Politik

Keine Mehrheit für Regierungen AfD in Mitteldeutschland auf Platz zwei

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Michael Kretschmer steht vor einem schwierigen Wahlkampf.

(Foto: dpa)

In einem Jahr wird in Sachsen und Thüringen gewählt. Eine aktuelle Umfrage sieht beide Bundesländer vor höchst komplizierten Regierungsbildungen. Einzig die "Kenia-Koalition" in Sachsen-Anhalt hätte derzeit eine Chance auf Fortsetzung.

Rund ein Jahr vor den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen haben die dort regierenden Koalitionen einer Umfrage zufolge keine Mehrheit mehr. Wenn am Sonntag abgestimmt würde, wären sowohl die schwarz-rote Koalition in Sachsen als auch Rot-Rot-Grün in Thüringen abgewählt, wie die Erhebung von Infratest dimap im Auftrag des MDR zeigt. In beiden Bundesländern wie auch in Sachsen-Anhalt wäre die AfD zweitstärkste Kraft.

In Sachsen käme die CDU von Ministerpräsident Michael Kretschmer auf 30 Prozent, das sind 9,4 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl 2014. Die mitregierende SPD liegt nur noch bei 11 Prozent, was ein Minus von 1,4 Punkten bedeutet.

Neue zweitstärkste Kraft wäre die AfD mit 25 Prozent nach 9,7 Prozent im Jahr 2014. Bei der Bundestagswahl im September war die AfD im Freistaat sogar stärkste Partei knapp vor der CDU geworden, was zum Rücktritt des damaligen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich führte. Die Linke kommt in der aktuellen Umfrage in Sachsen auf 18 Prozent (minus 0,9), die Grünen erreichen 6 Prozent (plus 0,3). Die Liberalen legen 1,2 Punkte zu, müssen aber mit 5 Prozent fürchten, erneut an der Sperrklausel zu scheitern.

AfD verdoppelt Stimmenanteil

Auch in Thüringen, wo ebenfalls in gut einem Jahr gewählt wird, hätte die rot-rot-grüne Koalition keine Mehrheit mehr. Die Linke von Ministerpräsident Bodo Ramelow büßt 6,2 Punkte ein und liegt in der Umfrage bei 22 Prozent, die Grünen verbessern sich leicht auf 6 Prozent, die SPD stagniert mit 10 Prozent weiterhin im Keller (minus 2,3). Die AfD käme in Thüringen auf 23 Prozent und würde damit mehr als 12 Punkte zulegen.

Damit wären in Sachsen und Thüringen rein rechnerisch nur noch Vier-Parteien-Koalitionen aus CDU, SPD, Grünen und FDP sowie Bündnisse zwischen CDU und AfD beziehungsweise Linkspartei möglich. Eine Zusammenarbeit mit AfD und Linken schließt die Union allerdings aus.

Einzig die sogenannte Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen in Sachsen-Anhalt hätte derzeit eine Chance auf Fortsetzung, obwohl hier die Menschen am unzufriedensten mit der Landesregierung sind. Die AfD ist zwar auch hier mit 21 Prozent zweitstärkste Kraft, verliert im Vergleich zur Landtagswahl 2016 allerdings 3,3 Punkte. Die CDU liegt bei 28 Prozent (minus 1,8), die Linke bei 19 Prozent (plus 2,7) und die SPD bei 14 Prozent (plus 3,4). Die FDP erreicht acht Prozent (plus 3,1), die Grünen kämen auf sechs Prozent (plus 0,8). In Sachsen-Anhalt wird erst 2021 ein neuer Landtag gewählt.

Das Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der Parteien sank in allen drei Bundesländern, wie die Umfrage weiter zeigt. In den Bereichen Wirtschaft und Kriminalitätsbekämpfung erzielt die CDU überall die besten Werte, bei sozialer Gerechtigkeit erscheinen Linke und SPD weiter vorn.

Die AfD liegt trotz hoher Werte in der Sonntagsfrage in Sachen Kompetenz meist weit hinter CDU, SPD und Linken, kann aber in den Bereichen Kriminalitätsbekämpfung und Flüchtlingspolitik zulegen. Infratest dimap befragte zwischen dem 20. und 25. August jeweils rund tausend Wahlberechtigte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Quelle: n-tv.de, hvo/AFP

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