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Zentralrat der Juden verärgert CDU-Politiker machen Front gegen Schächten

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Rinder in einem Schlachthof in Hannover hängen ab und bluten aus, nachdem sie vorher betäubt wurden.

(Foto: picture alliance / Emily Wabitsc)

Wie gut vertragen sich Tierschutz und Religion? Niedersachsens CDU-Fraktion will das Schächten auch in Ausnahmefällen verbieten lassen, weil das Schlachtvieh dabei grundlos leiden müsse. Vermeintlich zielen die Abgeordneten dabei gegen den Islam. Doch der Zentralrat der Juden sieht sich herausgefordert.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat scharfe Kritik am Vorstoß der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion geübt, das betäubungslose rituelle Schächten zu verbieten. Eine zusätzliche Betäubung der zu schlachtenden Tiere sei im Judentum verboten, schrieb Zentralratspräsident Josef Schuster laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland in einem Brief an die CDU-Landtagsabgeordneten.

Die niedersächsische CDU-Landtagsfraktion hatte zuvor ein Verbot des Schächtens ohne vorherige Betäubung der Schlachttiere gefordert. In dem Beschluss heißt es, das Landesagrarministerium werde aufgefordert, ein solches Verbot in die Wege zu leiten. Die CDU regiert in Niedersachsen mit der SPD in einer Großen Koalition, es gibt dort viele Tierzuchtbetriebe.

Von diesen Betrieben zeigten einige bereits, "dass Religion und Tierwohl in Einklang gebracht werden können", erläuterte CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer in Hannover den Vorstoß. Es gebe daher auch keine Gründe, Tiere aus religiösen Gründen weiter leiden zu lassen. "Halal und Betäubung schließen sich nicht aus", ergänzte er unter Verweis auf das arabische Wort für "erlaubt". Dieses bezeichnet dort alle Handlungen, die laut Islam zulässig sind.

Koscheres Fleisch: Ausnahmen in Deutschland möglich

Zentralratspräsident Schuster betonte laut Bericht, das geforderte Verbot treffe "im Besonderen" die jüdische Gemeinschaft. "Obwohl das Verbot im Hinblick auf das muslimische Opferfest gefordert wird, trifft es vor allem die jüdische Gemeinschaft, da im Judentum der Verzehr nicht geschächteter Tiere verboten ist", schrieb Schuster an die CDU-Fraktion.

Er wies demnach auch darauf hin, dass die CDU damit eine zuvor schon von der niedersächsischen AfD erhobene Forderung übernehme. Diese "unsägliche Allianz" sei den Abgeordneten "hoffentlich bewusst".

Das betäubungslose Schlachten von Säugetieren und Vögeln ist in Deutschland aus Tierschutzgründen verboten. Bei den Behörden können aus "zwingenden" religiösen Gründen aber in Einzelfällen Ausnahmen beantragt werden. Laut Agrarministerium gab es in diesem Jahr in Niedersachsen anlässlich des islamischen Opferfests Kurban Bayrami einen Antrag, der sich auf maximal 200 Schafe und Ziegen erstreckte.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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