Politik

Schutz für ländliche Apotheken Bayern will Arzneimittelversand verbieten

81194976.jpg

Bayern fürchtet, dass der Preiskampf mit dem Onlineversand Apotheken im ländlichen Raum in die Pleite treiben könnte.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Europäische Gerichtshof hält die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente für rechtswidrig, weil sie ausländische Versandapotheken benachteiligt. Bayern fürchtet deswegen einen Aderlass auf dem Land und reagiert.

Bayern will den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Deutschland verbieten. Gesundheitsministerin Melanie Huml kündigte eine Bundesratsinitiative an, da das Urteil des Europäischen Gerichtshofs die flächendeckende Arzneimittelversorgung gefährde. "Es darf keine Rosinenpickerei zulasten der Apotheken vor Ort und damit der ortsnahen Versorgung der Patientinnen und Patienten geben."

Nach dem Urteil der Luxemburger Richter müssen sich ausländische Versandapotheken nicht an die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel halten. Die bestehende Regelung könne Anbietern aus anderen EU-Ländern den Zugang zum deutschen Markt erschweren, hieß es.

Die bayerische Landesregierung dagegen fürchtet, "dass die Versandapotheken vor allem die Versorgung mit hochpreisigen Arzneimitteln und von Chronikern an sich ziehen wollen". Dann müssten viele Apotheken am Stadtrand und auf dem Land schließen, erklärt Huml. Individuelle Beratung und Notfall-Versorgung könne keine Internetapotheke leisten. Deshalb wolle Bayern den Versandhandel mit verschreibungspflichtiger Arznei verbieten.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte bereits angekündigt, alles zu tun, um die flächendeckende Versorgung durch ortsnahe Apotheken zu sichern. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte, "dass wir gesetzgeberisch handeln müssen".

Die Luxemburger Richter hatten hingegen in ihrem Urteil erklärt, es sei nicht nachgewiesen worden, inwiefern durch eine Festlegung einheitlicher Preise eine flächendeckende Verteilung traditioneller Apotheken in Deutschland gefördert würde. Vielmehr könne ein Preiswettbewerb auch Anreize zur Niederlassung in Gegenden bieten, in denen wegen der geringeren Zahl an Apotheken höhere Preise verlangt werden könnten.

Quelle: ntv.de, chr/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.