Politik

Im von Aufständischen kontrollierten Gebiet Bischöfe in Syrien entführt

2013-04-21T133912Z_01_SYR15_RTRMDNP_3_SYRIA-CRISIS.JPG9113554941765007160.jpg

Teile der Provinz Aleppo sind unter Kontrolle der Aufständischen - gekämpft wird aber weiterhin.

(Foto: REUTERS)

Zwei hohe Würdenträger christlich-orthodoxer Kirchen werden in Syrien entführt. Ihr Fahrer, ein Diakon, wird dabei erschossen. Die Entführung findet in der Provinz Aleppo statt. Wer dahinter steckt, ist jedoch noch unklar.

In der syrischen Provinz Aleppo sind zwei Bischöfe entführt worden. Das syrisch-orthodoxe Patriarchat in der Hauptstadt Damaskus habe entsprechende Berichte bestätigt, erklärte der Bundesverband der Aramäer in Deutschland.

Es handelt sich demnach um den syrisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo, Gregorios Yohanna Ibrahim, und seinen griechisch-orthodoxen Amtsbruder Bulos Jasidschi aus derselben Stadt. Der Fahrer der Geistlichen, ein Diakon, sei von den Entführern getötet worden. Die Bischöfe sollen unverletzt geblieben sein.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und Daniyel Demir, der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, verurteilten die Verschleppung der beiden Geistlichen aufs Schärfste und forderten ihre unverzügliche Freilassung. "Die internationale Staatengemeinschaft muss Syrien bewegen, endlich zu Verhandlungen zu kommen. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen", sagte Zollitsch.

Demir erklärte: "Die Entführung dieser beiden hohen Würdenträger trifft die in Syrien noch ausharrenden Christen tief ins Mark und muss der internationalen Staatengemeinschaft ein Warnruf sein."

Der Vorfall habe sich in einem von der Freien Syrischen Armee (FSA) kontrollierten Gebiet ereignet, berichtete der Bundesverband der Aramäer weiter. In Syrien wurde vermutet, dass die beiden Geistlichen von einer Brigade verschleppt wurden, der Ausländer angehören und die von Oppositionellen verdächtigt wird, heimlich mit dem Regime von Präsident Baschar al-Assad zusammenzuarbeiten.

Kritik an Lockerung der Sanktionen

Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour erwartet derweil von der Lockerung des EU-Ölembargos gegen Syrien keine wesentliche Hilfe für die Opposition. "Es ist Symbolpolitik", sagte der Bundestagsabgeordnete im Deutschlandfunk. "Das, was an Volumina an Erdöl tatsächlich exportiert werden kann, hat nicht eine Größenordnung, die tatsächlich wirtschaftlich oder aber auch im Bereich Waffenkäufe den Rebellen hilft."

Die EU-Staaten hatten am Montag zugunsten der syrischen Opposition Ausnahmen von den Sanktionen gegen das Land beschlossen. Künftig ist die Einfuhr von Rohöl aus Syrien wieder möglich. Damit soll die Lage der Zivilbevölkerung verbessert und die Koalition der Rebellen gestärkt werden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte unterdessen Russland auf, an einer politischen Lösung des Konflikts in Syrien mitzuwirken. Eine solche Lösung werde "die einzige sein, die nachhaltig ist und die tragen kann", sagte Westerwelle in Brüssel am Rande eines Treffens der Nato-Außenminister. "Und wenn man eine politische Lösung will für Syrien, dann ist es notwendig, dass auch Gesprächsangebote gemacht werden." Es müssten "Wege gefunden werden, wie Gespräche geführt werden können in Syrien selbst", sagte Westerwelle: "Und da spielt natürlich Russland eine große Rolle."

Quelle: ntv.de, dpa