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Ärzte finden keine Nachfolger Bahr verspricht Zuschüsse

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(Foto: picture alliance / dpa)

Dass in Deutschland Ärztemangel herrscht, ist bekannt. Eine Studie liefert nun alarmierende Zahlen: So müssen im vergangenen Jahr beinahe 700 Praxen schließen, weil sich keine Mediziner finden, die sie übernehmen wollen. Und eines scheint sicher: "Die Situation wird sich verschärfen." Bundesgesundheitsminister Bahr will mit "zusätztlichem Geld" Anreize schaffen.

In Deutschland haben im vergangenen Jahr knapp 700 Arztpraxen mangels Nachfolger dicht gemacht. Insgesamt seien Nachfolger für 3938 Praxen von Ärzten und Psychotherapeuten gesucht worden, berichtete die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). In 692 Fällen sei die Suche ergebnislos geblieben. Von den Schließungen betroffen waren unter anderem 420 Praxen von Hausärzten und 32 von Kinderärzten. Vor allem auf dem Lande fehlen Ärzte.

Am Montag will die KBV in Kiel auf einer Vertreterversammlung Konzepte für eine Sicherung der ärztlichen Versorgung beraten. Am Tag drauf startet dort der 114. Deutsche Ärztetag.

Bahr will Anreize schaffen

KBV-Chef Andreas Köhler sagte, rund 18 Prozent derjenigen, die ihre Praxis abgeben wollen, fänden keinen Nachfolger. Der Ärztemangel sei heute schon real. Die KBV schätzt, dass bis zum Jahr 2020 rund 67.000 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand gehen werden. "Die Situation wird sich also verschärfen", sagte Köhler. Nach der jüngsten KBV-Übersicht gab es Ende 2009 rund 69.200 Einzelpraxen und 19.500 Gemeinschaftspraxen in Deutschland.

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Will die Mediziner unterstützen: Gesundheitsminister Daniel Bahr.

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Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sagte der "Welt" hingegen, dass viele Ärzte auf dem Land keine Nachfolger finden, "führt derzeit noch nicht zu dramatischen Engpässen". In wenigen Jahren könne das anders sein. Das geplante Versorgungsgesetz schaffe neue Anreize. "Wir sorgen dafür, dass es für zusätzliche Patienten zusätzliches Geld gibt, und zwar ohne Abschläge." Das Problem langer Wartezeiten auf einen Termin "müssen wir angehen", so der FDP-Politiker. Verantwortlich machte er die Budgetierung bei der Ärztevergütung - deshalb würden Versicherte oft aufs nächste Quartal vertröstet.

Montgomery fordert mehr Honorar für Ärzte

Der Vizepräsident der Ärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hatte verlauten lassen: "Es gibt im Kern einen gravierenden Ärztemangel - oder besser einen Mangel an Arztstunden." Die jungen Ärzte wollten zu Recht keine Marathondienste mehr schieben. Zugleich steige der Versorgungsbedarf. "Wir müssen sehen, dass die jungen Ärzte hier arbeiten und nicht ins Ausland gehen."

Zudem kündigte er einen verstärkten Kampf der Ärzte für angemessenes Honorar und eine neue Gebührenordnung angekündigt: "Bezogen auf das Nettoeinkommen hat die Ärzteschaft in einem Zeitraum von 25 Jahren über alle Berufsgruppen hinweg am meisten verloren." Bahr entgegnete: "Die Ärzte verdienen gutes Geld, auch im Vergleich zu anderen Akademikern." Montgomery will auf dem Ärztetag in einer Kampfabstimmung zum Nachfolger des scheidenden Kammerpräsidenten Jörg-Dietrich Hoppe gewählt werden.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund will für mehr Geld für die Ärzte an Unikliniken streiten. "Fachärztinnen und Fachärzte an Universitätsklinika verdienen mittlerweile bis zu zehn Prozent weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Kliniken", kritisierte der Bund in einem Beschluss seiner Hauptversammlung in Kiel. In den anstehenden Tarifverhandlungen mit den Länder will die Ärztegewerkschaft dies ändern.

Quelle: n-tv.de, dpa

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