Politik

"Pull up, pull up!" Black-Box-Abschrift öffentlich

Die Piloten der Tupolew-154, bei deren Absturz der polnische Präsident Lech Kaczynski ums Leben kam, haben nicht auf die automatischen Warnungen im Cockpit gehört. Das geht aus den Aufzeichnungen der Flugschreiber hervor, die das polnische Innenministerium veröffentlicht.

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Der Flugschreiber der verunglückten Tupolew TU-154.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die polnischen Behörden haben die Abschrift der Flugschreiber der abgestürzten polnischen Präsidentenmaschine veröffentlicht. Die automatische Warnung "Pull up, Pull up" ("Hochziehen, Hochziehen") ist eine Minute vor dem Absturz mehrmals im Cockpit zu hören, wie es laut dem im Internet veröffentlichten Bericht heißt. Die Piloten der Tupolew-154 reagierten demnach nicht auf den automatischen Befehl.

Die Aufzeichnungen der sogenannten Black Boxes umfassen die letzten 40 Minuten des Fluges am 10. April und wurden in polnischer und russischer Sprache auf der Website des polnischen Innenministeriums veröffentlicht. Polens Präsident Lech Kaczynski war mit seiner Frau und 94 weiteren Insassen gestorben, als das Flugzeug in der Nähe der russischen Stadt Smolensk bei der Landung abstürzte. Der Präsident war auf dem Weg nach Katyn, um der Opfer des Massakers an rund 22.000 Polen während des Zweiten Weltkriegs zu gedenken.

Lotsen-Warnung vor schlechtem Wetter

Russische Fluglotsen werden 16 Minuten vor dem Absturz zitiert, die Wetterbedingungen auf dem Flughafen Smolensk in Westrussland erlaubten keine Landung. "Danke, wenn es möglich ist, versuchen wir es", wird der Chefpilot Arkadiusz Protasiuk zitiert. "Aber wenn das Wetter nicht gut sein wird, werden wir eine zweite Runde drehen", sagt er demnach.

Eine Minute später sagt der Pilot den Aufzeichnungen zufolge, eine Landung sei nicht möglich. "In diesem Moment, unter den aktuellen Bedingungen, gelingt es uns nicht zu landen." Zehn Minuten später ist der Protokollchef des Außenministeriums zu hören, der im Cockpit zu den Piloten sagt: "Der Präsident hat noch nicht entschieden, was wir machen werden."

Luftwaffenchef Blasik in Cockpit

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General Blasik: Druck auf die Piloten ausgeübt?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Laut der Abschrift befindet sich Luftwaffenchef Andrzej Blasik zwei Minuten vor dem Absturz im Cockpit, aber es gibt keine Hinweise darauf, dass er die Piloten zur Landung drängt. Eine Minute vor dem Absturz beginnen die automatischen Warnungen "Terrain ahead" ("Boden in Sicht") und "Pull up, Pull up" ("Hochziehen, Hochziehen"). Aber die Piloten brechen die Landung nicht ab. Fünfzig Meter über dem Boden werden die Fluglotsen mit den Worten "Horizon 101" zitiert. Das bedeutet, dass die Landeanweisungen abgeschlossen sind. Die letzten Sekunden auf den Black Boxes geben laut Abschrift den Lärm wieder, als das Flugzeug einen Baum streift. Außerdem sind fluchende Piloten zu hören.

Polen fordert Original-Material

Jaroslaw Kaczynski, der Zwillingsbruder des bei dem Flugzeugabsturz getöteten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski, forderte von Russland unterdessen die Herausgabe der Flugschreiber. "Ich erwarte das ursprüngliche Material, inklusive der Black Boxes", sagte er in Warschau. Die russischen Behörden hatten der polnischen Regierung komplette Aufzeichnungen der Black Boxes übergeben. Nach dem Unglück waren Spekulationen laut geworden, dass die Piloten unter Druck gesetzt worden sein könnten, das Flugzeug trotz schlechten Wetters zu landen. Zugleich kursieren in Polen diverse Verschwörungstheorien, dass doch Moskau an dem Absturz schuld sein könnte.

Quelle: n-tv.de, ghö/rts

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