Politik

"Sehr wahrscheinlich" Biden warnt vor neuem Kabul-Anschlag

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Die radikal-islamischen Taliban kontrollieren Kabul, aber der Flughafen steht laut US-Verteidigungsministerium weiter unter Kontrolle der US-Armee.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Vor dem endgültigen Truppenabzug hält US-Präsident Biden es für "sehr wahrscheinlich", dass es noch einen Anschlag geben wird. Die Lage am Kabuler Flughafen bleibe extrem gefährlich. Zudem kündigte er weitere Vergeltungsangriffe an. Derweil sind die Taliban dabei, eine Regierung aufzustellen.

Nach dem verheerenden Selbstmordattentat am Kabuler Flughafen könnte nach Einschätzung der USA ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen. "Die Lage vor Ort ist nach wie vor extrem gefährlich, und die Gefahr von Terroranschlägen auf dem Flughafen bleibt hoch", erklärte US-Präsident Joe Biden. Nach Einschätzung der Armeeführung sei "ein Anschlag in den nächsten 24 bis 36 Stunden sehr wahrscheinlich". Das Militär sei angewiesen, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um die Soldatinnen und Soldaten zu schützen. Bis zum vollständigen Abzug soll das US-Militär noch Menschen außer Landes bringen - zuletzt hatte auch Großbritannien seine Evakuierungsmission beendet.

Bei dem Anschlag am Donnerstag waren Dutzende Zivilisten sowie 13 US-Soldaten am Kabuler Flughafen getötet worden. Ranghohe Vertreter der ehemaligen afghanischen Regierung sagten, es seien mehr als hundert Menschen getötet worden. Einige Medien berichteten sogar von rund 170 Toten.

Biden kündigte weitere Vergeltungsangriffe auf den regionalen Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) an, der den Anschlag am Donnerstag für sich reklamiert hatte. Bei einem Drohnenangriff der USA am Samstagmorgen waren nach Angaben des Pentagon zwei ranghohe Mitglieder der Miliz Islamischer Staat Provinz Chorasan (IS-K) getötet worden. Ein weiterer sei verletzt worden, sagte Generalmajor William Taylor im Pentagon. Zivile Opfer gebe es nach bisherigen Erkenntnissen nicht, so Taylor weiter. Dies sei "nicht der letzte" Angriff auf diejenigen gewesen, die verantwortlich seien für den Anschlag "auf unsere Truppen und unschuldige Zivilisten in Kabul", sagte der US-Präsident.

US-Militär plant Abzug aus Kabul bis Dienstag

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US-Präsident Biden kündigt weitere Vergeltungsangriffe auf IS-Terroristen an.

(Foto: dpa)

Das US-Militär werde noch bis zum geplanten Abzug am Dienstag für die Sicherheit und den Betrieb des Flughafens Kabul verantwortlich sein, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Alle Tore des Flughafens stünden weiter unter Kontrolle der US-Armee. Die militant-islamistischen Taliban hatten zuvor behauptet, bereits mehrere Tore des Flughafens zu kontrollieren. Kirby erklärte, dass die Taliban Sicherheitskontrollen rund um den Flughafen errichtet hätten. "Aber sie kontrollieren keine Tore, sie sind nicht am Flughafen und haben keine Rolle für die Sicherheit." Am Freitag waren noch mehr als 5000 US-Truppen am Flughafen Kabul stationiert gewesen. Bis zum vollständigen Abzug werde man aus Sicherheitsgründen keine Informationen zur Truppenstärke mehr bekannt geben, sagte Kirby.

Deutschland und mehrere andere Verbündete der USA haben ihre Einsätze in Kabul bereits beendet. Am Samstag flog auch Großbritannien seine letzten Soldatinnen und Soldaten aus. Das Verteidigungsministerium in London dankte am Abend über Twitter "all denen, die unter enormem Druck und schrecklichen Bedingungen so tapfer gedient haben, um die am meisten gefährdeten Zivilisten sicher zu evakuieren". Bislang brachten die US-Luftwaffe und Verbündete seit Mitte August mehr als 112.000 eigene Staatsbürger und frühere afghanische Helfer außer Landes. Das US-Militär soll noch bis Dienstag Menschen evakuieren, allerdings wird die Zahl der ausgeflogenen Personen wegen des gleichzeitigen Abzugs von Soldaten und Ausrüstung sinken.

Taliban wollen Kabinett bekannt geben

Mit dem bevorstehenden Ende der US-Evakuierungen bereiten sich die radikal-islamischen Taliban auf den Aufbau einer Regierung in Afghanistan vor. In den nächsten Tagen wollten sie das vollständige Kabinett bekannt geben, sagte ein Taliban-Sprecher. Die Vertreter von wichtigen Behörden wie dem Gesundheits- und Bildungsministerium sowie der Zentralbank seien bereits ernannt worden. Zudem gehe man davon aus, dass die Turbulenzen der heimischen Währung bald enden dürften.

Die Taliban verurteilten den US-Vergeltungsschlag gegen den IS als einen "klaren Angriff auf afghanisches Gebiet". Jedoch baten sie dem Sprecher zufolge die USA und andere westliche Länder, diplomatische Beziehungen auch nach dem Abzug ihrer Soldaten aufrechtzuerhalten.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/rts/dpa

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