Politik

Türkei verliert Geduld Assad schickt wieder Panzer

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Dieses Bild von einem Amateurvideo zeigt Panzer in Hama.

(Foto: Reuters)

Alle Warnrufe verhallen ungehört. Nach Angaben von Menschenrechtlern entsendet Syriens Präsident Assad 250 Panzer und Panzerwagen in die syrische Ölstadt Deir Essor. Viele Viertel sollen von Explosionen erschüttert sein. Die Türkei kündigt an, nicht weiter nur zuzuschauen. Man betrachte die Probleme in Syrien "als innere Angelegenheit", so Ministerpräsident Erdogan.

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Demonstranten in Deir Essor.

(Foto: dpa)

Die syrische Armee ist nach Angaben von Menschenrechtlern mit Panzern in die Ölstadt Deir Essor im Nordosten des Landes eingerückt. Die Panzer seien am frühen Morgen in mehrere Viertel der Stadt am Euphrat eingedrungen, sagte der Chef der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. In mindestens drei Vororten werde geschossen. An dem Einsatz waren demnach rund 250 Panzer und Panzerwagen beteiligt. Die Örtlichen Koordinationskomitees, die die Proteste gegen die syrische Regierung beobachten, erklärten, die Armee sei in neun Viertel der Stadt eingedrungen, die von "sehr heftigen Explosionen" erschüttert werde.

Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit dem syrischen Präsidenten Baschar el Assad telefoniert und ihn aufgefordert, die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung sofort zu beenden. Es war der erste direkte Kontakt zwischen den beiden seit April. Seither hatte sich Assad geweigert, mit Ban zu sprechen.

Türkei mischt sich ein

Die Türkei entsendet Außenminister Ahmet Davutoglu am Dienstag nach Syrien. Ankara habe angesichts der anhaltenden Gewalt die Geduld mit Damaskus verloren, begründete Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag laut der halbamtlichen Nachrichtenagentur Anadolu die Reise seines Chefdiplomaten.

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Auch in Homs gibt es Proteste gegen das Regime Assad.

(Foto: Reuters)

Davutoglu werde bei den Gesprächen in Damaskus "unsere Botschaften mit Entschlossenheit" überbringen. Die Türkei könne angesichts der Lage in dem Nachbarland kein "Zuschauer" bleiben. "Wir betrachten die Probleme in Syrien nicht als Außenpolitik, sondern als innere Angelegenheit", sagte Erdogan. Ankara hat den syrischen Präsidenten Baschar el Assad zu Reformen aufgefordert, bislang aber nicht seinen Rückzug verlangt.

Die massiven Proteste gegen Assad hatten Mitte März begonnen. Bei der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung durch syrische Sicherheitskräfte wurden in den vergangenen Wochen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 1600 Zivilisten getötet und mindestens 12.000 Regierungsgegner festgenommen. Laut der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurde am Samstag auch der bekannte Oppositionelle Walid el Bunni mit seinen beiden Söhnen in einem Vorort von Damaskus festgenommen. Der gelernte Arzt saß bereits mehrfach im Gefängnis, weil er einen demokratischen Wandel fordert.

Quelle: ntv.de, rts/dpa/AFP