Politik

Wählerwanderung in Thüringen CDU verliert massiv nach rechts und links

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Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 25 Jahren nicht mehr: Rund 65 Prozent der Wahlberechtigten gaben in Thüringen ihre Stimme ab.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei der Landtagswahl in Thüringen bringen die Wähler die Verhältnisse deutlich durcheinander: Die Linke wird gestärkt und auch die AfD legt massiv zu. Beide Parteien können Zehntausende Nichtwähler mobilisieren, während die CDU Stimmen nach rechts und links abgeben muss.

Die Linke hat in Thüringen bei der Wahl ein Rekordergebnis erzielt - sie ist zum ersten Mal stärkste Kraft in einem Landtag geworden. Das verdankt sie vor allem einem: Bodo Ramelow. Den Umfragen von Infratest Dimap zufolge halten ihn 70 Prozent der Thüringer für einen guten Ministerpräsidenten - sogar 60 Prozent der CDU-Anhänger sind dieser Ansicht. Fast die Hälfte der Wahlberechtigten empfindet die Linke in Thüringen als Partei der Mitte.

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Die größten Gewinne kann allerdings die AfD für sich verbuchen. CDU und SPD gelten als die Verlierer der Wahl. Somit haben sich die Machtverhältnisse deutlich verschoben. Wähler werden offener bei ihrer Wahlentscheidung, und klassische Parteienbündnisse sind kaum mehr möglich. Das zeigt sich in Thüringen deutlich an der Wählerwanderung.

Nach den Erhebungen von Infratest Dimap gewann die bislang regierende Linke im Vergleich zur vorhergehenden Landtagswahl 2014 insgesamt 73.000 Wähler hinzu. Sie konnte 47.000 frühere Nichtwähler mobilisieren. Mit Ausnahme der AfD gewinnt die Linke von fast allen Parteien Wähler für sich. Die meisten kamen von der CDU (20.000), aber auch der SPD (17.000) und den Grünen (8000). Dafür verlor die Partei fast 17.000 Wähler an die AfD.

CDU verliert massiv an alle Parteien

Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 25 Jahren nicht mehr. Rund 65 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab - gut zwölf Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren. Von den knapp 200.000 Neuwählern profitierte die AfD am stärksten. Sie holte sich mit 80.000 Neuwählern fast die Hälfte der "neuen" Stimmen. Zudem nahm sie allen im Landtag vertretenen Parteien Stimmen ab: die meisten von der CDU und der Linken. Zudem wählten 7000 Bürger, die zuvor für die SPD gestimmten hatten, sowie 1000 einstige Grünen-Wähler die AfD. Auch 15.000 frühere Wähler anderer Parteien stimmten für die Rechtspopulisten.

Dagegen verlor die CDU massiv und stürzte auf ein Allzeittief in Thüringen. 36.000 Thüringer, die vor fünf Jahren noch ihr Kreuz bei den Christdemokraten gemacht haben, taten das diesmal bei der AfD. Womit die CDU wahrscheinlich nicht gerechnet hat: Sie verlor auch 20.000 Wähler an die Linke. Immerhin holte die Partei 31.000 Nichtwähler, die 2014 nicht an der Wahl teilgenommen hatten, diesmal an die Urne. Das ist allerdings der einzige Lichtblick für die CDU, die zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung nicht stärkste Kraft in Thüringen geworden ist.

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Nur noch einstellig ist das SPD-Ergebnis. Sie verlor viele der eh schon wenig üppigen Wählerstimmen, am meisten an die Linke (17.000) und die AfD (7000). Gewinnen konnten die Sozialdemokraten nur bei 13.000 bisherigen Nichtwählern.

Für die Grünen ist Thüringen nach wie vor ein schwieriges Pflaster. Sicherlich haben sie sich aber ein besseres Ergebnis erhofft. Zwar bekam die Partei 6000 ehemalige CDU-Wähler dazu. Gleichzeitig muss sie allerdings Stimmen an die Linke abgeben. 12.000 einstige Grünen-Wähler stimmten für die linke Regierungspartei statt für den kleineren Koalitionspartner.

In der vergangenen Legislaturperiode war die FDP nicht im Thüringer Landtag vertreten. Die Liberalen haben es traditionell schwer in ostdeutschen Bundesländern. Diesmal haben sie allerdings den Sprung in den thüringischen Landtag geschafft – wenn auch nur knapp. Die meisten Zuwächse hatten die Liberalen von ehemaligen CDU-Wählern (13.000) und einstigen Nichtwählern (14.000). Am Ende waren fünf Stimmen ausschlaggebend.

Quelle: ntv.de, hny