Politik

ÖVP und SPÖ wollen koalieren Abschied von Haider

Österreich will am Samstag bei einer öffentlichen Trauerfeier in Kärnten Abschied von dem Rechtspopulisten Jörg Haider nehmen. Der Kärntner Landeshauptmann (Ministerpräsident) und Chef der rechten Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) war am frühen Samstagmorgen im Alter von 58 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Sein Leichnam soll vom Donnerstag an im Kärntner Landtag aufgebahrt werden, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA.

Am Samstag soll die Verabschiedung in Klagenfurt mit einem Trauerzug beginnen, am Neuen Platz werde dann im Dom das Requiem für Haider gefeiert. Seine Leiche solle dann verbrannt und die Urne im Bärental in Kärnten begraben werden.

Bereits am Sonntagabend hatte die Kärntner Bevölkerung einen Trauergottesdienst für den umstrittenen Haider gefeiert, der immer wieder mit seinen rechten Sprüchen international für Aufsehen sorgte. Der Dom in Klagenfurt war bereits eine Stunde vor Beginn überfüllt, hunderte Menschen folgten der Messe auf dem Domplatz, die dorthin live übertragen wurde. Auch die Witwe Haiders und seine beiden Töchter waren anwesend.

Zeichen für Große Koalition

Unterdessen wird gut zwei Wochen nach der Parlamentswahl in Österreich eine Neuauflage der großen Koalition immer wahrscheinlicher. Beide großen Volksparteien, die konservative ÖVP und die sozialdemokratische SPÖ, wollen nun so schnell wie möglich Regierungsverhandlungen aufnehmen. Er werde seine Partei bitten, noch am Dienstagabend der Aufnahme von Verhandlungen mit der SPÖ zuzustimmen, sagte der Parteichef der konservativen ÖVP, Josef Pröll. Grund für die Eile seien die Herausforderungen durch die weltweite Finanzkrise. Die mit der Regierungsbildung beauftragte SPÖ hatte bereits mehrfach erklärt, möglichst schnell mit der ÖVP eine Koalition eingehen zu wollen und schloss eine Zusammenarbeit mit den Rechten aus.

Bei der nach dem Bruch der großen Koalition vorgezogenen Parlamentswahl am 28. September hatte die SPÖ massive Verluste eingefahren, stellt aber mit 57 von 183 Mandaten die größte Fraktion im neuen Nationalrat. Die ÖVP ist, ebenfalls nach Verlusten, mit 51 Abgeordneten vertreten. Als eigentliche Wahlgewinner feierten sich die beiden rechten Parteien Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) und die Haider-Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), die zusammen auf 55 Sitze kommen. Am Wochenende kam der BZÖ-Chef und Käntner Landeshauptmann (Ministerpräsident) Jörg Haider bei einem Autounfall ums Leben. Politische Beobachter werteten das als erhebliche Schwächung des rechten Lagers und sehen nun eine große Koalition als deutlich wahrscheinlicher an.

"Wir brauchen schneller Klarheit, als das vor einigen Tagen und Wochen noch der Fall war", sagte Pröll. Er habe diese Entscheidung wegen der aktuellen Finanzkrise und den absehbaren Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft getroffen, mit dem "tragischen Verlust" von Jörg Haider habe dies nichts zu tun. Die Gespräche seien ergebnisoffen. Er wolle umgehend konstruktive und partnerschaftliche Verhandlungen über eine Koalition neuen Stils aufnehmen, sagte SPÖ-Chef Werner Faymann nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Gerade in wirtschaftlich unruhigen Zeiten sei es wichtig, rasch eine stabile und handlungsfähige Regierung zu bilden. Die rechte Partei FPÖ beklagte in einer Reaktion ihre "Ausgrenzung". Man werde mit allen Mitteln versuchen, die große Koalition zu verhindern, kündigte der Haider-Nachfolger im BZÖ-Parteivorstand Stefan Petzner an.

Quelle: ntv.de