Politik

Libanon-Krieg Armee soll die Schuld tragen

Die israelische Führung hat vor Beginn des jüngsten Libanon-Kriegs die Dauer und das Ausmaß des Konflikts unterschätzt. Ministerpräsident Ehud Olmert und Verteidigungsminister Amir Perez schoben die Verantwortung zugleich der Armee zu.

Man habe sich auf einen Militäreinsatz von etwa zehn bis 14 Tagen eingestellt, sagten Olmert und Perez während ihrer Befragung vor einer Untersuchungskommission. Tatsächlich hatte der Krieg einen Monat gedauert. Auch der inzwischen zurückgetretene Generalstabschef Dan Haluz sagte aus, die überlange Dauer des Kriegs sei letztendlich der größte Fehler gewesen.

Die so genannte Winograd-Kommission gab die Zeugenaussagen der politischen und militärischen Führungsspitze zur Veröffentlichung frei. Teile blieben allerdings unter Zensur. Die Veröffentlichung war von der linksliberalen Parlamentsabgeordneten Sahava Galon (Merez) gerichtlich erzwungen worden. Die Zeugen, deren Verhalten in einem Zwischenbericht der Kommission schwer kritisiert worden war, hatten sich ursprünglich gegen eine Veröffentlichung ausgesprochen.

"Die Aussagen entlarven die Führungsspitze in ihrer Erbärmlichkeit und ihren Versäumnissen und verstärken die Forderungen nach einem sofortigen Rücktritt des Regierungschefs und des Verteidigungsministers", sagte Galon. Olmert versuche, die Verantwortung auf die Armee abzuwälzen. Auch rechtsorientierte Politiker bekräftigten nach der Veröffentlichung der Aussagen ihre Forderungen nach einem Rücktritt Olmerts.

"Etwas war nicht so, wie wir erwartet hatten"

Olmert erklärte, die Armee habe in den ersten Kriegstagen "enttäuscht". Auf der höheren Kommandoebene sei etwas falsch gelaufen. "Etwas im Einsatz der Truppen und ihrer Kontrolle war nicht, was wir erwartet hatten - und dies hat zweifellos eine Diskrepanz geschaffen zwischen dem was wir hätten erreichen können und dem, was wir tatsächlich erzielt haben", so Olmert.

Perez erklärte, er sei sich zu Kriegsbeginn nicht der Tatsache bewusst gewesen, dass die Armee nicht ausreichend auf den Kampf vorbereitet war. Olmert sagte ebenfalls, Haluz habe ihm gesagt, die Armee sei einsatzbereit. "Er sagte mir, dass wir eine qualifizierte, starke Armee zur Verfügung haben." Der Regierungschef betonte, Außenministerin Zipi Liwni, die inzwischen zu seinen Kritikern zählt, sei während des Kriegs an den wichtigen Entscheidungen beteiligt gewesen.

Während des Krieges wurden auf libanesischer Seite mehr als 1.200 Menschen getötet, auf der israelischen rund 160 Zivilisten und Soldaten. Die Kampfhandlungen hatten am 12. Juli vergangenen Jahres nach der Entführung zweier israelischer Soldaten in den Libanon begonnen.

Quelle: ntv.de

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