Opfer hatten die Schoah überlebtAntisemitischer Anschlag von 1970 ist aufgeklärt

Es war einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge der Bundesrepublik: Am 13. Februar 1970 ging ein jüdisches Altersheim in Flammen auf, sieben Überlebende des Holocaust wurden getötet. Nun hat die Generalstaatsanwaltschaft den Fall geklärt.
56 Jahre nach einem Brandanschlag auf ein jüdisches Altersheim in München mit sieben Toten ist der mutmaßliche Täter identifiziert. Es handelt sich um einen bereits 2020 gestorbenen Mann aus dem rechten Milieu, wie die Generalstaatsanwaltschaft in der bayerischen Landeshauptstadt mitteilte. Neue Ermittlungsergebnisse sprächen "deutlich für eine Täterschaft". Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung weiterer Personen.
Bei dem Anschlag am 13. Februar 1970 waren sieben Menschen getötet worden, die den Holocaust überlebt hatten, zwei von ihnen auch die nationalsozialistischen Vernichtungslager. 15 Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer. Es war einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge der Bundesrepublik. Im Laufe der Jahrzehnte war immer wieder ermittelt worden. So hatte die Bundesanwaltschaft eine linksextremistische Gruppierung im Blick, doch 2017 stellte die Behörde das Verfahren ein. Trotz vorhandener Indizien reichten die Verdachtsmomente nicht für einen konkreten Tatverdacht aus, hieß es damals.
Kürzlich gab es aber einen neuen Hinweis aus der Bevölkerung, wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Im April 2025 nahm sie die Ermittlungen wieder auf. Dabei ging es laut Generalstaatsanwaltschaft um mögliche weitere Beteiligte des Anschlags. Diesen Verdacht konnten die Ermittler aber nicht erhärten. Stattdessen verdichteten sich die Hinweise auf den damals 25-jährigen Einzeltäter, der als rechtsextrem und antisemitisch bekannt war. Da der Mann aber 2020 starb, ist nach Angaben der Behörde eine abschließende rechtliche Bewertung nicht möglich.
Zeugen hatten den mutmaßlichen Täter als Antisemiten mit "Hitler-Tick" beschrieben. Die Generalstaatsanwaltschaft wies darauf hin, dass auch postmortal die Unschuldsvermutung gilt. Es sei nicht möglich, gegen einen Toten Anklage zu erheben.
Wie die "Süddeutsche-Zeitung" schrieb, soll es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Judenhasser und Neonazi gehandelt haben, der NS-Devotionalien und Waffen besaß. Ein Verwandter, ein ehemaliger SS-Mann, habe ihm die "Liebe zum Führer" vermittelt. Auf dem Obersalzberg machte er dem Bericht zufolge im ehemaligen Hitlerbunker Schießübungen.
Laut dem Bericht konnte der Täter im Altersheim unerkannt mit dem Fahrstuhl nach oben fahren, wo er einen Kanister Benzin ausschüttete und dieses dann anzündete, bevor er durch das Treppenhaus floh. Den Aufzug hatte er außer Kraft gesetzt, die oberen Stockwerke wurden zur tödlichen Falle.
Der Rabbiner der Gemeinde hielt, wie die "Jüdische Allgemeine" später schrieb, einen Anschlag zunächst nicht für möglich. "Wir sind eine so kleine jüdische Gemeinde in München. Ich will es einfach nicht glauben, dass es sich hier um Brandstiftung handelt."