Politik

Atomkraftgegner jubeln Alt-AKW als Kaltreserve unnötig

Die Bundesnetzagentur sieht keine Notwendigkeit, eines der abgeschalteten Atomkraftwerke bis 2013 als Kaltreserve in Bereitschaft zu halten. Statt eines Atommeilers sollen konventionelle Kraftwerksblöcke als Reserve dienen, wenn es im Winter wegen der Stilllegung von acht AKW zu Stromengpässen kommen sollte. Die Anti-Atom-Organisation sieht einen "Tag der Freude" und fordert eine schnellere Abschaltung der verbliebenen AKW.

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Das Kernkraftwerk Unterweser

(Foto: dpa)

In Deutschland wird kein stillgelegtes Atomkraftwerk als Reservekraftwerk für die Wintermonate am Netz bleiben. Die Bundesnetzagentur bestätigte, dass es zunächst ausreichend Stein- und Gaskraftwerke gebe. "Es bleibt uns erspart, ein Kernkraftwerk zu reaktivieren", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. Die Situation in Deutschland werde für mehrere Jahre aber "sehr ernst bleiben".

Mit Block 3 des Großkohlekraftwerks in Mannheim, dem Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden (Gasturbine) und Block C des Kohlekraftwerk in Ensdorf (Saarland) könne die sichere Versorgung im Rhein-Neckar-Raum im Falle von Engpässen gewährleistet werden. "Insgesamt haben wir in Deutschland zusätzliche, gesichert zur Verfügung stehende Reservekapazitäten in Höhe von 1009 Megawatt sowie sicher zur Verfügung stehende Reserveleistung in Österreich in Höhe von 1075 Megawatt ermittelt", sagte der Präsident der Netzagentur.

Die Landesregierung in Baden-Württemberg hatte sich zuvor bereiterklärt, dass in dem Großkraftwerk in Mannheim fünf statt bisher vier Blöcke gleichzeitig in Betrieb sein dürfen. Sie hatte damit den Weg dafür bereitet, dass es kein AKW im "Stand-By"-Betrieb geben muss. Damit ist das Aus für alle acht vom Netz genommenen Atommeiler endgültig - bis 2022 sollen die verbleibenden neun Kernkraftwerke schrittweise abgeschaltet werden.

Bundesländer gegen AKW als Reserve

Die Bundesländer hatten zuvor darauf gedrungen, auf ein AKW als Reserve zu verzichten. Mehrkosten durch die konventionellen Kaltreserven müssen die Verbraucher über die Netzentgelte zahlen. "Die Sicherheit muss uns das wert sein", betonte Kurth.

Ein Kernkraftwerk als Kaltreserve hätte nach Schätzung der Regierung 50 Millionen Euro pro Jahr gekostet. Experten hatten kritisiert, dass es im Fall von Engpässen zu lange dauern könnte, bis ein Atomkraftwerk wieder angefahren werden kann und Strom liefert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte betont, dass nach Möglichkeit kein Kernkraftwerk als Kaltreserve dienen soll.

Die Netzagentur hatte im Juni von der Bundesregierung den Auftrag erhalten, bis Anfang September eine Entscheidung zu treffen. Als Kandidaten für ein "Stand By"-AKW galten unter anderem der RWE-Meiler Biblis B in Hessen und das EnBW-Kraftwerk Philippsburg I in Baden-Württemberg. Die von Merkel eingesetzte Ethikkommission zur Energiewende hatte diese Lösung als eine Variante vorgeschlagen, besonders Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte sich dann dafür stark gemacht, um auf Nummer sicher zu gehen.

Atomkraftgegner begeistert

Die Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt" sprach von einem "Tag der Freude". "Für uns ist die Entscheidung der Netzagentur ein großer Ansporn, uns intensiv dafür einzusetzen, dass auch die verbleibenden neun Atomkraftwerke stillgelegt werden", sagte Jochen Stay, Sprecher der Organisation. Auch diese Reaktoren stellten "ein immenses Sicherheitsrisiko dar und werden für die Zukunft der Stromversorgung nicht benötigt". Den vom Bundestag beschlossenen Weiterbetrieb der meisten Anlagen über mehr als zehn Jahre könne man angesichts der Gefahren nicht akzeptieren. "Der Streit um die Atomkraft geht weiter, so lange nicht alle Atommeiler stillgelegt sind."

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/dpa