Juden weltweit in GefahrAntisemitische Angriffe in Deutschland nehmen massiv zu

2025 war das tödlichste Jahr für Juden in der Diaspora seit 1994. Antisemitische Vorfälle haben einer Analyse der ADL zufolge weltweit zugenommen. In Deutschland ist der Anstieg besonders hoch. Ein Hintergrund dominiert dabei die Statistik.
Die Zahl antisemitischer Angriffe ist einer Analyse zufolge seit 2022 in mehreren Staaten weltweit deutlich gestiegen - am massivsten aber in Deutschland. Das geht aus dem Jahresbericht der Anti-Diffamierungs-Liga (ADL) hervor. Diese untersucht antisemitische Vorfälle in sieben Staaten, in denen zusammen etwa 90 Prozent der Jüdinnen und Juden außerhalb Israels leben.
In Deutschland sei seit 2022, dem Jahr vor dem Angriff der radikalen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel vom 7. Oktober, ein Anstieg um 215 Prozent verzeichnet worden. Deutschland weist demnach die höchste Rate an antisemitischen Vorfällen gemessen an der jüdischen Bevölkerung auf. 2025 habe es fast 70 Vorfälle pro 1000 jüdische Einwohnerinnen und Einwohner gegeben. Die Gesamtzahl wurde für Deutschland mit 8725 Fällen angegeben - nach 8713 im Jahr 2024 und 2610 im Jahr 2022. Betroffen waren 2025 insgesamt 1849 Jüdinnen und Juden sowie 2184 jüdische oder nicht-jüdische Institutionen.
Von den in Deutschland erfassten Fällen wurden im vergangenen Jahr 807 einem rechtsextremem Hintergrund zugeordnet. 2024 waren es 562 Fälle gewesen. Die Zahl der Angriffe aus dem linken, antiimperialistischen Spektrum stieg demnach von 349 auf 501 Fälle, die der islamistisch motivierten Fälle von 143 auf 166 Fälle.
Vorfälle, die als "Anti-Israel-Aktivismus" kategorisiert wurden, machten in Deutschland demnach 2025 mindestens 22,6 Prozent aller erfassten Vorfälle aus. Dies ist weniger als etwa in den USA (45 Prozent) oder Großbritannien (48 Prozent). Bei der Mehrheit der Fälle in Deutschland erfolgte allerdings keine Zuordnung zu einem bestimmten politischen oder weltanschaulichen Hintergrund.
Zahlreiche Anschläge
2025 sei das "tödlichste Jahr in Bezug auf antisemitische Gewalt für die jüdische Diaspora" seit einem Anschlag von 1994 im argentinischen Buenos Aires mit 85 Toten gewesen, erklärte die Organisation. 20 Menschen seien bei Anschlägen im australischen Sydney, im englischen Manchester sowie in den US-Städten Washington und Boulder getötet worden. Der Anschlag von Sydney war derjenige mit den meisten Todesopfern. 15 Menschen wurden getötet, dutzende weitere verletzt.
Insgesamt zählte die ADL mehr als 23.000 antisemitische Vorfälle in den sieben Ländern mit den größten jüdischen Gemeinden außerhalb Israels. Dies sind neben Deutschland die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Argentinien und Australien.
Im Berichtszeitraum sei die Gesamtzahl antisemitischer Vorfälle in den genannten Ländern im Vergleich zu 2022, dem Jahr vor dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, um 136 Prozent gestiegen. Fälle antisemitischer Gewalttaten hätten in diesem Vergleichszeitraum um 97 zugenommen, erklärte die ADL. Antisemitismus sei kein "vorübergehendes Strohfeuer", sondern "er ist unsere neue Normalität", erklärte die ADL. Die Organisation rief Regierungen dazu auf, nicht nur auf Angriffe auf Juden zu reagieren, sondern vorbeugend zu handeln. Nötig seien höhere Sicherheitsausgaben, strengere Gesetze und Onlinedienste, "die ihre eigenen Regeln durchsetzen".