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Probleme besonders im Osten Armutsrisiko steigt auf Höchstwert

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"Besonders im Osten werden wir in den kommenden Jahren eine Welle von Altersarmut erleben", mahnt der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler.

(Foto: REUTERS)

Ein Sechstel der deutschen Bevölkerung ist akut von Armut bedroht, vor allem Ältere. Wohlfahrtsverbände rechnen mit einer regelrechten "Lawine der Altersarmut". Doch für diese Bevölkerungsgruppe gibt es auch positive Nachrichten.

Das Armutsrisiko ist in Deutschland auf den höchsten Stand seit acht Jahren gestiegen. 15,5 Prozent der Bevölkerung - also fast jeder Sechste - sind von Armut bedroht. Das sind so viele wie noch nie seit Einführung der Statistik 2005. Unter den Rentnern im Westen ist der Anteil armutsgefährdeter Menschen bereits etwas höher als in der gesamten Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. "Das ist ein Vorbote von einer Lawine der Altersarmut, die in etwa zehn Jahren auf uns zukommt", warnt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider.

Fast jeder siebte Ältere war 2013 in den alten Bundesländern von Armut bedroht - das waren 0,4 Prozentpunkte mehr als im Bevölkerungsdurchschnitt. In den neuen Bundesländern (einschließlich Berlin) gilt zwar nur jeder achte Rentner als armutsgefährdet. Deutlich höher ist jedoch das Risiko der Gesamtbevölkerung im Osten: Fast jeder Fünfte lebt an der Armutsschwelle.

Armutsgefährdet ist nach der EU-Definition, wer von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung seines Landes lebt. Dies sind nach der Haushaltsbefragung Mikrozensus 2013 für einen Alleinlebenden 892 Euro im Monat. Im Vergleich zu 2011 beträgt das Plus der armutsgefährdeten Rentner in West und Ost jeweils 1,1 Prozentpunkte. Im Westen steigt die Quote seit 2006 (11 Prozent) von Jahr zu Jahr; im Osten (2006: 8,3 Prozent) gilt dies mit einer Ausnahme.

Immer mehr Ältere im Job

"Besonders im Osten werden wir in den kommenden Jahren eine Welle von Altersarmut erleben", mahnt der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Schon bald gingen Menschen in Rente, deren Erwerbsbiografien durch die Wiedervereinigung stark zerrüttet worden seien. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, mahnte: "Das Problem ist akut wie nie und darf nicht mehr wegdiskutiert werden."

Gleichzeitig gibt es gute Nachrichten für Ältere. Denn nach dem Bericht zur Rente mit 67 des Bundessozialministeriums hat sich "die soziale und wirtschaftliche Situation der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (…) weiter verbessert." Doch wie passt das zusammen? Zunächst ist es einmal eine Frage des Jobmarkts. Die Regierung kann mit positiven Trends aufwarten. Immer mehr 60- bis 64-Jährige haben eine sozialversicherungspflichtige Arbeit. "Hier hat sich die Beschäftigung von 2000 auf 2013 um rund 1 Million von 611.000 auf rund 1,6 Millionen deutlich mehr als verdoppelt", so der Bericht. Vor gut zehn Jahren war nur rund jeder achte in so einem Job - zuletzt fast jeder dritte. Frauen sind jedoch unterrepräsentiert.

Die Arbeitslosenquote der 55- bis 59-Jährigen ist zwar auch gesunken in den vergangenen Jahren - lag aber 2013 noch bei 8 Prozent. Bei den 60- bis 64-Jährigen ging sie deutlich auf 8,4 Prozent nach oben. Hier lief eine Regelung aus, nach der Ältere leichter Arbeitslosengeld bekommen konnten und nicht als arbeitslos galten. 2011 ging mehr als jeder Sechste aus der Arbeitslosigkeit in die Altersrente.

Anteil der Bevölkerung, der von Armut bedroht ist, in Prozent und nach Bundesländern geordnet:

LandInsgesamt65 Jahre und älter
Baden-Württemberg11,412,8
Bayern11,317,0
Berlin21,411,0
Brandenburg17,712,3
Bremen24,615,8
Hamburg16,911,7
Hessen13,713,5
Mecklenburg-Vorpommern23,614,7
Niedersachsen16,115,8
Nordrhein-Westfalen17,114,3
Rheinland-Pfalz15,417,8
Saarland17,119,2
Sachsen18,811,5
Sachsen-Anhalt20,914,2
Schleswig-Holstein14,012,2
Thüringen18,013,6
Alte Bundesländer14,414,8
Neue Bundesländer19,812,5

Quelle: Statistisches Bundesamt

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa

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