Sieben Prozent vom FrachtwertBericht: Iran will hohe Maut in Straße von Hormus kassieren

Die iranische Führung soll sich laut einem Medienbericht mit dem Oman über Transitgebühren für die Hormus-Durchfahrt geeinigt haben. Auf dem Papier ist die Maut "freiwillig" - wie es US-Präsident Trump fordert. Doch ohne Zahlung droht Schiffen womöglich ein iranischer Angriff.
Das geplante Abkommen zwischen Iran und Oman über die Kontrolle von Schiffsdurchfahrten in der Straße von Hormus dürfte Insidern zufolge den Iran wirtschaftlich und politisch stärken. Das Abkommen könnte es Teheran ermöglichen, hohe Gebühren von beispielsweise Öltankern zu fordern, die durch die Straße von Hormus in den Persischen Golf einlaufen, sagten zwei Regierungsvertreter aus der Region sowie ein Insider aus den Iran der Nachrichtenagentur Reuters. Wenn das so komme, sei dies eines der bislang größten Zugeständnisse an den Iran.
Nach Angaben des iranischen Insiders strebt der Iran Gebühren in Höhe von fünf bis sieben Prozent des Frachtwerts von Schiffen an, welche die Meerenge passieren. Das könnte dem Iran täglich mehrere Millionen Dollar einbringen. Der Oman strebt Gebühren von etwa drei Prozent an.
US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt erklärt, es werde keine Gebühren für die Durchfahrt geben. Trump hatte kurzzeitig aber auch erklärt, die USA selbst würden Gebühren erheben. Viele Beobachter sehen die USA inzwischen aber in einer schwachen Position, in der sie dem Iran keinen Frieden zu ihren Bedingungen diktieren können.
Ein Abkommen, das dem Iran die Kontrolle über den Zugang zur Meerenge einräumt, würde bedeuten, dass der von den USA und Israel begonnene Krieg gegen den Iran zu einer erheblichen Verschiebung des regionalen Machtgleichgewichts zugunsten Teherans führt. Trump hatte ursprünglich erklärt, der Ende Februar begonnene Krieg werde wenige Wochen dauern und mit der "bedingungslosen Kapitulation" des Iran enden. Am Dienstag hatte Trump dem US-Sender Fox gesagt, die Straße von Hormus werde "sehr bald" wieder geöffnet sein.
Irans Vize-Außenminister Kazem Gharibabadi sagte der Nachrichtenagentur Irna, ein bedeutender Teil der neuen Route für die Schiffe verlaufe in iranischen Hoheitsgewässern. Sie sei so konzipiert, dass Handelsschiffe sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt diese Gewässer durchqueren müssten. Ein Insider sagte indes, über die Ausfahrt werde noch verhandelt.
Ein Insider aus der Region sagte, es müsse auch noch geklärt werden, wie "Kontrolle" über die Routen der Schiffe definiert werde. Verhandler aus der Golfregion bestünden zudem unter anderem darauf, dass die Zahlung von Gebühren "freiwillig" sei. Diese Freiwilligkeit könnte ein Ausweg etwa für die USA sein, ein Abkommen gesichtswahrend zu akzeptieren. Allerdings könnte diese angebliche Freiwilligkeit nur auf dem Papier bestehen. Sollte der Iran mit Angriffe auf Schiffe drohen, würde mutmaßlich keine Reederei den Transit ohne eine solche Zahlung riskieren. Ähnlich hatte sich der Iran in den Vorwochen schon verhalten.
US-Langstrecken-Präzisionsraketen wohl knapp
"Hinsichtlich einer gewissen Form der Kontrolle über die Straße von Hormus wurde bereits ein Zugeständnis gemacht", sagte einer der regionalen Insider. Dabei hatten die USA wiederholt erklärt, sie würden niemals eine Vereinbarung akzeptieren, die es dem Iran ermögliche, den Zugang zur weltweit wichtigsten Handelsroute für Öl- und Gas-Lieferungen zu kontrollieren.
Monatelange militärische Bemühungen der USA, darunter eine zweiwöchige Angriffsserie im Juli, haben den iranischen Einfluss auf die Meerenge allerdings nicht gebrochen. US-Kommandeure hatten Trump im Juli mitgeteilt, dass die Vorräte an bestimmter Munition zur Neige gingen. Laut einem Medienbericht habe die US-Armee derzeit fast alle ihre Langstrecken-Präzisionsraketen aufgebraucht.