Politik

Spahn will Priorisierung kippen Astrazeneca für alle und mit nur vier Wochen Abstand

Während sich Ganz- und Teilimmunisierte auf Corona-Lockerungen freuen können, wächst die Ungeduld bei denen, die noch nicht an der Impf-Reihe sind. Eine Abkürzung könnte nach den Plänen von Gesundheitsminister Spahn demnächst das Präparat von Astrazeneca sein.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn strebt eine sofortige Freigabe des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca für alle Impfwilligen an - ohne Priorisierung nach Alter, Vorerkrankung oder Berufsgruppe. An diesem Donnerstag wolle er mit seinen Länderkollegen darüber reden, kündigte er am Mittwochabend im WDR an. Man werde dann "bei Astrazenca eindeutig sagen, für Arztpraxen wie für Impfzentren, dass es dort keine Priorisierung mehr gibt". Für Astrazeneca gelte das dann sofort.

Was für viele Impfwillige besonders wichtig sein dürfte: Das Intervall zwischen Erst- und Zweitimpfung mit Astrazeneca soll flexibler gehandhabt werden können. Drei Monate Abstand sollen derzeit die optimale Wirksamkeit garantieren. Damit sind jene, die sich jetzt das Astrazeneca-Vakzin spritzen lassen, erst Ende August vollständig immunisiert - bei Biontech und Moderna wäre der vollständige Schutz schon Anfang Juli aufgebaut, und damit rechtzeitig zu den Sommerferien. Um Astrazeneca attraktiver zu machen, soll das Impfintervall laut Spahn jetzt auf vier Wochen verkürzt werden können. Das sei innerhalb der Zulassung möglich, betonte Spahn.

Gegen das Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns gibt es teils erhebliche Vorbehalte. Es wird nach dem Auftreten von Blutgerinnseln im Gehirn bei jüngeren Geimpften nur noch für über 60-Jährige eingesetzt. Andererseits gibt es viele Jüngere, die sich grundsätzlich auch damit impfen lassen würden, aber in der Impf-Reihenfolge noch nicht dran sind.

Ruf nach Lockerungen auch für Getestete

Bisher haben 29,5 Prozent der Bevölkerung zumindest eine Impfung erhalten. 8,3 Prozent sind vollständig geimpft, haben also erforderlichenfalls auch eine zweite Impfung erhalten. Die geplante Befreiung Geimpfter und Genesener von den Beschränkungen soll am Mittag die nächste Hürde nehmen. Der Bundestag befasst sich dann mit einer von der Bundesregierung in einem beschleunigten Verfahren auf den Weg gebrachten Verordnung und stimmt auch gleich ab. Billigt das Parlament die Neuregelungen, soll sie der Bundesrat am Freitag besiegeln.

Demnach sollen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen für vollständig Geimpfte und Genesene wegfallen. Sie sollen zudem negativ Getesteten gleichgestellt werden und bräuchten für Geschäfte oder beim Friseur keinen Corona-Test mehr.

Nun werden zunehmend weitere Lockerungen auch für negativ Getestete gefordert, etwa bei den Kontaktbeschränkungen. "Viele Menschen konnten sich wegen Impfstoffmangel noch nicht impfen lassen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Wir werden den Menschen kaum vermitteln können, dass sich nur Geimpfte und Genesene unbegrenzt und unbeschwert an einem Sommerabend im Park oder zum Abendessen zu Hause treffen können."

Schnelltests sind deutlich unzuverlässiger

Für Getestete gelten bereits weitgehende Lockerungen beim Einkaufen, Besuch von Kultureinrichtungen und Sporttreiben. Allerdings geben negative Schnelltests wegen der Fehleranfälligkeit weit weniger Sicherheit vor einer Virusübertragung als ein voller Impfschutz. Mit Blick auf die geplanten Ausnahmen für Geimpfte und Genesene forderte der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, Länder, Kommunen und Pflege-Einrichtungen auf, die vor Ort geltenden Regelungen an die Bundesverordnung anzupassen. "Jetzt müssen die Besuchsverbote und Kontaktbeschränkungen für geimpfte Heimbewohner aufgehoben werden", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Dennoch sieht die Stiftung Patientenschutz für Heimbewohner noch viele Fragen offen, wie Vorstand Eugen Brysch dem RND sagte.

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Noch nicht abschließend gelöst ist der sichere Nachweis einer vollständigen Impfung, um von den Corona-Beschränkungen ausgenommen zu werden. "Fälschungssicherheit ist mit Blick auf den geplanten digitalen Impfnachweis natürlich ein wichtiger Aspekt", sagte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, dem RND. "Die Verantwortung dafür kann allerdings unter keinen Umständen einfach den Hausarztpraxen zugeschoben werden." Sie hätten bereits mit der Patientenversorgung viel zu tun.

Deutschland will gemeinsam mit der EU noch im Juni einen digitalen Corona-Impfnachweis einführen. Bei bereits vorher vollständig Geimpften soll der Impfstatus aus dem analogen Impfpass übertragen werden. Schon jetzt sind aber gefälschte Impfpässe im Umlauf.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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