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Covid-19 als Brandbeschleuniger 690 Millionen Menschen leiden Hunger

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In 50 Staaten ist die Problematik des Hungers und der Unterernährung besonders evident.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 auf "Null Hunger" weltweit zu kommen. Davon sind Dutzende Staaten allerdings noch weit entfernt. Der aktuelle Welthunger-Index zeigt: Die gegenwärtige Pandemie und der Klimawandel verschlimmern die Lage.

Die Welthungerhilfe befürchtet eine starke Zunahme von Hunger und Armut weltweit durch die Corona-Pandemie. Besonders in Afrika südlich der Sahara und in Südasien sei die Situation schon vor der Pandemie alarmierend gewesen, sagte die Präsidentin der Organisation, Marlehn Thieme, bei der Vorstellung des Welthunger-Index 2020 in Berlin. "Covid-19 wirkt wie ein Brandbeschleuniger."

Der Bericht berechnet die Ernährungslage in 107 Ländern der Erde. Dabei wiesen 14 Länder höhere Hungerwerte auf als noch 2012, darunter fallen Kenia, Madagaskar, Venezuela und Mosambik. Die Zahl der Hungernden ist demnach weltweit auf derzeit 690 Millionen Menschen gestiegen, weitere 135 Millionen seien von einer akuten Ernährungskrise betroffen. Insgesamt seien Menschen in 50 Ländern - ein Viertel aller Länder weltweit - von Hunger und Unterernährung betroffen.

Neun Länder mit Lage "sehr ernst"

Nach Angaben der Welthungerhilfe haben die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen die Ernährungsunsicherheit von Millionen Menschen verschärft. "Armut und Hunger werden nach allen Prognosen stark zunehmen und der Klimawandel verschlimmert die schwierige Lage der Menschen zusätzlich", so Thieme.

Die Welthungerhilfe befürchtet nun, dass das Ziel der Vereinten Nationen, bis 2030 auf "Null Hunger" zu kommen, weit verfehlt werden könnte. "Wenn wir bei der Hungerbekämpfung weiter so machen wie bisher, werden es 37 Länder bis 2030 nicht schaffen, ein niedriges Hungerniveau zu erreichen", sagte Thieme. Die Fortschritte seien in Folge von Ungleichheit, Konflikten, Vertreibung und Klimawandel viel zu gering. Zu den Ländern, bei denen die Lage aktuell als "sehr ernst" eingestuft wird, zählen: Tschad, Zentralafrikanische Republik, Südsudan, Demokratische Republik Kongo, Burundi, Syrien, Jemen, Somalia und Madagaskar.

Gröhe: internationale Gemeinschaftsaufgabe

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"Der Welthungerindex 2020 zeigt eindringlich, dass die Staatengemeinschaft handeln muss, um den wieder zunehmenden Hunger in der Welt zu bekämpfen", erklärte der für Fragen der Entwicklungspolitik zuständige stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Hermann Gröhe. Es sei eine internationale Gemeinschaftsaufgabe von humanitärer Hilfe, Entwicklungspolitik, Klimaschutzpolitik und Außenpolitik, die Ursachen für den Hunger zu beseitigen.

Dass die Bekämpfung des Hungers in der Welt eines der zentralen Themen internationaler Solidarität ist, würdigte auch das Nobelkomitee. Es vergab den diesjährigen Friedensnobelpreis am Freitag an das UN-Welternährungsprogramm (WFP). Das WFP sei eine "treibende Kraft" bei der Bekämpfung des Hungers weltweit sowie gegen den "Einsatz von Hunger als Waffe" in Kriegs- und Konfliktgebieten, begründete das Gremium seine Entscheidung.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP