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Vorauskommando in US-UniformenBundeswehr schickte nach 9/11 Soldaten vor Bundestagsvotum nach Afghanistan

03.09.2026, 07:29 Uhr
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US-Spezialkräfte 2001 in Afghanistan. (Foto: Getty Images)

Laut Recherchen fliegen deutsche Soldaten im November 2001 nach Afghanistan - getarnt in US-Uniformen. Das Bundestagsmandat für den Einsatz gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch die Obleute im Verteidigungsausschuss erfahren offenbar nichts von der Mission.

25 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gibt es neue Erkenntnisse zum damaligen Auslandseinsatz der Bundeswehr. Nach Recherchen des NDR waren Spezialkräfte der Bundeswehr bereits nach Afghanistan aufgebrochen, bevor es ein Bundestagsmandat dafür gab. Das belegen nach Angaben des Senders Unterlagen und Schilderungen der damals Beteiligten. Demnach war es der Bundeswehr damals wichtig, als erster Bündnispartner mit US-Einheiten im Anti-Terror-Einsatz vor Ort zu sein.

Zwei Offiziere flogen laut dem NDR am 14. November 2001 getarnt und unter strikter Geheimhaltung als Vorauskommando ins Einsatzgebiet: Erst zwei Tage später beschloss der Bundestag mit knapper Mehrheit den umstrittenen Einsatz im Rahmen der Operation Enduring Freedom, verbunden mit einer Vertrauensfrage von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Den Recherchen zufolge wurden die Verteidigungsobleute der Fraktionen offenbar nicht informiert, was bei geheimen Operationen sonst oft üblich war. Wäre die Reise bekannt geworden, hätte das die Abstimmung noch beeinflussen können, so die Einschätzung mehrerer ehemaliger Politiker und Generäle.

Der damalige Generalinspekteur Harald Kujat schließt nicht aus, dass es Probleme mit dem Bundestag gegeben hätte, meint aber: "Es gab keine Veranlassung, das publik zu machen, denn das sind vorbereitende Maßnahmen gewesen. Die machen eine Dienstreise." Der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping sagte, solche Vorauskommandos seien durchaus üblich. "Es ist auch nicht üblich, darüber allzu viel öffentlich zu reden, weil sie nicht ein militärisches Mandat im Sinne unserer Vorstellungen und Vorschriften darstellen, sondern eine Erkundungsmission. Und insoweit war das in Ordnung." Ein Bundeswehrsprecher schrieb auf Anfrage, man äußere sich zu Aktivitäten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) grundsätzlich nicht.

"Es ist absolut gemauert worden"

Oberstleutnant Andreas Jödecke war den Recherchen zufolge der erste deutsche Verbindungsoffizier bei der US-geführten Task Force und landete in der Nacht zum 28. November 2001 in Camp Rhino mit einem zweiten Offizier südlich von Kandahar. Der zweiwöchige Weg dorthin war ungewöhnlich. Die Bundeswehroffiziere waren vom US-Zentralkommando CENTCOM in Florida über Katar in den Oman geflogen, wo sie sich vorbereiteten. Weil sie kein Visum für den Oman hatten und nicht auffallen sollten, trugen die Deutschen US-Uniformen.

Als die omanischen Behörden die Bundeswehroffiziere trotz Tarnung entdeckten, flogen sie den Angaben zufolge in einer US-Maschine nach Südafghanistan, wo sie sechs Tage blieben. Die beiden Deutschen prüften vor Ort, wie das KSK hier operieren könnte. Und sie unterstützten die Amerikaner bei der Planung erster Aufklärungsmissionen. Nachfolgende Einheiten des KSK waren dann für Operationen überall in Südafghanistan unterwegs.

Am Vorgehen der Bundesregierung damals gibt es auch Kritik. Nicht einmal im Verteidigungsausschuss wurde vertraulich informiert, erinnert sich die damalige Obfrau der mitregierenden Grünen. "Es ist absolut gemauert worden", so Angelika Beer. Die Verteidigungsexpertin und spätere Grünen-Vorsitzende kritisiert weniger die Erkundungsmission an sich, sondern dass sie ohne Zustimmung des Bundestages lief. "Aus militärischer Sicht kann ich das gut nachvollziehen. Aber es ist halt der Bruch mit allen parlamentarischen demokratischen Grundrechten."

Quelle: ntv.de, jpe

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