Politik

Demonstrationen gegen AKP Anschlag von Suruç erschüttert die Türkei

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Der Leichnam der mutmaßlichen Attentäterin ist noch nicht identifiziert. Erst dann kann mit Sicherheit gesagt werden, ob es ein IS-Mitglied war.

(Foto: dpa)

Der Anschlag in Suruç nahe Syrien erschüttert die ganze Türkei: Mindestens 31 junge Menschen sterben bei einem Selbstmordattentat, hinter dem möglicherweise der IS steckt. Es wäre der erste. Doch viele Türken sind auch wütend auf die AKP.

Der schwerste Anschlag seit zwei Jahren hat die ganze Türkei erschüttert. Bei dem Attentat in Suruç auf linksgerichtete, prokurdische junge Leute wurden 31 Menschen getötet und etwa Hundert weitere verletzt. Nach den ersten Erkenntnissen gehe der Anschlag auf das Konto der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Der Täter sei jedoch noch nicht identifiziert worden. Sollte sich dies bewahrheiten, wäre es der erste IS-Anschlag in der Türkei gewesen.

Demonstrationen gegen die AKP

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In Istanbul demonstrierten Tausende gegen die AKP.

(Foto: AP)

In der Metropole Istanbul versammelten sich bis zum Abend mehrere Tausend Demonstranten. Sie warfen Präsident Recep Tayyip Erdogan und dessen regierender AKP vor, Kollaborateure des IS zu sein. Zuvor hatte die kurdische PKK die türkische Regierung für den Anschlag mitverantwortlich gemacht, weil sie den IS im Kampf gegen die Kurden in Syrien unterstützt habe. Die Polizei setzte Tränengas ein und löste die Demonstrationen auf.

Zu dem Anti-IS-Treffen hatten sich in einem Kulturzentrum in Suruç rund 300 Teilnehmer versammelt, überwiegend Studenten. Sie hatten vor, den Wiederaufbau der syrischen Grenzstadt Kobane voranzutreiben, die durch wiederholte IS-Attacken weitgehend zerstört wurde. Durch die starke Explosion gab es rund Hundert Verletzte, von denen 20 nach Auskunft des Gouverneurs in Lebensgefahr schwebten. Einer von ihnen erlag seinen Verletzungen.

"Barbarischer Akt"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Anschlag scharf. "Kein Grund oder Missstand kann je einen Anschlag auf Zivilisten rechtfertigen", sagte Ban. Er hoffe, dass die Verantwortlichen rasch identifiziert und zur Rechenschaft gezogen würden. Den Angehörigen der Opfer sprach Ban sein Beileid aus.

Auch die US-Regierung verurteilte den Anschlag scharf. Es handle sich um eine "abscheuliche Tat, sagte Regierungssprecher Josh Earnest. Russlands Präsident Wladimir Putin sprach von einem "barbarischen Akt" und forderte eine "aktive Zusammenarbeit" der Weltgemeinschaft im Kampf gegen Extremismus. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich "besonders entsetzt" darüber, dass die Täter eine Veranstaltung mit vielen Jugendlichen ins Visier genommen hätten.

Der Anschlag in Suruç ist der schwerste in der Türkei, seit im Mai 2013 in der Grenzstadt Reyhanli zwei Autobomben explodierten und 51 Menschen in den Tod rissen. Die türkische Regierung machte damals die linksextreme DHKP-C mit Kontakten zum syrischen Regime für die Tat verantwortlich. Der syrische Präsident Baschar al-Assad wies den Vorwurf zurück. Ankara betreibt den Sturz Assads. Ihre Truppen an der Grenze zu Syrien hat die Türkei in den vergangenen Wochen verstärkt.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa/AFP