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Die Polizei hat den Tatort in Salisbury weiträumig abgesperrt.
Die Polizei hat den Tatort in Salisbury weiträumig abgesperrt.(Foto: dpa)
Mittwoch, 07. März 2018

Attacke wohl mit Nervengift: Auch Polizist schwebt in Lebensgefahr

Bei dem Giftanschlag auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal gibt es ein drittes Opfer: Laut den britischen Ermittlern liegt auch ein Polizist im Sterben. Eingesetzt haben die Angreifer höchstwahrscheinlich ein Nervengas.

Der frühere russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Yulia sind mutmaßlich Opfer von Nervengift geworden. Das teilte der Chef der britischen Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, in London mit. Die beiden seien gezielt angegriffen worden. Seinen Angaben zufolge befindet sich inzwischen auch ein Polizeibeamter in lebensbedrohlichen Zustand. Es werde wegen versuchten Mordes ermittelt, so Rowley. Welches Nervengas die Angreifer verwendet haben, wollte er nicht sagen. Zu den bekanntesten zählen Sarin und VX.

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Die Rolle der Ermittler sei nun, herauszufinden, wer hinter der Tat stecke, sagte Rowley. "Zu diesem Zweck arbeiten Hunderte Kriminalbeamte, gerichtsmedizinische Experten, Analysten und Geheimdienstmitarbeiter rund um die Uhr an dem Fall zusammen." Aus US-Sicherheitskreisen hieß es, die Hauptannahme der Ermittler sei, dass das Nervengift von russischer Seite eingesetzt worden sei, um Skripal für seinen Verrat als russisch-britischer Doppelagent zu bestrafen. Skripal hatte dem britischen Geheimdienst die Identität Dutzender russischer Spione verraten.

Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter waren am Sonntag vor einem Einkaufszentrum in der südenglischen Stadt Salisbury bewusstlos zusammengebrochen. Ihr Gesundheitszustand ist nach Behördenangaben weiterhin kritisch.

Russland wies Vorwürfe zurück, etwas mit dem Fall zu tun zu haben. Entsprechende Versuche seien offenbar Teil einer Kampagne, um die russisch-britischen Beziehungen zu belasten, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Moskau. Der britische Außenminister Boris Johnson hatte Russland mit neuen Sanktionen gedroht, falls die Regierung in Moskau hinter der Erkrankung Skripals stecken sollte.

Neuer Einsatz am Tatort

Nach dem Giftanschlag waren am Mittwochnachmittag erneut mehrere Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen zum Tatort in Salisbury ausgerückt. Eine Frau sei Rettungskräften zu einem der Fahrzeuge geführt und mitgenommen worden, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA. Was es mit dem Einsatz auf sich hatte, war zunächst unklar.

Die Polizei bat derweil um Unterstützung der Öffentlichkeit. Wer Zeuge geworden sei oder Informationen habe, solle sich melden, erklärte Scotland Yard. Die Leitung in dem Fall hat inzwischen die Anti-Terror-Einheit der britischen Polizei übernommen.

Der Fall Skripal weckt Erinnerungen an den russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium-210 vergiftet worden war. In einem Untersuchungsbericht warfen britische Ermittler dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, die Tat wahrscheinlich persönlich gebilligt zu haben. Das russische Präsidialamt weist die Vorwürfe bis heute zurück.

Quelle: n-tv.de