Politik

Angriff auf UN-Soldaten Blauhelme baten um Feuerstopp

Die vier UN-Beobachter im Südlibanon, die am Dienstag durch israelischen Beschuss getötet worden sind, haben die Israelis zuvor über Stunden beschworen, das Feuer einzustellen. Das bestätigten die Vereinten Nationen am Mittwoch offiziell in New York. Demnach gab es in den sechs Stunden vor dem tödlichen Einschlag am Abend 14 andere Explosionen im direkten Umfeld des UN-Postens.

Etwa zehn Mal kontaktierten die vier unbewaffneten UN-Beobachter den Angaben zufolge einen israelischen Verbindungsoffizier und baten ihn, sicherzustellen, dass sich dies nicht wiederholen würde. Doch obwohl der Offizier versprochen habe, die Bombardierung beenden zu lassen, sei sie weitergegangen. Ein Volltreffer habe das dreistöckige UN-Gebäude schließlich völlig zerstört.

Ein Sprecher der israelischen Regierung, der im amerikanischen Nachrichtensender CNN gefragt wurde, ob dies stimme, antwortete, er wisse es nicht. Die vier getöteten UN-Mitarbeiter kamen aus China, Finnland, Österreich und Kanada.

Israel war nach dem Tod der vier UN-Militärbeobachter unter massiven diplomatischen Druck geraten. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach in ungewöhnlich deutlichen Worten von einem "offensichtlich vorsätzlichen Angriff". Später betonte Annan, er habe "vorsichtig formuliert, dass es sich 'angeblich' um einen vorsätzlichen Angriff handelte".

Der Weltsicherheitsrat in New York bereitet derweil eine Erklärung zu dem israelischen Angriff vor. Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton sagte nach Beratungen des Sicherheitsrates, die Erklärung werde den Beschuss bedauern. Außerdem werde der Sicherheitsrat seine Unterstützung für die von Israel angekündigte Untersuchung des Vorfalls aussprechen. Kritik an Israel ist demnach nicht geplant: "Wir müssen mit jeder Einordnung sehr vorsichtig sein, bis alle Fakten vorliegen", sagte Bolton.

Israel spricht von "tragischem Unfall"

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert zeigte sich schockiert über die Vorwürfe Annans. Bei dem Vorfall habe es sich um einen tragischen Unfall und nicht um eine vorsätzliche Attacke gehandelt. Zugleich bekundete Olmert seine "tiefe Trauer" und ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an.

In einem Ausschuss des israelischen Parlaments soll Olmert zudem erklärt haben, er wolle den Krieg gegen die libanesische Hisbollah-Miliz so schnell wie möglich beenden. Voraussetzung sei jedoch, dass Israel seine Ziele der Offensive erreiche, zitierte ein Abgeordneter den Regierungschef. Bislang hatte Olmert stärker auf Israels Entschlossenheit abgehoben, die Hisbollah zu bekämpfen.

Austausch wird denkbar

Dem Parlamentsvertreter zufolge lehnte Olmert einen Gefangenenaustausch zur Lösung des Konflikts nicht mehr kategorisch ab. Die Hisbollah hat zwei israelische Soldaten in ihrer Gewalt und fordert einen Austausch gegen inhaftierte Kämpfer ihrer Bewegung. Bislang hatte Israel einen solchen Schritt als undenkbar bezeichnet.

Israel führt seit mehr als zwei Wochen einen Krieg gegen die radikal-islamische Bewegung im Südlibanon. Auslöser war die Entführung der beiden israelischen Soldaten. Bei dem Konflikt wurden bislang mehr als 400 Libanesen und mehr als 40 Israelis getötet.

Schwere Verluste im Kampf um Bint Dschbeil

Unterdessen musste die israelische Armee bei neuen Gefechten um die südlibanesische Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil ihre höchsten Verluste seit Beginn des Kriegs hinnehmen. Am Mittwochabend bestätigte ein Militärsprecher den Tod von acht israelischen Soldaten offiziell. Mehrere andere Soldaten seien verletzt worden. Von libanesischen Sicherheitskreisen war zuvor die Zahl der getöteten Israelis mit neun angegeben worden. Israel hatte am Vortag die Einnahme von Bint Dschbeil gemeldet, dies aber am Mittwoch korrigiert und über weitere Kämpfe um die Hochburg der radikalislamische Hisbollah berichtet.

Der Kampf um Bint Dschbeil könnte Teil des israelischen Plans sein, eine Pufferzone für die Zeit bis zum Eintreffen einer internationalen Friedenstruppe einzurichten. Dadurch soll verhindert werden, dass die Hisbollah wieder Stellungen an der Grenze bezieht, von wo aus sie ihre Raketen nach Israel abfeuern kann.

Nasrallah droht dem Süden Israels

Auch am Mittwoch schlugen wieder mehr als 125 Raketen im Norden Israels ein, darunter in der Großstadt Haifa und in Carmiel. Dutzende Menschen wurden verletzt. Hisbollah-Chef Sajjed Hassan Nasrallah kündigte an, den Krieg noch tiefer nach Israel hinein zu tragen. "Ja, Haifa wird nicht die Grenze unserer Bombardements bleiben, egal wie der Feind reagiert", sagte Nasrallah im Fernsehsender seiner Organisation.

Zehn Häuser für jede Katjuscha

Die israelische Tageszeitung "Maariv" berichtete, Generalstabschef Dan Haluz habe der israelischen Luftwaffe befohlen, nach jedem Hisbollah-Angriff auf Haifa zehn Gebäude in der libanesischen Hauptstadt Beirut zu zerstören. Die israelische Hafenstadt Haifa wird seit Beginn der israelischen Luftangriffe von der Miliz der pro-iranischen Schiiten-Bewegung täglich mit Raketen angegriffen. Durch Hisbollah-Raketen starben bislang mindestens 18 Israelis.

Kämpfe im Gazastreifen

Heftige Kämpfe gab es auch im Gazastreifen. Dabei wurden 16 Palästinenser getötet - die höchste Zahl von Todesopfern pro Tag seit Beginn der israelischen Offensive Ende Juni. Ein Berater von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas forderte die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf.

Erklärtes Ziel der israelischen Militäroffensive ist es, einen verschleppten Soldaten zu befreien und die Raketenangriffe von Extremisten auf Israel zu stoppen.

Sanitätern und Augenzeugen zufolge gehörten neun der Opfer radikalen Gruppen wie der Hamas und dem Islamischen Dschihad an. Es seien aber auch ein dreijähriges Mädchen und ein behinderter Mann ums Leben gekommen. Rund 50 Menschen seien verletzt worden. Am Abend wurden zwei Mädchen im Alter von zwei und neun Jahren getötet, als ihr Haus in Dschebalia von Panzergeschossen getroffen wurde. Die Mutter und die zwölf Jahre alte Schwester der Mädchen seien schwer verletzt worden, teilten Krankenhausärzte mit. Seit Beginn der israelischen Offensive im Gaza-Streifen wurden 139 Palästinenser getötet.

Quelle: ntv.de

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