Politik

Auf Spitzenniveau Abgabenlast in Deutschland

Trotz der jüngsten Reformen werden die Einkommen von Arbeitnehmern in Deutschland nach wie vor stärker mit Steuern und Abgaben belastet als in anderen Industrieländern. Verantwortlich für das schlechte Abschneiden sind vor allem die hohen Sozialbeiträge. Das geht aus einer am Mittwoch in Berlin vorgelegten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) hervor.

Danach ist die Belastung der Arbeitskosten und Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialbeiträge nach den Reformen der vergangenen Jahre zwar leicht gesunken. "Im Vergleich der OECD-Länder nimmt sie aber nach wie vor eine Spitzenstellung ein." Insgesamt liegen die Abzüge vom Bruttolohn in Deutschland den Angaben zufolge um rund ein Drittel über dem Schnitt der 30 OECD-Länder. Der Abstand ist bei niedrigem Einkommen größer, was eine Folge der Sockelbelastung durch hohe Sozialbeiträge ist.

Während vor allem gut verdienende Arbeitnehmer von den Steuer- und Sozialreformen profitiert hätten, sei die Abgabenlast für allein erziehende Geringverdiener gestiegen. Deren Abgabenlast liegt den Angaben zufolge besonders weit über dem OECD-Durchschnitt. Für eine Single-Mutter mit zwei Kindern und nur zwei Drittel des Durchschnittsgehalts ist der Studie zufolge die Steuer- und Abgabenlast zwischen 2000 und 2006 um 0,8 Prozentpunkte auf 21,1 Prozent geklettert, wie es hieß. Im selben Zeitraum ist indes für einen unverheirateten, gut verdienenden Arbeitnehmer ohne Kinder die Abgabenlast um 2,8 Prozentpunkte auf 46,3 Prozent gesunken. Als Durchschnittslohn wird der Jahresbruttoverdienst eines Vollzeitarbeiters in der Industrie herangezogen, das waren in Deutschland 2006 genau 42.003 Euro.

Im Mittel der OECD-Länder liegt die Abgabenquote für allein Erziehende mit zwei Kindern und zwei Dritteln des Durchschnittseinkommens etwa 80 Prozent unter dem deutschen Niveau. Ursache sei, dass viele OECD-Länder diesem Personenkreis umfangreiche staatliche Transfers gewährten. In einigen Ländern führe dies dazu, dass der Arbeitnehmer netto mehr habe als der Arbeitgeber brutto auszahle.

Einem durchschnittlich verdienenden Single blieben in Deutschland von 100 Euro, der er seinen Arbeitgeber kostet, unterm Strich 47,50 Euro netto übrig. Im Jahr 2000 seien es 46 Euro gewesen. Innerhalb der OECD seien für einen allein stehenden Durchschnittsverdiener nur in Belgien die Abzüge höher. Im OECD-Mittel blieben von 100 Euro Arbeitskosten dem Arbeitnehmer 62,5 Euro netto in der Tasche.


Die bereits ergriffenen Maßnahmen zur Steuerfinanzierung der Sozialleistungen gingen in die richtige Richtung, erklärte die OECD weiter. "Diese Strategie sollte entschlossen fortgesetzt und durch umfassendere Reformen für eine Verminderung der Belastung der Arbeitseinkommen ergänzt werden."

Trotz der hohen Belastungen auf durchschnittliche Arbeitseinkommen sind die Gesamteinnahmen des deutschen Staates aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen aber vergleichsweise gering. So lag 2004 der Anteil der Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen im OECD-Mittel bei 35,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Deutschland nur bei 34,7 Prozent. Die Steuer- und Sozialabgabenlast berechnet sich aus Einkommensteuer plus Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitnehmers abzüglich Bar-Transfers wie etwa Kindergeld.



Quelle: ntv.de