Politik

Islamistisches Erstarken Al-Kaida gratuliert Taliban zum Sieg

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Al-Kaida äußert sich zum "Sieg" der Taliban über Afghanistan.

(Foto: picture alliance / Xinhua News Agency)

Die Machtübernahme in Afghanistan ist nicht nur ein Siegeszug der Taliban, auch die sympathisierende Al-Kaida profitiert davon. Die Terrororganisation ist stärker denn je und deutet das "historische Ereignis" der Landeseroberung als Beginn vom Ende westlicher Vormachtstellung.

Das Terrornetzwerk Al-Kaida hat den Taliban zur Machtübernahme in Afghanistan gratuliert und mit Blick auf den US-Abzug aus dem Land von einem "historischen Sieg" gesprochen. Das "Generalkommando" Al-Kaidas verbreitete über seinen Propagandaflügel Al-Sahab eine zweiseitige Mitteilung. "Das afghanische Debakel Amerikas und der NATO markiert den Anfang vom Ende einer dunklen Ära westlicher Vorherrschaft und militärischer Besatzung islamischer Länder", heißt es darin. Das afghanische Volk sei aufgerufen, den Taliban zu vertrauen und sie zu unterstützen.

"Zu diesem historischen Ereignis möchten wir das islamische Emirat beglückwünschen, besonders (Taliban-Führer) Haibatullah Achundsada", teilte Al-Kaida mit. "Gott hat uns den Sieg versprochen und Bush die Niederlage, wir werden sehen, welches Versprechen erfüllt wird", schreiben die Autoren mit Verweis auf den früheren US-Präsidenten George W. Bush, der den US-Einmarsch in Afghanistan nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 angeordnet hatte.

US-Truppen hatten die Taliban, die Mitgliedern des Terrornetzwerks Unterschlupf gewährt hatten, 2001 aus Kabul vertrieben. Heute ist Al-Kaida laut einem UN-Bericht vom Mai 2020 etwa in einem Drittel der afghanischen Provinzen aktiv. Die Beziehungen mit den militant-islamistischen Taliban sind demnach weiter eng. Die Taliban hatten sich im Februar 2020 in einem Abkommen mit den USA eigentlich dazu verpflichtet, ihre Zusammenarbeit mit Al-Kaida zu kappen.

Radikale Islamisten heute "unermesslich stärker"

Das Terrornetz Al-Kaida ("Die Basis") wurde Ende der 1980er Jahre im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gegründet und kämpft für eine islamistische Weltordnung. Al-Kaida-Chef Osama bin Laden, der als Kopf der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA galt, wurde 2011 in Pakistan von einer US-Spezialeinheit getötet. Sein Nachfolger wurde der Ägypter Aiman al-Sawahiri. Im November 2020 hatte es Berichte gegeben, dass er eines natürlichen Todes gestorben sei.

Al-Kaida ist nach Einschätzung der Denkfabrik Soufan Group heute "unermesslich stärker" als zum Zeitpunkt der Anschläge von 9/11 vor 20 Jahren. Das Netzwerk zählt demnach weltweit 30.000 bis 40.000 Mitglieder mit Ablegern unter anderem im Nahen Osten, Nordafrika, Südasien und auf der Arabischen Halbinsel. Trotz vieler Rückschläge könne Al-Kaida nach dem US-Abzug jetzt auch in Afghanistan wieder Kraft sammeln und neue Mitglieder gewinnen. Mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist Al-Kaida trotz ähnlicher dschihadistischer Ideologie tief verfeindet.

Quelle: ntv.de, tst/dpa

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