"Pattsituation? Unwillen!"Äußerung von Rubio sorgt bei Selenskyj für Empörung

US-Außenminister Rubio spricht von einer diplomatischen Sackgasse im Ukraine-Krieg. Präsident Selenskyj sieht dagegen bei den Bemühungen um Verhandlungen mit Moskau noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Er macht den USA schwere Vorwürfe - und schickt eine Delegation nach Washington.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft den USA vor, seinem Land nicht helfen zu wollen. "Wo liegt also hier die Wahrheit, wo ist die Ehrlichkeit? Wo ist die Pattsituation? (...) Das nennt man Unwillen!", sagte Selenskyj in einer emotionalen Rede und bezog sich dabei auf Äußerungen von US-Außenminister Marco Rubio. Dieser hatte zuvor gesagt, der Krieg sei in einer Pattsituation und die USA würden weiter auf eine Lösung des Konflikts hinarbeiten.
Für Selenskyj sind bei den Bemühungen um Verhandlungen mit Russland noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. "Wir befinden uns nicht in einer diplomatischen Sackgasse", bekräftigte der Staatschef. Die russische Wirtschaft müsse blockiert, Moskau mundtot gemacht und die Waffenproduktion durch Sanktionen stillgelegt werden.
Zugleich erneuerte Selenskyj seine Forderung, den Satelliten-Internetdienst Starlink über Russland für das ukrainische Militär freizuschalten. Sobald die Ukraine mit ihren Waffen den russischen Himmel dominiere, werde der russische Präsident Wladimir Putin sich an den Verhandlungstisch setzen.
"Warum? Weil er alles verliert. Drei Monate, zwei Monate und er verliert alles", sagte Selenskyj. Dabei warf er den USA "Unwillen" vor, den Kreml zu Verhandlungen zu bewegen. Washington koste eine Freigabe von Starlink gar nichts. Gleichzeitig warnte er vor einem vergleichbaren chinesischen System, das Russland nutzen könne.
Selenskyj: USA an Wirtschaftsbeziehungen zu Moskau interessiert
Selenskyj äußerte sich auf einer Pressekonferenz in der Stadt Pryluky etwa 130 Kilometer östlich der Hauptstadt Kiew. Dort waren zuletzt 22 Menschen bei einem russischen Angriff auf ein Wohnhaus getötet worden. Selenskyj zufolge wurden in den beiden vergangenen Tagen damit durch russische Angriffe insgesamt 78 Menschen auf ukrainischer Seite getötet und 225 verletzt.
Selenskyj kritisierte zudem, die USA seien an wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland interessiert und zugleich wollten sie in dem seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg vermitteln. "Man kann nicht einerseits mit den Russen über zukünftige Wirtschaftsprojekte verhandeln und andererseits behaupten, wir befänden uns in einer Art (...) diplomatischer Pattsituation", fügte er hinzu. US-Präsident Donald Trump müsse den Sanktionsdruck auf Russland verstärken.
Ukrainische Delegation trifft US-Unterhändler am Freitag
Selenskyj zufolge ist eine ukrainische Delegation auf dem Weg in die USA für zweitägige Verhandlungen, die am Freitag beginnen sollen. Nach örtlichen Medienberichten werden der Fraktionsvorsitzende von Selenskyjs Partei, David Arachamija, der Chef des Auslandsgeheimdienstes, Rustem Umjerow, der Chef der Präsidialkanzlei Kyrylo Budanow, und Budanows erster Vize, Serhij Kyslyzja, zum Team gehören.
Das Weiße Haus bestätigte ein Treffen am Freitag. "Der Sondergesandte (Steve) Witkoff und Jared Kushner werden sich morgen mit ukrainischen Vertretern treffen, um einen neuen, abgestimmten Vorschlag zu erörtern, der alle Aspekte des Konflikts umfasst und darauf abzielt, den Krieg zu beenden", hieß es von einem hochrangigen US-Regierungsbeamten. Begleitet würden sie dabei von nationalen Sicherheitsberaten der E3-Staaten - also Deutschland, Frankreich und Großbritannien - sowie Vertretern der Europäischen Union und der Nato.
