrainische Flaggen und Schilder mit der Aufschrift "Putin tötet" oder "Totales Embargo für Russland".

Am New Yorker Times Square demonstrierten rund tausend Menschen mit Sonnenblumen und Schildern, auf denen sie dazu aufriefen, "den russischen Terrorismus zu stoppen". Am Sonntag gab es auch in der Hauptstadt Washington Proteste.

Quelle: ntv.de, ysc/AFP/dpa

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