Politik

Weidel bei Maischberger "Sie möchten Deutschland zum Kanonenfutter machen"

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Weidel und Strack-Zimmermann bei Maischberger.

(Foto: WDR/Oliver Ziebe)

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Sandra Maischberger lädt Alice Weidel zur Diskussion über den Ukraine-Krieg. Dazu mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine Frau, deren Haltung zu dem Themenkomplex hinlänglich bekannt ist. Die gibt der AfD-Chefin ordentlich Kontra.

Es ist Dienstagabend, kurz vor Mitternacht. In der ARD-Sendung "Maischberger" treffen die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und die AfD-Co-Chefin Alice Weidel aufeinander. Es wird ein recht unterhaltender Schlagabtausch werden, in dem die Moderatorin als Einzige Gelassenheit ausstrahlt. Den Kontrahentinnen fällt es sichtlich schwer, einander zuzuhören. Strack-Zimmermann fällt dabei Weidel häufiger ins Wort als umgekehrt: Viermal wird sie von der Moderatorin zur Ordnung gerufen, die AfD-Politikerin einmal. Weidel wirkt in dieser Situation jedoch wenig souverän und lässt sich von ihrer Kontrahentin ständig aus dem Konzept bringen.

Am Ende der Diskussion wird Strack-Zimmermann eine Bemerkung machen, die zwar witzig gemeint ist, die jedoch in der aktuellen Krise etwas fehl am Platz scheint. Da geht es um die Einhaltung der Schuldenbremse, die Strack-Zimmermann verteidigt: Sie stehe in der Verfassung und sie sei sehr wichtig. "Man sollte gerade in diesen extremen Zeiten darauf achten, nicht alle Regeln außer Kraft zu setzen", sagt die FDP-Politikerin. Auch Weidel ist für die Schuldenbremse. Sie fürchtet aber, dass mit diesem Instrument die Hilfspakete der Bundesregierung nicht finanzierbar seien. Deswegen sagt sie: "Natürlich brauchen wir die Schuldenbremse. Aber Sie werden sie natürlich brechen." Strack-Zimmermann antwortet: "Ich weiß nicht, wer heute Abend bricht, aber an der Stelle nicht."

"Ansinnen der AfD-Abgeordneten nicht probat"

Am Nachmittag hatten drei AfD-Landtagsabgeordnete aus Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt erklärt, eine geplante Reise ins von Russland besetzte Donbass-Gebiet abzubrechen. Strack-Zimmermann spricht bei Maischberger von einer "Kaffeefahrt", auch Weidel scheint nicht zufrieden zu sein. Die Politiker hätten sich eigenen Angaben zufolge objektiv über die Situation im Kriegsgebiet informieren wollen. Sie halte dieses Ansinnen nicht für probat, sagt Weidel. "Wenn Sie in ein Kriegsgebiet reisen, bekommen Sie immer nur subjektive Wahrheiten präsentiert." Die Parteileitung habe die Abgeordneten davon überzeugen können, "dass das nicht ganz sinnvoll ist". Die Partei sei über die Reise nicht informiert gewesen.

"Das entspricht Ihrer Interessenlage"

Unterdessen spricht sich Strack-Zimmermann erneut für weitere Waffenlieferungen an die Ukraine aus. "Wenn wir den russischen Präsidenten Putin nicht stoppen, und zwar politisch und militärisch, wird er als Nächstes in die Westukraine gehen und irgendwann ist das Baltikum dran. Jetzt ist Schluss."

"Sie möchten mit Ihrer Linie Deutschland zum Kanonenfutter machen und diese Linie kann man nicht vertreten", antwortet Weidel - und wirft der FDP-Politikerin wenig später vor, sie vertrete mit der Forderung nach immer mehr Waffen an die Ukraine eigene Interessen als Rüstungslobbyistin. "Ich weiß nicht, wo Sie in Ihrem Leben falsch abgebogen sind, aber eindeutig ist das so", gibt Strack-Zimmermann zurück. Und die Moderatorin erklärt, die Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses sei lediglich Mitglied in einem eingetragenen Verein, der das Heer fördere.

Aber so einfach ist das nicht: Laut der Internetseite Lobbypedia sind Strack-Zimmermann und viele andere Bundestagsabgeordnete Mitglieder im Verein "Förderkreis Deutsches Heer"(FKH), Strack Zimmermann sitzt sogar im Präsidium. Mitgliedsunternehmen des Förderkreises fördern auch Parteien durch Spenden, zwischen 2005 und 2010 waren es insgesamt 3,7 Millionen Euro. Durch den FKH bekomme die Rüstungsindustrie "einen privilegierten Zugang zu Personen, die über die Höhe des Verteidigungshaushalts und die Bewilligung von militärischen Großprojekten entscheiden", moniert Lobbywiki.

"Friedensverhandlungen mit Putin unmöglich"

Auch Strack-Zimmermann will, dass der Krieg ein Ende findet, für Verhandlungen mit Russlands Präsident Wladimir Putin sieht sie aktuell aber keinen Spielraum. Weidel sieht das anders, ihre Argumentation wirkt jedoch nicht recht durchdacht. Es sei die Aufgabe der Bundesregierung, sich für Verhandlungen mit Putin einzusetzen. Das könne sie jedoch nur, wenn sie ein neutraler Partner wäre. Das sei sie aber nicht mehr, weil Deutschland die Ukraine mit Waffen unterstütze.

Schließlich gibt es auch unterschiedliche Meinungen zu den Sanktionen gegen Russland: Weidel will sie sofort beenden, weil sie den Menschen in Deutschland schadeten, Strack-Zimmermann nicht. Sie verweist auf eine Umfrage, bei der sich die Mehrheit der Deutschen für eine Beibehaltung der Sanktionen ausgesprochen hat. Und sie gibt zu bedenken: "Sie wirken auch auf Russland. Sie werden sich auf das Leben und die Wirtschaft dort massiv auswirken."

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 21. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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