Politik

Alle für Bildung Bund darf Ländern helfen

Unter dem Eindruck des schlechten Abschneidens deutscher Schüler beim internationalen Schulleistungsvergleich PISA haben sich Bund und Länder am Montag überraschend auf einen gemeinsamen Aktionsrahmen für Bildungsreformen verständigt.

Zugleich gaben die unionsgeführten Länder ihren Widerstand gegen das Angebot von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, mit Bundesmitteln die Schaffung von 10.000 Ganztagsschulen in den Ländern zu unterstützen. Das vier Mrd. Euro umfassende Programm soll bereits am Mittwoch vom Kabinett in Berlin beschlossen werden.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte nach einem Treffen der Bildungsminister in Bonn, kein Bundesland lehne jetzt mehr das Hilfsangebot des Bundes ab. Ursprünglich hatten Unionsminister auf die alleinige Zuständigkeit der Länder in Schulfragen gepocht. Für die Union sagte der neue Bildungsminister von Sachsen-Anhalt, Jan-Hendrik Olbertz (parteilos), die Öffentlichkeit habe nach den schlechten deutschen Ergebnissen beim internationalen Schulleistungstest PISA für die Ablehnung kein Verständnis gehabt.

Mit Bundesmitteln soll zudem der Deutschunterricht von Ausländern und deren Eltern "auch über den Schulbereich hinaus" unterstützt werden, heißt es in dem Beschluss. Der Bund fördert dabei auch Unterrichtsmaßnahmen für ein besseres Text- und Leseverständnis sowie eine Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fähigkeiten. In diesen Bereichen hatten die deutschen Schüler in der PISA-Studie besonders schlecht abgeschnitten.

SPD ruft zu Bildungsreform auf

Unterdessen forderte die SPD Bund und Länder zu einer gemeinsamen Bildungsreform auf. Deutschland brauche insgesamt mehr qualifizierte junge Menschen mit Abitur und Fachhochschulreife, heißt es in einem am Montag vom SPD-Parteivorstand verabschiedeten "Manifest" zur Bildungspolitik. Ihr Anteil pro Jahrgang müsse bundesweit auf 40 Prozent erhöht werden. Zur Zeit sind dies 36 Prozent.

Zudem spricht sich die SPD dafür aus, überall Angebote für eine kürzere Schulzeit bis zum Abitur zu machen und auch mehr Ganztagsschulen einzurichten. Gravierende regionale Unterschiede störten derzeit "die föderative Balance" bei der Investitionspolitik, heißt es in dem Papier weiter.

Nordrhein-Westfalen führe beispielsweise mit 44 Prozent viel mehr junge Menschen zur Hochschulreife als Bayern (28,7 Prozent). Bayern müsse deshalb "im beachtlichem Umfang" Hochschulabsolventen aus anderen Bundesländern importieren. "Mit der Zielsetzung, vergleichbare Lebensverhältnisse im Bundesgebiet zu sichern, sei eine derartige Leistungsdifferenz nur schwer zu vereinbaren ".

PISA-Ergebnisse werden am 27. Juni vorgestellt

Die Kultusministerkonferenz (KMK) lud am Montag offiziell für den 27. Juni zur Vorstellung der PISA-Ergebnisse nach Berlin ein. Am Wochenende war bekannt geworden, dass Bayern mit deutlichem Abstand bei dem innerdeutschen PISA-Leistungsvergleich vorn liegen soll, gefolgt von Baden-Württemberg. Sachsen und Rheinland-Pfalz liegen den Berichten zufolge in etwa punktgleich auf dem dritten und vierten Platz.

Quelle: ntv.de